Miele-Chef warnt Deutschland – jetzt könnte ein weiteres Werk in den USA entstehen


Stand: 29.08.2026, 19:25 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Miele-Chef Markus Miele fordert schnellere Reformen in Deutschland. Zugleich könnte der Hausgerätehersteller seine Produktion in den USA weiter ausbauen.

Frankfurt – Der Hausgerätehersteller Miele erhöht den Druck auf die Bundesregierung. Geschäftsführender Gesellschafter Markus Miele sieht erheblichen Reformbedarf am Wirtschaftsstandort Deutschland und warnt insbesondere vor steigenden Belastungen für Unternehmen und Beschäftigte. Gleichzeitig könnte der Familienkonzern seine Produktion in den USA weiter ausbauen.

Viele Probleme und mögliche Lösungen seien politisch längst bekannt, sagte Miele der Welt am Sonntag. Entscheidend sei nun eine schnellere Umsetzung. Handlungsbedarf sieht er unter anderem bei Bürokratie, Steuern, Infrastruktur, Bildung und Arbeitsmarkt. Besonders kritisch bewertet der Unternehmer die Kombination aus schwacher Produktivitätsentwicklung und steigenden Sozialabgaben. „Das kann auf Dauer nicht funktionieren“, sagte Miele.

Aus seiner Sicht fehlt es dem Staat dabei nicht in erster Linie an Einnahmen. Entscheidend sei vielmehr, vorhandene Mittel effizienter einzusetzen und die Modernisierung des Landes voranzutreiben.

Miele-Chef Markus Miele sieht erheblichen Reformbedarf am Standort Deutschland. Gleichzeitig könnte der Hausgerätehersteller seine Produktion in den USA weiter ausbauen.

Miele-Chef Markus Miele sieht erheblichen Reformbedarf am Standort Deutschland. Gleichzeitig könnte der Hausgerätehersteller seine Produktion in den USA weiter ausbauen. © Guido Kirchner/dpa

Miele investiert weiter 500 Millionen Euro in Deutschland

Von einem Rückzug aus Deutschland kann bei dem Traditionsunternehmen allerdings keine Rede sein. Miele hält an der Zusage fest, bis Ende 2028 rund 500 Millionen Euro in seine deutschen Standorte zu investieren. Allein 2024 und 2025 flossen nach Unternehmensangaben etwa 300 Millionen Euro in Werke sowie Entwicklungs- und Schulungszentren.

Auch der Erhalt der deutschen Standorte ist bis Ende 2028 tarifvertraglich zugesichert. Gleichzeitig baut Miele Personal ab und verlagert Teile der Fertigung. Besonders sichtbar wird das am Stammsitz Gütersloh. Große Teile der Waschmaschinenmontage werden schrittweise ins polnische Ksawerów übertragen. Ursprünglich hatte Miele dadurch mit dem Wegfall von rund 700 Stellen in Gütersloh gerechnet.

Die Verlagerung gehört zu einem größeren Spar- und Effizienzprogramm, das Miele 2024 angesichts schwacher Nachfrage, hoher Kosten und zunehmenden Wettbewerbs gestartet hatte. Weltweit galten zunächst bis zu 2700 Stellen als von Abbau oder Verlagerungen betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen konnten in Deutschland nach Unternehmensangaben vermieden werden.

Sparprogramm bringt Miele 500 Millionen Euro

Ende 2025 schloss Miele sein „Performance Program“ ab. Das geplante Einsparvolumen von 500 Millionen Euro sei erreicht worden, teilte das Unternehmen mit. Allein die Personalkosten seien um mehr als 120 Millionen Euro gesunken.

Auch operativ entwickelte sich der Konzern zuletzt wieder besser. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um 2,3 Prozent auf 5,16 Milliarden Euro. Ende des Jahres beschäftigte Miele weltweit rund 23.000 Menschen. Nach Angaben von Markus Miele setzte sich die positive Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 sowohl in Deutschland als auch international fort.

Ein weiteres großes Sparprogramm sei derzeit nicht geplant, sagte Miele der Welt am Sonntag. Die internationale Aufstellung des Unternehmens werde angesichts wirtschaftlicher und geopolitischer Veränderungen jedoch fortlaufend überprüft.

Miele sieht großes Wachstumspotenzial in den USA

Eine besondere Rolle spielen dabei die Vereinigten Staaten. Sie sind bereits der zweitwichtigste Absatzmarkt von Miele nach Deutschland. Ende 2024 nahm das Unternehmen in Opelika im US-Bundesstaat Alabama sein erstes amerikanisches Werk in Betrieb. Dort werden unter anderem große Backöfen und Herde für den nordamerikanischen Markt produziert.

Miele könnte seine Fertigung in den USA künftig noch deutlich ausweiten. Waschmaschinen und Geschirrspüler für amerikanische Kunden stammen bislang weiterhin aus europäischen Werken. Langfristig könne sich jedoch auch für diese Produktgruppen eine Produktion direkt in den Vereinigten Staaten rechnen, sagte Markus Miele. Eine konkrete Entscheidung für einen weiteren Standort ist bislang nicht gefallen.

Der Unternehmer sieht auf dem US-Markt erhebliches Wachstumspotenzial. Selbst Steigerungen um zehn, 20 oder langfristig sogar 50 Prozent hält er für möglich. Zusätzliche Belastungen durch US-Zölle werden nach seinen Angaben derzeit zu einem großen Teil über höhere Preise an die Kunden weitergegeben.

Miele setzt auf Deutschland – baut aber international aus

Damit verfolgt Miele eine Doppelstrategie. Einerseits investiert der Familienkonzern weiterhin hohe Summen in seine deutschen Werke und hält an den Standorten fest. Andererseits werden einzelne Produktionsschritte in günstigere Länder verlagert und Fertigungskapazitäten näher an wichtigen Absatzmärkten aufgebaut.

Gerade die Überlegungen für zusätzliche US-Produktion zeigen deshalb, wie stark der internationale Wettbewerb um Industrieinvestitionen inzwischen geworden ist. Für Deutschland dürfte entscheidend sein, ob es gelingt, die von Unternehmen seit Jahren kritisierten Belastungen bei Bürokratie, Kosten und Infrastruktur spürbar zu reduzieren. (Quellen: Welt am Sonntag, Miele, Geschäftsjahr 2025, IG Metall, Zukunfts- und Sozialtarifvertrag) (mare)