„Richtig perfide“: Merz-Regierung belastet mit Renten-Plänen ausgerechnet diese Menschen – Millionen betroffen


Merz-Regierung belastet mit Renten-Plänen ausgerechnet Arbeiterinnen und Arbeiter: „Richtig perfide“

Stand: 18.09.2026, 13:59 Uhr

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Menschen mit niedrigem Einkommen oder bestimmten Berufen sterben früher. Die geplante Rentenreform könnte sie doppelt benachteiligen. Und: Auch der Wohnort spielt eine Rolle.

Berlin – Wer länger lebt, soll auch länger arbeiten. So lässt sich eine Kernempfehlung der Alterssicherungskommission formulieren, die Vorschläge für die Rentenreform erarbeitet hatte. Allmählich nehmen die Rentenpläne der schwarz-roten Koalition Form an – sorgen jetzt aber für massive Kritik. Gemäß Kommissionsempfehlung will die Bundesregierung nämlich die Regelaltersgrenze künftig an die Entwicklung der allgemeinen Lebenserwartung koppeln, vor allem die CDU dringt immer wieder auf dieses Vorhaben.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) im Juli bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Koalitionsausschusses:

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) im Juli bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Koalitionsausschusses: Die „Rente mit 63“ steht vor dem Aus. © Michael Kappeler/dpa

Aber: Die Lebenserwartung variiert allein regional sehr stark in Deutschland. Und Auswertungen der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages zeigen: Vor allem Menschen mit niedrigerem Einkommen, geringerem Bildungsabschluss sowie hoher körperlicher Arbeitsbelastung dürften durch Rentenpläne benachteiligt werden.

So heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die die Wissenschaftlichen Dienste zitieren, dass Menschen mit niedriger Bildung im Alter zwischen 55 und 76 Jahren eine deutlich höhere Sterbewahrscheinlichkeit (14 Prozent) aufweisen als Personen mit hoher Bildung (9 Prozent). Eine Studie des Robert-Koch-Instituts wiederum kommt zu dem Schluss, dass Menschen, die in sogenannten sozioökonomisch benachteiligten Regionen leben, eine kürzere Lebenserwartung haben. Zu den besonders belasteten Regionen gehören zum Beispiel ländliche Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder Brandenburg, oder auch das Ruhrgebiet mit Städten wie Gelsenkirchen oder Duisburg.

Einbußen bei der Rente: „Wird besonders hart arbeitende Menschen treffen“

Die Rentenpläne der Regierung bekommen jetzt Gegenwind aus der Opposition. So sagt die rentenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Sarah Vollath: Die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung zu koppeln, würde soziale Ungleichheiten im Land noch weiter verschärfen. „Wenn die Bundesregierung die Empfehlungen der Rentenkommission durchdrückt, wird das besonders hart arbeitende Menschen treffen“, so Vollath im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wer ein Leben lang unter schweren Arbeitsbedingungen zu oft zu niedrigem Lohn gearbeitet habe oder durch Faktoren wie den Bildungsstatus oder die Wohnsituation benachteiligt sei, habe eine deutlich höhere Chance, früher zu sterben. „Mit der angekündigten Rentenreform bestraft die Regierung diese Menschen im Alter, indem sie ihren Rentenbezug verkürzt“, findet die Rentenexpertin.

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Was die Regierung vorhabe, sei eine Rentenkürzung für ohnehin benachteiligte Arbeitnehmerinnen und Arbeiter. „Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch alles andere als sozial. Richtig perfide wird es aber, wenn die Regierung diesen Menschen gleichzeitig die Möglichkeit der Frühverrentung nimmt“, so Vollath. Denn auch die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und die massiven Einschränkungen bei der Altersteilzeit würden diese Gruppe hart treffen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt noch einmal bekräftigt, die sogenannte „Rente mit 63“ abschaffen zu wollen. Davor hatte es Widerstand mehrerer Landeschefs gegeben: Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze (Sachsen-Anhalt), Michael Kretschmer (Sachsen) und Mario Voigt (Thüringen) stellten sich gemeinsam gegen die Pläne. „Geht es nach Merz und Co., sollen die Menschen in Zukunft buckeln bis sie umfallen – oder zumindest bis sie so krank sind, dass die Erwerbsminderungsrente zum letzten Rettungsanker wird“, sagt Linken-Politikerin Sarah Vollath. Mit der angekündigten Rentenreform erkenne die Koalition die Lebensleistung von Millionen hart arbeitender Menschen ab.