Mercedes-Mitarbeitern droht 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich – Tabelle zeigt drastische Folgen in Zahlen
Stand: 10.10.2026, 13:00 Uhr
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Der Sparkurs bei Mercedes-Benz spitzt sich dramatisch zu: Neben Schließungsdrohungen und neuer Präsenzpflicht fordert das Management 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich.
Die Fronten zwischen dem Vorstand von Mercedes-Benz und der Belegschaft sind so verhärtet wie seit Jahren nicht mehr. Nach einem drastischen Gewinneinbruch im Jahr 2025 um 49 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro – vor allem bedingt durch eine anhaltende Absatzschwäche im wichtigen chinesischen Markt – hat der Autobauer das umfassende Sparprogramm „Next Level Performance“ eingeleitet. Ziel des Managements ist es, die Fix- und Produktionskosten bis 2027 dauerhaft um fünf Milliarden Euro beziehungsweise zehn Prozent zu senken.
40-Stunden-Woche würde 260 unbezahlte Stunden pro Jahr für Mercedes-Mitarbeiter bedeuten
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht eine weitreichende Forderung der Unternehmensführung: Die rund 90.000 Tarifbeschäftigten in Deutschland sollen von der tarifvertraglich geregelten 35-Stunden-Woche auf eine 40-Stunden-Woche zurückkehren – bei vollständig gleichbleibendem Monatsgehalt. Rechnerisch bedeutet diese Erhöhung um fünf Wochenstunden für jeden Vollzeitbeschäftigten ein Pensum von rund 260 zusätzlichen, unbezahlten Arbeitsstunden im Kalenderjahr. Dies entspricht rechnerisch mehr als sechs vollen Arbeitswochen unbezahlter Mehrleistung.
Die Tabelle zeigt deutlich, wer mit welchen Einbußen rechnen müsste. Und klar ist auch: Zieht Mercedes durch, könnte das erst der Anfang sein und noch weitere tarifgebundene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betreffen.
Rechnerischer Stundenlohnverlust von 12,5 Prozent
Die Auswirkungen auf den effektiven Stundenlohn sind empfindlich. Für Facharbeiter in den mittleren Entgeltgruppen der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg mit einem typischen Bruttogehalt von 4.200 Euro sinkt der rechnerische Stundenlohn von bisher 27,69 Euro auf 24,23 Euro. Dies entspricht einer faktischen Reallohnminderung von 12,5 Prozent beziehungsweise 3,46 Euro pro geleisteter Stunde. Zudem hat der Vorstand den jährlichen tariflichen Transformationsbaustein in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsgehalts für das laufende Jahr ausgesetzt und auf 2027 verschoben.
Aus Sicht des Vorstands um Konzernchef Ola Källenius sind die angedachten Einschnitte unumgänglich, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern. Das Management argumentiert intern, dass die kostenintensive Transformation zur Elektromobilität, der massive Preisdruck durch aufstrebende chinesische Hersteller sowie die im internationalen Vergleich extrem hohen Energie- und Arbeitskosten den Standort Deutschland massiv belasten.
Präsenzpflicht, Werksschließungs-Drohungen und Gegenwehr
Verstärkt wird der Unmut durch weitere Restriktionen: Ende September kündigte das Unternehmen die Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten und führte eine Präsenzpflicht von bis zu vier Tagen pro Woche im Büro ein. Gleichzeitig drohte Produktionsvorstand Michael Schiebe intern mit der Schließung von bis zu zwei deutschen Werken (einem Fahrzeugmontage- und einem Powertrainwerk), sollten die Produktionskosten im Vergleich zum ungarischen Werk Kecskemét nicht spürbar sinken, wo die Faktorkosten um 70 Prozent niedriger liegen.
Gesamtbetrieb und die IG Metall bezeichnen das Vorgehen als „Horrorkatalog“. Bei Großkundgebungen in Sindelfingen, Untertürkheim und Rastatt protestierten bereits Zehntausende Beschäftigte. Die Gewerkschaft betonte, dass die 35-Stunden-Woche als tarifpolitische Errungenschaft nicht verhandelbar sei. Nachdem jedoch mittlerweile auch die Chefetagen von BMW und VW über Arbeitszeiten diskutieren wollen, drohen heiße Wochen. (mke)