Mercedes-Benz verliert 30 Prozent in China – wo der Konzern derzeit wirklich sein Geld verdient
Stand: 28.07.2026, 13:11 Uhr
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China bleibt auch für Mercedes-Benz ein hartes Pflaster: Der Absatz des Pkw-Geschäfts ist im zweiten Quartal um 30 Prozent eingebrochen – dafür punkteten andere Segmente.
Stuttgart – Jahrzehntelang war der chinesische Markt für Deutschlands Autobauer ein nicht endendes Wachstumsversprechen. Doch inzwischen wird der größte und wichtigste Automarkt der Welt immer mehr zum Stresstest für die deutschen Premiummarken. Mercedes-Benz bekommt das derzeit besonders deutlich zu spüren: Im zweiten Quartal ist der Absatz im Pkw-Geschäft in China um 30 Prozent eingebrochen – und trägt maßgeblich dazu bei, dass das Autogeschäft weiterhin unter erheblichem Druck steht.
Mehr Gewinn im zweiten Quartal – doch von einer echten Trendwende ist Mercedes-Benz noch weit entfernt
Doch die Schlagzeile verrät nur die halbe Wahrheit. Denn wer aus diesen Zahlen den unaufhaltsamen Niedergang des Stuttgarter Autokonzerns ableiten will, sollte die gesamte Bilanz von Mercedes betrachten: Abseits des chinesischen Marktes entwickelte sich der Pkw-Absatz deutlich besser: In Europa stiegen die Verkäufe um vier Prozent, in den USA sogar um zehn Prozent. Weltweit legten die Verkäufe reiner Elektroautos zudem um 51 Prozent zu. Und auch die Diversifizierung des Geschäftsmodells zahlte sich im zweiten Quartal einmal mehr aus: Die Sparten Vans und Financial Services lieferten starke operative Ergebnisse und federten die Schwäche im Pkw-Geschäft deutlich ab. Unterm Strich verdiente Mercedes 1,09 Milliarden Euro – 13,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Auch CEO Ola Källenius machte im Analysten-Call am Dienstagmorgen deutlich, dass das Marktumfeld schwierig bleibt. Trotz der Herausforderungen sah er Mercedes im zweiten Quartal allerdings „auf Kurs“. Eine echte Trendwende ist das allerdings noch längst nicht. Im gesamten ersten Halbjahr erwirtschaftete Mercedes-Benz damit 2,52 Milliarden Euro Gewinn – trotz des positiven zweiten Quartals noch sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Der alte Premiumbonus reicht Mercedes-Benz nicht mehr: Chinas Autobauer dominieren den Wettbewerb
Seit 2023 ist der Jahresgewinn von 14,5 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 eingebrochen – und hat sich somit weit mehr als halbiert. Und hinzu kommt: Im ersten Halbjahr 2026 lag der Gewinn noch immer sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dass Mercedes im zweiten Quartal erstmals seit drei Jahren wieder ein Gewinnplus im Vorjahresvergleich erzielte, sendet allerdings zumindest ein positives Signal.
Vor allem, weil die Chefetage um Källenius genau weiß, dass China derzeit der größte Belastungsfaktor für das Pkw-Geschäft ist. Die schwachen Ergebnisse im zweiten Quartal von nur 98.624 verkauften Pkws in China entsprechen einem Einbruch von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Generell gingen die Verkäufe in der gesamten Region Asien um 27 Prozent zurück. Doch China bleibt weiterhin die größte Baustelle: Ohne die Volksrepublik wäre der weltweite Absatz sogar um zwei Prozent gestiegen.
Chinas komplizierter Markt hinterlässt tiefe Spuren – und drückt den Gewinn der einst lukrativen Pkw-Sparte
Kallänius verweist auf den intensiven Wettbewerb, die gedämpfte Nachfrage vor Ort und den laufenden Modellwechsel des Konzerns. Zur Wahrheit gehört auch, dass die deutschen Autobauer von den heimischen Anbietern in China links überholt wurden. Mit der aggressiven Preisstruktur von BYD und Co. konnten weder Mercedes-Benz noch VW oder BMW konkurrieren. Hinzu kommt allerdings auch die clevere Technologie-Strategie der chinesischen Marken, die zumindest innerhalb der Volksrepublik softwaregetrieben und digital auf die Bedürfnisse der Käufer zugeschnitten sind. Bei Mercedes kommt hinzu, dass die Nachfrage im Premiumsegment komplexer geworden ist – das gilt allerdings weltweit: Bei den S-Klasse-Modellen waren es minus 15 Prozent, bei Mercedes-AMG minus elf Prozent und bei Mercedes-Maybach minus sieben Prozent.
Mehr China wagen: Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius setzt auf lokale Modelle, Partner und geringe Kosten
Wie stark das China-Problem inzwischen auf das Ergebnis durchschlägt, zeigt auch das Pkw-Geschäft: Das bereinigte EBIT sank im zweiten Quartal um 26 Prozent auf 909 Millionen Euro. Unbereinigt blieben sogar nur 49 Millionen Euro übrig – auch wegen Wertminderungen von 704 Millionen Euro im Zusammenhang mit chinesischen Beteiligungen, die laut Mercedes allerdings nicht unmittelbar zahlungswirksam waren.
Strategisch will Kallänius aber dennoch an China festhalten, wie er am Dienstag verkündete. Der Markt sei als größter Automarkt der Welt noch immer unverzichtbar. Ein Ansatz für die Zukunft sei daher, verstärkt mit chinesischen Technologieanbietern zusammenzuarbeiten und die Kostenstruktur der eigenen Modelle konkurrenzfähiger zu gestalten. Flankiert wird die China-Strategie von der größten Modelloffensive der Unternehmensgeschichte: Bis Ende 2027 will Mercedes-Benz mehr als 40 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt bringen. Bis 2027 sollen gegenüber 2024 die lokalen Materialkosten um zehn Prozent sowie die Produktions- und die Fixkosten um jeweils 20 Prozent sinken.
Kein Preiskampf mit BYD und Co. – Mercedes-Benz will Modelle stärker auf chinesischen Markt ausrichten
Ein Preiskampf mit BYD schwebt Kallenius dagegen nicht vor. Stattdessen sollen vielmehr niedrigere Kosten und gezielte Investments in die Infrastruktur die Konkurrenzfähigkeit verbessern: So stellte der Konzern bereits den GLC L in zwei exklusiv für den chinesischen Markt entwickelten Varianten vor. Auch der elektrische CLA 260 L soll diesem Beispiel folgen. Insgesamt soll die Zahl der lokal produzierten Mercedes-Pkws von 14 auf 20 Modelle steigen.
Weit besser läuft dagegen das Van-Geschäft: Hier stieg das bereinigte EBIT im zweiten Quartal um drei Prozent auf 454 Millionen Euro. Maßgeblich verantwortlich für die rund 10,2-prozentige Umsatzrendite waren die Märkte außerhalb Chinas: In Nordamerika kletterten die Van-Verkäufe etwa um 23 Prozent, in Europa immerhin noch um fünf Prozent.
Finanzdienstleistungen und Van-Verkäufe retten Mercedes-Benz das Geschäft – und überholen Auto-Sparte
Noch kräftiger legten allerdings die Finanzdienstleistungen des Konzerns zu: Der Mercedes-Benz Financial Services steigerte seinen EBIT um 70 Prozent auf 492 Millionen Euro – speziell in den USA. Hier punktete der Konzern besonders mit Finanzierungen und Leasing-Angeboten für die eigenen Fahrzeuge.
Das bisherige Resümee des Jahres 2026 zielt besonders auf die starke Performance dieser beiden Geschäftssegmente ab – und nicht mehr nur auf den traditionellen Pkw-Verkauf: Zusammen erwirtschafteten Vans und Financial Services rund 946 Millionen Euro – und damit etwas mehr als die 909 Millionen Euro aus der gesamten Pkw-Sparte. (Quellen: Mercedes-Benz, Reuters, t-online.de) (msw).