Milliarden für Schulen und Unis: Frankreich geht auf Forderungen der Proteste ein
Wichtige Updates
Samstag 18:07 Uhr
Innenminister: Fast 1000 Festnahmen bei landesweiten Protesten in Frankreich
Samstag 15:23 Uhr
Polizei setzt Tränengas und Blendgranaten ein
20.10.2026 17:39 Uhr
Frankreich mobilisiert zusätzliche Polizisten für neue Proteste
20.10.2026 10:52 Uhr
Festnahme nach Brandstiftung im Rathaus von Limoges
Philipp Luther

Frankreichs Regierung geht auf Forderungen der Schulproteste ein
Nach den wochenlangen Schulprotesten verspricht Frankreichs Regierung mehr Geld, mehr Posten und ein Ende des umstrittenen Hochschulzulassungssystems. Die Plattform Parcoursup solle im Herbst 2028 ersetzt werden. Bis es so weit ist, solle das Zulassungssystem aber bereits transparenter werden und Absagen mit einer Begründung versehen werden, sagte Hochschulminister Philippe Baptiste. Die Regierung geht damit einen deutlichen Schritt auf die seit Wochen protestierenden Gymnasiasten und Studierenden zu.
Für die Instandsetzung von Gymnasien will der Staat zudem bis 2030 vier Milliarden Euro an Krediten mit vergünstigtem Zinssatz für die Kommunen locker machen – für Universitäten soll eine Milliarde Euro bis 2029 für Renovierungen dazukommen. Hunderte Stellen von Lehrkräften sollen zudem geschaffen und geplante Streichungen zurückgenommen werden, gab Bildungsminister Édouard Geffray bekannt. Vertreter der Protestierenden lobten zwar die Ankündigungen, riefen aber dazu auf, den Protest weiterzutragen.
Leonhard Rosenauer
Innenministerium korrigiert Zahlen nach oben: Mehr als 1300 Festnahmen bei Protesten
Bei Ausschreitungen am Rande der Demonstrationen in Frankreich am Samstag sind landesweit 1314 Menschen festgenommen worden. 53 Polizeikräfte seien verletzt worden, teilte das Innenministerium in einer morgendlichen Bilanz mit. Einsatzkräfte seien gegen 75 versuchte Brandstiftungen vorgegangen und es habe 24 Plünderungen gegeben. Die Nacht sei ruhig verlaufen, hieß es. Frankreichweit waren 70.000 Beamte im Einsatz.
Die angemeldeten und genehmigten Demonstrationen hätten am Samstag auf den vorgesehenen Routen stattgefunden, teilte das Innenministerium mit. Allerdings hätten sich vielerorts in oder am Rande der Demonstrationszüge insbesondere linksextreme Gruppen formiert, die versucht hätten, Angriffe auf die Sicherheitskräfte oder auf Personen und Eigentum anzuzetteln. Die Beamten hätten dies aber mit einem systematischen Eingreifen im Allgemeinen verhindern können.
Martin Nefzger

Randale auch in Barcelona: Rund 100 Festnahmen bei Protesten
In Barcelona sind am Samstag Berichten zufolge Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene zu Protesten zusammengekommen, etliche hätten dabei randaliert. Die jungen Leute hätten Straßenmobiliar, Fahrräder und Motorräder beschädigt, Geschäfte geplündert und Müllcontainer angezündet, berichteten unter anderem die spanische Tageszeitung "El País" und der katalanische Fernsehsender Betevé.
Die katalanische und die städtische Polizei in der Hauptstadt Kataloniens nahmen demnach rund 100 Demonstranten fest. Bei etwa einem Viertel der Festgenommenen habe es sich um Minderjährige gehandelt. Mehr als 220 Beamte waren den Angaben zufolge im Einsatz, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Martin Nefzger

Erneut Gewalt bei regierungskritischen Protesten in Albanien
Bei erneuten regierungskritischen Protesten in Albaniens Hauptstadt Tirana haben sich Demonstranten und Sicherheitskräfte heftige Auseinandersetzungen geliefert. Protestierer warfen Steine auf das Bildungsministerium und attackierten die Sicherheitskräfte mit Feuerwerkskörpern. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Gummigeschosse und Tränengas ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden 13 Menschen verletzt, darunter neun Demonstranten. An der Demonstration nahmen tausende Menschen teil. In Tirana kommt es seit Wochen regelmäßig zu heftigen und von Gewalt begleiteten Protesten.
Alexander Uhl

Hunderte Festnahmen bei erneuten Protesten in Italien
Bei erneuten Protesten in Italien sind landesweit Hunderte Menschen festgenommen worden. Die Polizei sprach am Samstagabend von neun Festnahmen und 371 vorläufigen Festnahmen. In 110 Fällen habe es sich um Minderjährige gehandelt.
In mehreren italienischen Städten waren am Samstag Demonstranten auf die Straße gegangen. In Rom und Mailand demonstrierten jeweils rund 3000 Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und gegen hohe Lebenshaltungskosten.
Nach den Ausschreitungen am Rande von Protesten am vergangenen Wochenende in Mailand hatte die Regierung scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. In Mailand wurden 500 Soldaten mobilisiert, zahlreiche Polizisten waren im Einsatz. In der Modemetropole verbarrikadierten zahlreiche Ladenbesitzer die Schaufenster ihrer Geschäfte.
Die Regierung hatte auch Maßnahmen beschlossen, um eine Festnahme von Minderjährigen zu erleichtern und ihre Eltern bei Sachbeschädigungen mit Geldstrafen zu belegen.
Alexander Uhl

Innenminister: Fast 1000 Festnahmen bei landesweiten Protesten in Frankreich
Bei den Protesten in Frankreich sind nach Regierungsangaben fast 1000 Menschen festgenommen worden. Die Zahl werde voraussichtlich noch steigen, sagte Laurent Nuñez am Samstagabend vor Journalisten. Die genehmigten Protestzüge seien zunächst „gut verlaufen“. Die Einsatzkräfte der Polizei seien später allerdings „mit einem extrem erhöhten Maß an Gewalt“ von „Militanten der extremen Linken“ konfrontiert gewesen.
Die Behörden hatten in Vorbereitung auf dieses Protest-Wochenende strenge Auflagen erlassen und viele Kundgebungen verboten. Außerdem war ein Großaufgebot von etwa 70.000 Sicherheitskräften im Einsatz. "Der Tag ist noch nicht vorbei", sagte der Innenminister. Jetzt beginne eine dritte Phase. Die Sicherheitsvorkehrungen blieben bis spät in den Abend hinein bestehen, um zu verhindern, dass es zu Plünderungen in den Innenstädten komme. Zahlreiche Plünderungen konnten demnach zuvor verhindert werden. Außerdem kam es Nuñez zufolge zu keinen gezielten Angriffen auf öffentliche Gebäude, wie es sie am 17. Oktober gegeben hatte.
Dennoch seien die Sicherheitskräfte wie bereits am vergangenen Wochenende mit einem extrem hohen Maß an Gewalt konfrontiert gewesen, etwa durch Wurfgeschosse.
Zu erwähnen sei auch, dass sich mindestens in Nizza und Montpellier Aktivisten der extremen Rechten mit extremen Linken angelegt hätten, sagte der Minister. Bei heftigen Ausschreitungen seien außerdem zwei Personen in Clermont-Ferrand und Toulouse im Rahmen von Polizeieinsätzen schwer verletzt worden.
Daniel Weidmann

Proteste auch in Italien
Die Polizei ist in Italien erneut mit einem Großaufgebot im Einsatz: In mehreren italienischen Städten demonstrieren Tausende Menschen. Bei einigen Protesten ist es zu vereinzelten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen: Im norditalienischen Mailand gab es mitunter erneut Spannungen. Dort trafen im Zentrum Demonstranten auf Sicherheitskräfte: Die Polizei stoppte den Demonstrationszug, dabei wurden Schlagstöcke eingesetzt. Aus Sorge vor Ausschreitungen waren vor allem viele Luxusgeschäfte verbarrikadiert.
In Bologna setzte die Polizei zwischenzeitlich Tränengas und Wasserwerfer ein, um einen Demonstrationszug daran zu hindern, den Bahnhof zu erreichen. In Turin drängten Sicherheitskräfte Demonstranten mit Schilden zurück. In Rom zog eine überwiegend propalästinensische Demonstration durchs historische Zentrum. Auch in Neapel und Florenz versammelten sich Demonstranten.
Daniel Weidmann

410.000 Menschen auf der Straße
Nach Angaben des französischen Innenministeriums haben heute rund 410.000 Menschen an den Protesten im Land teilgenommen. 110.000 davon demonstrierten demnach in der Hauptstadt Paris. Der von Gewerkschaften organisierte Aufmarsch war zuvor von den Behörden an den Rand der Stadt verlegt worden. Der Gewerkschaftsverband CGT meldete laut Medienberichten dagegen rund 800.000 Teilnehmende.
Daniel Weidmann

Polizei setzt Tränengas und Blendgranaten ein
Die Polizei hat bei ersten neuen Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten in mehreren Städten Tränengas gegen Demonstrierende eingesetzt. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, kam im Zuge der Proteste in Lille, Nantes, Lyon, Montpellier und Toulouse Tränengas zum Einsatz. In der Hauptstadt Paris blieb die Lage hingegen zunächst ruhig.
In einigen Städten gab es Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstrierenden. Wie ein AFP-Reporter sah, durchbrachen im westfranzösischen Nantes tausende Demonstrierende die Reihen der Polizei, um ins Stadtzentrum vorzudringen. Die Einsatzkräfte versuchten, sie mit Tränengas und Wasserwerfer zu stoppen. Einige am Rand der Menge schleuderten Wurfgeschosse in Richtung der Polizisten und feuerten Feuerwerkskörper in ihre Richtung ab. In Lyon setzte die Polizei Tränengas ein, um etwa 1000 im Süden der Stadt versammelte Demonstrierende auseinanderzutreiben.
Daniel Weidmann

Viele Kontrollen – bereits 135 Festnahmen
Zu Beginn des Protesttages in Frankreich hat die Polizei zahlreiche Menschen kontrolliert. Die Polizeipräfektur von Paris teilte mit, bei 635 Kontrollen viele verbotene Gegenstände beschlagnahmt. Bereits 135 Menschen wurden festgenommen. Man führe "massive Kontrollen" durch, insbesondere in Bahnhöfen und öffentlichen Verkehrsmitteln, "um jene abzuschrecken, die mit schlechten Absichten in die Hauptstadt kommen wollen". In Paris sei die Lage nach den ersten Angaben zur Mittagszeit aber "ruhig."
Wegen befürchteter Ausschreitungen und Plünderungen, wie sie am vergangenen Wochenende stattgefunden hatten, gab es in mehreren Städten Versammlungsverbote für bestimmte Zonen sowie Ausgangssperren. In Nizza, wo laut Präfektur alle Versammlungen verboten sind, wurden Polizeikräfte, Gendarmen und Spezialeinheiten im Stadtzentrum eingesetzt.
Innenminister Laurent Nuñez besuchte am Morgen Sicherheitskräfte in Paris und teilte auf der Plattform X mit, dass ein großes Aufgebot an Einsatzkräften mobilisiert sei. "Wir sind bereit", schrieb er. Zuvor hatte er den Einsatz von 70.000 Beamten angekündigt.
Daniel Weidmann

Rathausbrand in Limoges: Zwei Verdächtige in U-Haft
Nach dem Rathausbrand im zentralfranzösischen Limoges im Zuge landesweiter Ausschreitungen am vergangenen Wochenende sind gegen die beiden Verdächtigen offizielle Ermittlungsverfahren wegen versuchten Totschlags und Sachbeschädigung eingeleitet worden. Die 34 und 66 Jahre alten Männer seien in Untersuchungshaft genommen worden, teilte Staatsanwältin Emilie Abrantes am Samstag mit.
Daniel Weidmann

Schüler kündigen nach Treffen mit Macron weitere Proteste an
Vertreter der seit Wochen demonstrierenden französischen Schülerinnen und Schüler haben nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron weitere Proteste angekündigt. Nach dem Treffen am Freitag rief der Schülervertreter Nathanaël Combary die Demonstranten auf, „weiter zu mobilisieren“. Demnach bot Macron den Schülervertretern eine „Reform der Schuldemokratie“ sowie eine „vollständige Überarbeitung“ der Plattform Parcoursup an, die Schüler für ihre Bewerbung für Studiengänge nutzen müssen.
Combary sagte nach dem Treffen, er begrüße, dass Macron den Vertretern von Schülerorganisationen zugehört habe. „Aber wir sind nicht zufrieden, wir warten auf unser Treffen mit dem Premierminister“, fügte er hinzu. Frankreichs Regierungschef Sébastien Lecornu hat angekündigt, die Vertreter von Schülerorganisationen am Montag zu empfangen. Für das Wochenende sind derweil neue Proteste geplant. Macron hatte die Vertreter von Schülerorganisationen in den Elysée-Palast eingeladen. Er erklärte, er wolle „ihre Forderungen und Sorgen anhören“. Die rund 20 Schülervertreter verbrachten fast drei Stunden im Präsidentenpalast.
Maria Kurth
Sicherheitslage in Frankreich: PSG gegen Lyon verlegt
Aufgrund der geplanten Großdemonstrationen am Wochenende in Frankreich ist das Ligue-1-Spiel zwischen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain und Olympique Lyon von Sonntag auf Montag verschoben worden. Das teilte der Ligaverband LFP mit. Demnach habe die Polizei eine Austragung am Sonntag untersagt. Das Spiel im Parc de Princes wird nun am Montag um 20.30 Uhr ausgetragen.
Insgesamt ist es bereits die vierte Spielverschiebung in der Ligue 1 und Ligue 2 an diesem Wochenende. Hintergrund der Maßnahme ist die angespannte Sicherheitslage in Frankreich.
Maria Kurth
Frankreich mobilisiert 70.000 Polizisten vor Protesten
Vor erneuten landesweiten Demonstrationen in Frankreich mit befürchteten Ausschreitungen hat Innenminister Laurent Nuñez eine massive Mobilisierung von Polizeikräften und ein hartes Durchgreifen angekündigt. "Morgen werden insgesamt 70.000 Polizisten und Gendarmen im öffentlichen Raum im Einsatz sein, darunter sowohl lokale Einsatzkräfte aus den verschiedenen Departements als auch Angehörige der mobilen Einsatzkräfte, der republikanischen Sicherheitskompanien und der mobilen Gendarmerie-Einheiten", sagte Nuñez in Paris.
Neben Spezial- und Eliteeinheiten der Polizei kämen auch gepanzerten Fahrzeuge und Wasserwerfer zum Einsatz. "Was am 17. Oktober geschehen ist, ist völlig inakzeptabel, und deshalb werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um diese Plünderungen, diese Übergriffe und diese Angriffe auf öffentliche Gebäude zu verhindern", sagte der Innenminister mit Blick auf die schweren Ausschreitungen am Rande von Demonstrationen am vergangenen Samstag.
Nun werde erneut mit Gewalt gerechnet, sagte Nuñez. "In den sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Aufrufe zu Gewalttaten, und es gibt erneut zahlreiche Aufrufe zu Plünderungen, bei denen es sich offensichtlich um Botschaften der Randalierer handelt." Eine Reihe von Demonstrationen sei bereits verboten worden.
Erlaubt würden Kundgebungen, die von den Organisatoren mit einem Ordnungsdienst begleitet würden, "und unter der Voraussetzung, dass sie natürlich nicht an Orten stattfinden, an denen es zu Plünderungen, Störungen der öffentlichen Ordnung und Ähnlichem kommen könnte." Insofern würden Demonstrationen eher an den Rand der Innenstädte verlegt.
Vivien Valentiner

Vor neuem Protesttag: Nächtliche Ausgangssperre im Pariser Zentrum bis Montag verlängert
Nach den landesweiten Ausschreitungen am Wochenende in Frankreich ist die nächtliche Ausgangssperre für Teile der Hauptstadt Paris verlängert worden. Das Ausgehverbot rund um die Place de la République und das Einkaufsviertel Les Halles gilt bis Montagfrüh täglich von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr, wie die Pariser Polizeipräfektur am Donnerstag mitteilte. Zudem sind demnach am Abend und in der Nacht zum Freitag nicht angemeldete Versammlungen vor dem Élysée-Palast, der Nationalversammlung und dem Senat sowie rund um Bahnhöfe und auf den Champs-Élysées untersagt.
Mit Blick auf die für Samstag angekündigten neuen Proteste kündigte die Regierung Demonstrationsverbote und weitere Einschränkungen an. Oberstes Ziel sei eine „Rückkehr zur Ruhe“, sagte Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag.
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