Neue Gewohnheit soll lästiges Alltags-Problem vieler jetzt beheben


„Microlearning“ setzt auf Lernen in kleinen Häppchen

Stand: 02.09.2026, 13:31 Uhr

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Smartphone, Social Media und kurze Aufmerksamkeitsspannen verändern das Lernen. Microlearning setzt genau dort an: mit kleinen Lerneinheiten im Alltag.

Seit Smartphones und soziale Medien unseren Alltag prägen, erleben viele Menschen ihre Zeit zunehmend als zersplittert und von ständigen Unterbrechungen geprägt. Es scheint zunehmend schwierig, sich kontinuierlich dem Lernen und der Weiterbildung zu widmen. Denn das sind Tätigkeiten, die gemeinhin eine gewisse Zeit erfordern. Um dieses Hindernis zu überwinden, kann man den Weg des „Microlearning“ versuchen, also des Lernens in kleinen Häppchen.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Es handelt sich um eine neue Lernform, die der Zersplitterung der Zeit Rechnung trägt und auf Inhalte setzt, die in kleine Einheiten unterteilt sind, die sogenannten Learning Units. Jede dieser Einheiten ist durch die Kürze des Inhalts gekennzeichnet. Die einzelnen Lerneinheiten dauern meist nur wenige Sekunden bis höchstens fünfzehn Minuten. Dadurch lassen sie sich flexibel in kurze Pausen im Alltag integrieren und mehrmals täglich wiederholen. Gleichzeitig sinkt die Hürde, das Lernen aufzuschieben.

Microlearning weckt nicht nur bei einzelnen Personen Interesse, sondern auch bei Schulen und Institutionen, die beginnen, entsprechend strukturierte Inhalte bereitzustellen. „Es bleibt noch genau festzulegen, welches Wissen und welche Kompetenzen sich am besten für Microlearning auf den verschiedenen Bildungsstufen eignen, von der universitären Ausbildung bis hin zum lebenslangen Lernen (lifelong learning)“, sagt Stefano Sandrone, Neurowissenschaftler und Principal Teaching Fellow am Imperial College in London, der zu diesem Thema kürzlich einen Artikel in der Fachzeitschrift Brain veröffentlichte.

Teenager sind viel am Handy

In Zeiten des Smartphones verändert sich auch die Art, wie wir lernen (Symbolbild). © IMAGO / Westend61

Microlearning breitet sich von Social Media bis zur Hochschullehre aus

„Da sich jedes Thema in Einheiten unterteilen lässt, ist Microlearning in vielen Bereichen einsetzbar, sowohl für persönliche als auch für berufliche Zwecke. Zudem ist die Methode mit immer schnelleren Social Media und einer immer kürzeren Aufmerksamkeitsspanne kompatibel und verbreitet sich deshalb stark. Neben reinen „Zeitvertreibs“-Inhalten bieten soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram ihren Nutzern bereits kurze Lehrinhalte an, die als Learning Units gelten können. Künstliche Intelligenz ist inzwischen sogar in der Lage, in wenigen Sekunden einen Mikrokurs zu nahezu jedem Thema zu erstellen.

Online finden sich zudem weitere Microlearning-Ressourcen wie E-Learning-Module, kurze Videos, Tutorials, Podcasts, Quiz, Microblogs, Infografiken und Newsletter, ganz zu schweigen von Apps zum Sprachenlernen, die darauf beruhen, jeden Tag einige Übungen zu absolvieren. Man kann also viel Zeit online mit Aktivitäten ohne Bildungs- oder Lerngehalt verbringen. Doch das Netz ist zugleich eine gewaltige Fundgrube für Lernmöglichkeiten, die durch das aufkommende System des Microlearning noch besser nutzbar werden könnten.

„Viele Unternehmen bereiten ihre Schulungskurse im Sinne des Microlearning auf, um sie ansprechender und flexibler zu machen“, erklärt Sandrone weiter. „Beschäftigte können Mikrokurse absolvieren und digitale Mikro-Credentials und Mikro-Diplome erhalten, sobald sie einen Kurs bestanden haben, oder sich aus eigenem Antrieb entscheiden, Mikrokurse zu besuchen, um ihre Kompetenzen in einem sehr spezifischen Bereich zu erweitern und sie in ihren Lebenslauf aufzunehmen.“

Einsatz in Unternehmen, Studium und Gesundheitsberufen

„Microlearning kann von Studierenden und Beschäftigten im Gesundheitswesen zur Aktualisierung ihres Wissens genutzt werden“, sagt Stefano Sandrone, der zudem Leiter der Masterstudiengänge in Neurowissenschaften am Imperial College in London ist. „Es ersetzt den Präsenzunterricht nicht, sondern dient als didaktische Unterstützung. Studierende der Medizin und Gesundheitsberufe können ein Thema rasch wiederholen, bevor eine Prüfung oder ein Praktikum ansteht und erhalten unmittelbares Feedback.

Sie können die Inhalte mehrmals ansehen, sich selbst einschätzen und selbstständig zur vorangegangenen Mikrositzung zurückkehren. Eine Studie hat gezeigt, dass Studierende, die mit einem Tutor auf Basis künstlicher Intelligenz interagiert haben, der Quizfragen als Microlearning-Ressource generierte, bessere Noten erzielten als ihre Kommilitonen. In den USA hat eine Gruppe von Psychiatern zwischen zwei klinischen Konsultationen die Microlearning-Ressourcen der Online-Bibliothek National Neuroscience Curriculum Initiative genutzt und damit ihre neurowissenschaftlichen Kenntnisse erweitert.“

Der Vorteil dieses Systems lässt sich mit einem Schlüsselwort zusammenfassen: Flexibilität. Wer lernen möchte, kann dies wo und wann er will, über Smartphone, Tablet, Laptop oder Computer und das Lernen in den Alltag integrieren. Häufig kommt noch der Aspekt der Belohnung hinzu, etwa durch eine digitale Auszeichnung für jede abgeschlossene Einheit. „Auf diese Weise wird das dopaminerge System im Gehirn stimuliert, insbesondere wenn ein Gamification-Prozess, also ein spielerisches Element, hinzukommt, der die Dopaminausschüttung im Gehirn zusätzlich anregt“, erklärt Sandrone.

Gamification, Motivation und soziale Dimension des Lernens

„Wenn man die Punktzahlen anderer Teilnehmender sieht, kann dies den Wettbewerbsgeist wecken und dazu anregen, noch mehr zu lernen. Zahlreiche Studien in den Sozialwissenschaften weisen auf Microlearning als involvierenden Ansatz hin, der von den Nutzenden besonders geschätzt wird – zwei Eigenschaften, die seine Verbreitung begünstigen. Bürgerinnen, Bürger und Patientinnen beziehungsweise Patienten können im Gesundheitsbereich von Microlearning Gebrauch machen“, so Sandrone weiter.

„Ich denke an Prävention, Erinnerungshilfen, Sensibilisierungskampagnen, Informationen zu einer bestimmten Erkrankung und psychologische Unterstützung“, sagt Stefano Sandrone. „Durch kleine Bildungsinterventionen ist das Lernen kognitiv weniger anspruchsvoll. Zudem können Informationen dann bereitgestellt werden, wenn sie benötigt werden, etwa um die Therapietreue zu sichern oder eine Rehabilitation aus der Ferne zu begleiten. Dabei lassen sich Texte, Bilder oder Videos einsetzen.

Programme mit künstlicher Intelligenz können Inhalte von einem Format in ein anderes übertragen, etwa vom geschriebenen Wort in einen audiovisuellen Inhalt, je nach den jeweiligen Vorlieben.“ Während bestimmte Aspekte noch weiter erforscht werden müssen, sind einige Grenzen bereits bekannt. Eine der wichtigsten: Microlearning ist ein innovativer Ansatz, doch die Qualität und Verlässlichkeit der Inhalte, auf denen er beruht, ist entscheidend, sonst läuft man Gefahr, falsche Informationen zu lernen und zu verbreiten.

Qualität der Inhalte als entscheidender Erfolgsfaktor

Gerade bei medizinischen und gesundheitlichen Themen ist die Verlässlichkeit der Inhalte von grundlegender Bedeutung. Zuverlässige Beispiele für Microlearning im Gesundheitsbereich sind etwa im italienischsprachigen Raum der Frage-und-Antwort-Bereich auf der Website des Gesundheitsministeriums oder im englischsprachigen Raum die Ressourcen auf der Website der Weltgesundheitsorganisation. (Dieser Artikel von Danilo Diodoro entstand in Kooperation mit Corriere della Sera)