1000 Euro Starthilfe, Flugkosten inklusive: So lockt Deutschland Migranten zur freiwilligen Ausreise


Mehr Migranten reisen freiwillig aus – aber die „Rückführungsoffensive“ bleibt bislang ein Versprechen

Stand: 17.08.2026, 14:06 Uhr

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Immer mehr Migranten verlassen Deutschland freiwillig – mit einem Programm macht die Regierung die Ausreise attraktiv. Gleichzeitig brechen die Abschiebungen deutlich ein.

Berlin – Immer mehr Migranten und abgelehnte Asylsuchende reisen freiwillig aus. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres seien insgesamt 9276 Menschen im Rahmen von Rückkehrprogrammen des Bundes in ihre Heimatländer zurückgekehrt, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag unter Berufung auf das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf).

Eine Flüchtlingsfamilie geht durch die zu einer Massenunterkunft umfunktionierten Messehalle in Frankfurt.

Eine Flüchtlingsfamilie geht durch die zu einer Massenunterkunft umfunktionierte Messehalle in Frankfurt. Immer mehr Asylsuchende reisen freiwillig aus. (Symbolbild) © Boris Roessler/dpa

Im ersten Halbjahr 2025 seien es zum Vergleich 7348 Menschen gewesen, die freiwillig über das humanitäre Rückkehrförderprogramm REAG/GARP ausgereist waren. Schon 2025 war die geförderte freiwillige Rückkehr von ausreisepflichtigen Ausländern dem Bericht zufolge deutlich angestiegen. Im gesamten Jahr 2025 hätten die Bundesbehörden 16.578 Menschen bei der geförderten Rückkehr in ihr Herkunftsland oder einen aufnahmebereiten Drittstaat unterstützt. 2024 waren es den Angaben zufolge noch 10.358 Menschen.

Mehr Asylsuchende reisen freiwillig aus – gleichzeitig gehen die Abschiebungen zurück

Voller Erfolg für die von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) ausgerufene Migrationswende also? Tatsächlich hat Deutschland im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Menschen abgeschoben als im Vorjahreszeitraum. Laut den Zahlen des Bundesinnenministeriums, die dem Mediendienst Integration vorliegen, wurden bis Ende Juni 9.663 Abschiebungen vollzogen – ein Rückgang von rund 18 Prozent gegenüber den 11.807 Fällen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die im Koalitionsvertrag verankerte „Rückführungsoffensive“ bleibt damit bislang ein Versprechen.

Ende Juni hatte das Europaparlament den umstrittenen Rückkehrzentren für abgelehnte Asylsuchende in Drittstaaten und weiteren Verschärfungen von Asylregeln zugestimmt. Eine Mehrheit aus konservativen und rechten Abgeordneten stimmte in Straßburg den Gesetzesänderungen zu, die mehr Abschiebungen ermöglichen sollen.

EU verschärft Asylregeln – Programm soll freiwillige Ausreise attraktiver machen

In die geplanten Abschiebezentren (sogenannte „Return Hubs“) außerhalb der Europäischen Union sollen vollziehbar Ausreisepflichtige kommen, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden können – etwa, weil das Heimatland sich weigert, sie zurückzunehmen. Unbegleitete Minderjährige sollen den neuen Regelungen nach nicht in die Zentren abgeschoben werden. Für Familien mit Kindern und Jugendlichen gibt es die Möglichkeit dagegen schon.

Laut Ausländerzentralregister waren Ende Juni 2026 insgesamt 258.845 Menschen in Deutschland ausreisepflichtig, wie die Funke Mediengruppe weiter berichtet. Davon waren demnach 199.271 geduldet. Mit dem sogenannten REAG-GARP-Programm fördert das Bamf die freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Herkunftsländer oder in Drittstaaten. Das Bundesamt übernimmt etwa Flugkosten für die Ausreise und zahlt eine „Starthilfe“ von 1000 Euro pro Erwachsenem sowie 500 für Kinder und Jugendliche.

Seit Januar 2025 bietet das Bamf wieder die geförderte freiwillige Ausreise auch nach Syrien an, zuvor war das Programm aufgrund des Bürgerkrieges in dem Land ausgesetzt. (Quellen: AFP/dpa/Welt/eigene Recherche) (sischr)