Merz gibt Prognose für Sachsen-Anhalt-Wahl ab: „Werden anderes Ergebnis sehen“


KI-Stimme. Info

Schützenhilfe aus Berlin? Lieber nicht! In diesem Wahlkampf gelten andere Spielregeln. Sven Schulze, der als amtierender Ministerpräsident am Sonntag eine absolute Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt verhindern will, probiert es da eher mit maximaler Distanz zu Berlin und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Im Wahlkampf wird Merz deswegen auch lieber versteckt. Besuche finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. So wie an diesem Montagabend in der Welterbestadt Quedlinburg.

Newsletter Illustration

Merz kommt in abgedunkelter Limousine auf den Schlossberg vorgefahren. Vorbei an einer kleineren Gruppe Protestler, die zwei Transparente („Nicht mein Kanzler“, „Unser Land zuerst“) dabeihaben. Doch als Merz grußlos vorbeifährt, fällt der Protest aus. Die erwarteten Pfiffe jedenfalls gibt es doch nicht. Da hätte Merz wohl mehr Gegenwind erwartet.

Auch interessant

Unwetter begleitet Kanzlerbesuch in Sachsen-Anhalt: Merz betont wirtschaftlichen Aufschwung

Ungemütlich wird es nur von oben. Dunkle Wolken ziehen auf, kurz nachdem der Kanzler eingetroffen ist. Blitze, Donner, ein handfester Wolkenbruch. Wenn das mal keine schlechten Vorzeichen für den Wahlausgang sind, unkt da gleich mal ein Passant, der auch den Kanzler sehen wollte. Doch da ist Merz schon längst hinter den altehrwürdigen Mauern der Stiftskirche verschwunden.

Drinnen erfährt Merz so einiges zur Historie des Ortes, trägt sich in das goldene Buch der Stadt ein und spricht anschließend noch mit Kommunal- und Landespolitikern. Wenig Überraschendes soll da beredet worden sein. Merz habe vielmehr betont, dass der wirtschaftliche Aufschwung nun schon an ersten Zahlen zu erkennen sei, Reformen wirkten. Aber, ob’s jetzt noch hilft?

AfD dominiert Umfragen – Merz glaubt an CDU-Aufholjagd

Es dürfte zumindest schwierig werden. Die AfD liegt seit Monaten in den Umfragen stabil bei 40 Prozent oder mehr, die Christdemokraten hingegen sind weit abgeschlagen. Schulze hofft darauf, dass auch SPD und Grüne ins Parlament einziehen, was die Chancen der AfD auf eine Alleinregierung massiv schmälern würde. Und Merz?

Der gibt sich erstaunlich optimistisch und erinnert zunächst an die Landtagswahl in Magdeburg vor fünf Jahren. Damals schien die AfD in Umfragen ebenfalls enteilt, doch dem langjährigen Landesvater Reiner Haseloff (CDU) glückte die Aufholjagd. „Ich habe die Zuversicht, dass es ein gutes Ergebnis werden wird für Sven Schulze und die CDU. Wir werden am Sonntagabend nach meiner festen Überzeugung ein anderes Ergebnis sehen, als das, was wir zurzeit in den Umfragen haben“, sagt der Kanzler dann.

Hintergründe zur Wahl in Sachsen-Anhalt – für Sie recherchiert

CDU will AfD-Wähler zurückgewinnen und warnt vor Wirtschaftsrisiken

Merz betont ausdrücklich, dass die CDU dafür auch Wählergruppen zurückgewinnen wolle, die derzeit damit liebäugelten, die AfD zu wählen. „Ich will das ausdrücklich sagen: Es gibt zu den Wählerinnen und Wählern keine Brandmauer. Ich möchte diese Wählerinnen und Wähler gewinnen und wenn sie verloren gegangen sind, auch zurückgewinnen.“

Den Sachsen-Anhaltern spricht der Kanzler aber auch eine Warnung aus: Sollte das Land nach der Wahl „nicht mehr regierbar“ sein und eine rechtspopulistische Partei möglicherweise die absolute Mehrheit erreichen, „dann werden internationale Investoren sich dreimal überlegen, ob sie noch in Sachsen-Anhalt investieren“, sagt Merz. Das sei keine Vermutung. „Das bekomme ich regelmäßig zu hören“. Es gehe damit, so der Kanzler, auch um die wirtschaftliche Stabilität des Bundeslands. Sachsen-Anhalt, sagt Merz dann noch, dürfe „kein Experimentierfeld für Wutbürger werden“.