Meinungen der Abendblatt-Leser: 17. Oktober 2026


KI-Stimme. Info

Keine Lobby

16. Oktober: Diese Flüchtlingsunterkünfte nutzt Hamburg länger als geplant

Was fällt einem bei der Auflistung der Flüchtlingsunterkünfte, die länger genutzt werden, auf? Ja, alle befinden sich östlich oder südlich dieser Stadt. Von gleicher, sozial gerechter Verteilung in der gesamten Stadt kann überhaupt keine Rede sein.
Raum für diese Größe von einer Flüchtlingsunterkunft wäre auch westlich der Alster möglich. Zum Beispiel in Harvestehude oder Blankenese. Aber, wie seit Jahrzehnten, wird vor allem der Bezirk Wandsbek benutzt. Der Osten Hamburgs hat eben keine Lobby.

Dagmar Schlueter

Wenig überraschend

16. Oktober: Hauptbahnhof-Bahnsteige waren in Dutzenden Fällen überlastet

Mich überrascht die Überlastung nicht. Als regelmäßiger Bahnfahrer nach München sehe ich die große Fülle von Fahrgästen auf dem Bahnsteig von Gleis 13/14 nahezu immer. Ich weiche auf den Dammtor-Bahnhof zum Umsteigen aus. Leider fahren viele Züge mittlerweile nur noch ab Hauptbahnhof oder lassen Dammtor aus. Des Weiteren trägt die Bahn-App ihren Teil bei: Sie zeigt standardmäßig den Hauptbahnhof zum Umsteigen an, selbst wenn ein Umstieg Dammtor möglich wäre. Nicht zuletzt sind es auch viele Fahrgäste, die nicht die gesamte Länge des Bahnsteigs ausnutzen.

Lars Dinse

Anders regeln

Man könnte das Platzproblem auch dadurch entspannen, wenn wieder vermehrt Züge in Hamburg-Harburg halten würden. Zur Zeit müssen Fernreisende aus Hamburgs Süden in Richtung Süden erst mit der häufig überfüllten S-Bahn zum Hauptbahnhof fahren und dort im Gedränge in Fernzüge umsteigen, die dann bedauerlicherweise ohne Halt durch den Bahnhof Hamburg-Harburg durchfahren. Das Gedränge beginnt im Übrigen schon auf den Bahnsteigen 1 und 2, den Rolltreppen und dem Weg zu den Bahnsteigen des Fernverkehrs. Wenn Reisende aus dem Süden dies umgehen wollen, werden sie auf Regionalzüge nach Hannover verwiesen, um dort umzusteigen. Dies beinhaltet leider das Risiko, dass die IC‑/ICE‑Züge nicht auf Regionalzüge warten und sich die Fahrtzeiten Richtung Köln und Frankfurt erheblich verlängern.

Amanda Stehr

Kaum erkennbare Fortschritte

Die beschriebenen Zustände am Hauptbahnhof sind seit Jahren bekannt. Bemerkenswert finde ich allerdings weniger die erneute Feststellung der Überlastung als vielmehr die Frage, warum trotz dieser Erkenntnisse so wenig erkennbarer Fortschritt erzielt und sich auf absehbare Zeit daran nichts ändern wird. Das Gedränge am Gleis 13/14 wird uns also noch lange Zeit erhalten bleiben. Ich hatte mich kürzlich etwas eingehender mit dem gerade veröffentlichten „Infraplan 2026“ der Deutschen Bahn beschäftigt und bin dabei gedanklich zu dem Ergebnis gekommen: „Bei den Zuläufen wird gebaut – beim Herzstück des Systems wird noch geplant.“ Während mit der S4 Ost, der Sanierung Hamburg–Berlin und der Hinterlandanbindung des Fehmarnbelttunnels erhebliche Investitionen in die Schieneninfrastruktur rund um Hamburg erfolgen, bleiben ausgerechnet beim entscheidenden Engpass, dem Hauptbahnhof und der Verbindungsbahn, wesentliche Fragen offen. Besonders bemerkenswert erscheint mir dabei, dass der Senat den Verbindungsbahnentlastungstunnel z.B. noch 2023 als „zwingend notwendig“ bezeichnete, dieser im Infraplan 2026 jedoch nicht als eigenständiges Bauprojekt mit belastbarem Zeit- und Kostenrahmen erscheint. Auch der zusätzliche Bahnsteig am Gleis 9 ist über die Planungsphase noch nicht entscheidend hinausgekommen. Termine und Kosten bleiben weiterhin offen. Natürlich sind die Zuständigkeiten zwischen Bund, Deutscher Bahn und Hamburg zu unterscheiden. Aber gerade deshalb wäre es interessant zu erfahren, welche konkreten Prioritäten der Hamburger Senat gegenüber dem Bund tatsächlich durchgesetzt hat und woran sich der Erfolg seiner Bemühungen messen lässt.

Wolfgang Ploss

Nicht abhalten lassen

16. Oktober: Schule plant Exkursion zur Anti-AfD-Demo – und bekommt Hassmails

Dass der AfD die Prüfdemos und ein Schülerbesuch dort missfallen, überrascht kaum. Doch die Verbotsdebatte ist nicht vom Himmel gefallen. Die Partei liefert schließlich selbst die Gründe: durch ihre Positionen, Äußerungen ihrer Funktionäre und extremistisches Verhalten in Teilen ihrer Anhängerschaft. Bundesweit wird sie als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet, mehrere Landesverbände gelten als gesichert rechtsextremistisch. Genau darüber müssen Schüler diskutieren können. Eine Demonstration beobachten, ihre Forderungen hinterfragen und über Parteienrechte, Grundgesetz und wehrhafte Demokratie streiten: Das ist lebendige politische Bildung. Ein vorgegebenes Urteil braucht es dafür nicht. Die AfD beklagt politische Instrumentalisierung. Sie sollte sich ihrer eigenen Verantwortung für diese Debatte stellen. Wer Anlass zur Sorge um die Demokratie gibt, muss kritische Auseinandersetzung aushalten. Die Schule sollte organisatorische Fehler korrigieren und die Exkursion nachholen. Drohungen dürfen keinen Stundenplan diktieren.

Matthias Baake

Neutral bleiben

Es ist nicht Aufgabe von Schulen, ihre Schüler zu politischen Kundgebungen und Demonstrationen abzuordnen, um die Teilnehmerzahl hochzutreiben. Das gab es meines Wissens nur in der DDR. Schulen, und insbesondere die Lehrer, haben politisch neutral zu sein, ohne gegen eine zugelassene, demokratische Partei zu stänkern. Zudem haben sie im Unterricht ihre eigenen politischen Ansichten zurückzustellen. Insofern ist die Kritik an der zwangsweisen Teilnahme in der Freizeit mehr als berechtigt. Schlimm genug, dass die Schulbehörde nicht gleich eingegriffen hat!

Peter Drygalla

Bessere Vorsorge nur für Selbstzahler?

16. Oktober: Vorsorge, Zahnspange, Brille: Was bezahlen die Krankenkassen überhaupt noch?

Mit „individuellen Gesundheitsleistungen“ werden nach Schätzungen des Medizinischen Dienstes Bund jährlich über zwei Milliarden Euro in den Arztpraxen umgesetzt. Es steht jedem Menschen frei, sich solche Leistungen zu kaufen. Es steht ebenfalls allen frei, hierfür Zusatzversicherungen abzuschließen. Dass das Abendblatt wieder einmal kostenlose Werbung für ein hoffnungsfrohes Start-up auf diesem Markt macht, muss man wohl hinnehmen. Dass dessen Geschäftsmodell auf zum Teil falschen Aussagen beruht, ist ärgerlich. Dass diese allerdings vom Abendblatt ohne Prüfung wiedergegeben werden, ist schwer erträglich. Tenor des Artikels ist, dass immer mehr sinnvolle Vorsorgeleistungen aus dem Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weggespart werden. Auf die angeführten Beispiele trifft dies aber nicht zu: Der HPV‑Test war niemals Vorsorgeleistung bei Frauen unter 35 Jahren, und das aus guten Gründen. Ebenfalls gilt dies für die Ultraschalluntersuchung von Brust und Eierstöcken zu Zwecken der Früherkennung. Letztere wird sogar in der Leitlinie der zuständigen frauenärztlichen Fachgesellschaft als „problematisch“ bei Frauen ohne konkreten Krankheitsverdacht eingestuft. Geradezu polemisch ist die Frage aus der Titelzeile „… was bezahlen die Krankenkassen überhaupt noch?“ Nun: Sie bezahlen weiterhin alle Untersuchungen und Behandlungen, für die gezeigt werden kann, dass sie wirksam sind bzw. ihr Nutzen einen möglichen Schaden übersteigt. Dies gilt sowohl für einfache Laboruntersuchungen oder Medikamente für wenige Euro als auch für Operationen, Krankenhausbehandlungen oder Arzneimitteltherapien, deren Kosten im Fall schwerwiegender Erkrankungen auch mal fünf- bis sechsstellige Summen erreichen können. Im Gegensatz zu Menschen in vielen anderen Ländern können sich die GKV-Versicherten in Deutschland immer noch darauf verlassen, in einer solchen Situation nicht ihr Haus verkaufen, auf Ersparnisse zurückgreifen oder zu Spenden aufrufen zu müssen.

Dr. med. Antje Gottberg

Hart bleiben

16. Oktober: Kommentare EU‑Haushalt, nicht mit dem Kopf durch die Wand

Bundeskanzler Merz sollte beim EU‑Haushalt hart bleiben, die Zeiten der Umverteilung und des Überflusses sind endgültig vorbei. Angesichts hoher Zinsen verbieten sich weitere Schuldenaufnahmen. Deutschland ist bereits heute der größte Nettozahler, während Frankreich im Schuldensumpf versinkt, aber einen hohen EU‑Haushalt fordert. Wie wollen die Franzosen Zahlungen an die EU stemmen? Dazu folgende Idee: Die Standorte der EU, Brüssel und Straßburg, zusammenlegen, die EU‑Kommission und den Beamtenapparat drastisch verkleinern. Damit würden enorme Kosten gespart, Bürokratie abgebaut und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft gratis verbessert.

Torsten Johannsen

Das zwingt den Iran nicht in die Knie

16. Oktober: USA prüfen Einsatz der „Mutter aller Bomben“

Die Drohung mit dem Einsatz der „Mutter aller Bomben“ wird unweigerlich zu einer Eskalation des Krieges führen. Denn die iranische Führung hat unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass eine entsprechende militärische Reaktion erfolgen würde, falls die USA weiterhin Angriffe gegen den Iran ausführen sollten. Offenbar hat Trump nicht begriffen, dass der Iran nach dem bisherigen Verlauf des Krieges militärisch nicht in die Knie gezwungen werden kann. Die Sperrung der Straße von Hormus mag ein Beispiel dafür sein, mit welchen Mitteln, auch wirtschaftlich gesehen, der Iran in der Lage ist, der Weltwirtschaft und damit auch den USA zu schaden. Die Unfähigkeit der politischen Unterhändler der USA, einen gerechten Frieden zu vereinbaren, wirft die Fragen auf, ob Trump überhaupt noch dazu bereit ist, eine außermilitärische Lösung anzustreben. Europäische Spitzenpolitiker sollten sich daher aktiv daran beteiligen, Trump von der Unsinnigkeit einer militärischen Lösung zu überzeugen, und ferner Vorschläge für eine friedliche Lösung unterbreiten, die den Weg für eine Beendigung des Krieges bereiten.

Dr. Claus Rabe

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