Mehrere Verbände Europas lehnen langes Länderspielfenster ab
Stand: 09.10.2026 • 14:06 Uhr
Beim UEFA-Treffen in Berlin haben mehrere Verbände den neuen Länderspielkalender kritisiert - das Länderspielfenster ist ihnen zu lang.
Bei dem Treffen in Berlin in einem Luxushotel am Potsdamer Platz hinterlegten zahlreiche Mitgliedsverbände der UEFA ihren Ärger über das neue längere Länderspielfenster. Der englische "Guardian" berichtete zuerst über den Widerspruch zum neuen Kalender. Ein Verbandspräsident berichtete der Sportschau, dass sich praktisch alle Wortmeldungen bei der Sitzung zum Thema neues Länderspielfenster gerichtet hätten.
Der FIFA-Rat, in dem neben DFB-Präsident Bernd Neuendorf und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sechs weitere europäische Mitglieder sitzen, hatte den neuen Kalender einer FIFA-Mitteilung zufolge 2023 "einstimmig beschlossen". Bei der Sitzung der UEFA-Verbände wurde die Forderung geäußert, wieder zum alten Kalender zurückzukehren.
Neuer Kalender bis 2030 festegelegt
Dabei sollte der neue Kalender Entlastung bringen. Und er ist nun vorerst bis 2030 festgelegt. Im Herbst gibt es seit dieser Saison statt drei Länderspielfenster mit je zwei Spielen nun zwei, von denen eins vier und eins zwei Spiele hat. Zwei An- und Abreisetage können gespart werden - was vor allem für Spieler relevant ist, die für ihre Länderspiele beispielsweise nach Südamerika reisen müssen. Statt 27 Tage werden die Spieler im Herbst von den Klubs nur noch 24 Tage abgestellt.
Jan-Christian Dreesen, Vorstandschef von Bayern München, hatte den neuen Kalender gelobt. Er sei "für den Klubfußball besser" und für alle Beteiligten der richtige Weg, sagte er Ende September dem Sender "Sky". Auch wenn immer etwas Sorge dabei sei, ob die Spieler gesund nach Hause kommen. Genau das wurde bei den europäischen Verbänden zum Thema. Die Nations League bringt Wettbewerbsspiele mit sich. Es gab Verletzungen von Spielern wie Kylian Mbappé, Alexander Isak, Cody Gakpo, Brian Brobbery oder auch Kai Havertz.
Kylian Mbappe verletzte sich im Länderspiel Frankreichs gegen die Türkei am Knie.
Einige Verbände fürchten um Kartenverkauf
Für kleinere Länder wurden laut "Guardian" noch andere Aspekte ein Thema: Durch die geballte Terminierung von Länderspielen sei es schwieriger, Eintrittskarten für die Spiele zu verkaufen.
Am 15. Oktober findet in Zürich eine Sitzung des FIFA-Rats statt, die im Zeichen des Machtkampfs zwischen FIFA-Präsident Gianni Infantino und der UEFA steht. Auf eine Anfrage der Sportschau verwies die FIFA auf die Tagesordnung, auf der das Thema nicht aufgeführt ist. Zugleich kann aber jedes Ratsmitglied Themen unter "Vermischtes" ansprechen.
Neuer Kalender sorgt für großen Ärger - aber nicht wegen der Länderspiele
Der Kalender sorgt grundsätzlich seit Jahren für Streit. So legten der europäische Ligenverband European Leagues, in dem auch die Bundesliga Mitglied ist, eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Die Ligen fühlen sich bei der Diskussion übergangen und fordern ein deutlicheres Mitspracherecht bei der Gestaltung des Kalenders. Die FIFA wies die Vorwürfe zurück.
Nationale Wettbewerbe gerieten in den vergangenen Jahren immer weiter unter Druck, was nicht nur an der FIFA, sondern auch an der UEFA mit ihren ausgeweiteten Europapokalwettbewerben liegt:
- In Frankreich wurde die Liga von 20 auf 18 Teams verkleinert und der Ligapokal abgeschafft.
- In England wurden im FA Cup Wiederholungsspiele bei Unentschieden abgeschafft, auch im Ligapokal wurden Anpassungen vorgenommen.
- In Italien wurde eine Verkleinerung der Serie A auf 18 Teams diskutiert - bislang aber abgelehnt.
- In Spanien wurden in den meisten Runden der Copa del Rey die Rückspiele abgeschafft.
In Deutschland hat die Bundesliga nur 18 Teams und es gibt nur einen Pokalwettbewerb ohne Rückspiele - das alles passt derzeit noch in den Kalender.