„Ich persönlich finde das unter aller Kanone“: CDU-Basis geht gegen Merz nach Personalchaos auf die Barrikaden
Merz unter Druck in der eigenen Partei: CDU-Basis schimpft öffentlich – „unter aller Kanone“
Stand: 29.07.2026, 13:04 Uhr
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Kanzler Merz vollzieht den Umbau seines Kabinetts. Am Mittag soll noch der neue Unionsfraktionschef Frei gewählt werden – doch in der CDU ist man am Murren.
Berlin – Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den Umbau seines Kabinetts vollzieht und die neuen Minister durch Frank-Walter Steinmeier ihre Ernennungsurkunde erhalten, betreten bislang bundesweit eher wenig präsente Politiker die Bühne. Unter ihnen: Bremens CDU-Chef Heiko Strohmann. Der hatte am vergangenen Montag für Schlagzeilen gesorgt, als er Merz in einer Sitzung des CDU-Vorstands zurechtwies: „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei.“

In einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel legte er nun nach: „Eine Partei funktioniert nicht, indem da einer vorn sitzt, einen Monolog hält und wir anschließend applaudieren“, erklärte er gegenüber der Zeitung. Die CDU lebe von Ehrenamtlichen und frei gewählten Abgeordneten und eben nicht von Angestellten mit Arbeitsvertrag. „Die kann man nicht kommandieren.“ Hintergrund ist ein Streit mit dem sächsischen Innenminister Armin Schuster, der sich darüber geärgert hatte, dass im Kabinett niemand mehr aus dem Osten sitzt. Merz hatte ihn daraufhin zurechtgewiesen: Auf Regionalproporz könne er jetzt nicht achten.
CDU habe in Ostdeutschland versagt, erklärt der Bremer Strohmann
Strohmanns Kritikpunkt ist, dass es die CDU nicht schaffe, eine gesamtdeutsche Volkspartei zu sein. In dieses Vakuum stoße nun die AfD. „Wir haben die deutsche Einheit formaljuristisch geregelt, uns aber um die Befindlichkeiten der Ostdeutschen zu wenig gekümmert.“ Auch in der Affäre um Jens Spahn seien Fehler von Merz gemacht worden; bei ihm hätten bei Kenntnisnahme von Spahns Leihmutterschaft sofort „die Alarmglocken läuten müssen“. Im Tagesspiegel wünscht er sich aktuell, „dass Friedrich Merz in seinem Urlaub in sich geht“.
CDU-Austritte in NRW vor Landtagswahl wegen Merz: „Lage ist ernst“
Unmut in der Vorstandssitzung äußerte auch Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU‑Arbeitnehmerflügels. Wie die FAZ schreibt, habe er von Austritten aus der CDU im Ruhrgebiet erzählt: „Die Lage der CDU ist ernster als zur Zeit der Spendenaffäre. Wir zehren an vielen Stellen nur noch von einer immer älter werdenden Stammwählerschaft“, zitiert ihn die FAZ. Schlechte Stimmung in Nordrhein-Westfalen käme denkbar ungünstig, wird dort 2027 ein neuer Landtag gewählt.
Schlecht ist die Stimmung auch im Osten, wo bereits im September gewählt wird und Merz mit Tino Sorge einen CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt absägte. Zudem schmiss er mit der Entlassung von Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein die einzige Ostdeutsche aus dem Kabinett. Jens Lehmann, CDU-Abgeordneter aus Sachsen, rechnete mit dem Kanzler im ZDF-Morgenmagazin entsprechend ab. „Ich persönlich finde das unter aller Kanone“, sagte er noch vor der Sondersitzung am heutigen Mittwoch.
Für ihn sei es „arg empathielos“, wie Merz mit Menschen umgehe, „die man jahrelang an seiner Seite hat und auch zukünftig noch haben wird“. Er wolle seinen Unmut auch in der Sitzung äußern. (Quellen: Tagesspiegel, FAZ, ZDF-Morgenmagazin) (ktho)