Mit „Faust“ und „Don Quixote“: Da fliegt mir doch das Blech weg – ein fantastischer Abend mit der Deutschen Radio Philharmonie
Mit „Faust“ und „Don Quixote“ Da fliegt mir doch das Blech weg – ein fantastischer Abend mit der Deutschen Radio Philharmonie
Saarbrücken · „Faust“ und „Don Quixote“ als Gegenpole, dazwischen ein bestens aufgelegtes Orchester – die Soiree der Deutschen Radio Philharmonie war ein Erlebnis.
05.10.2026 , 08:00 Uhr
Er kann zufrieden sein: Josep Pons, Chefdirigent der Deutschen Radio Philharmonie.
Foto: DRP / Igor Studio
Frenetischer Beifall und stehende Ovationen bei der 1. Soirée der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) in der Congresshalle. Zu Recht, denn was das Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Josep Pons leistete, war bewundernswert. Faust und Don Quixote waren am Freitag die Antipoden, die unter dem Motto „Die Säulen Europas“ ihren Auftritt hatten. Robert Schumann hat für seine „Szenen aus Goethes Faust“ eine selten gespielte Ouvertüre geschrieben. Äußerst dynamisch, impulsiv, leidenschaftlich. Ein dramatisches Auf und Ab der Gefühle.
Dann Richard Wagners Sicht: seine frühe „Faust-Ouvertüre“, der erste Satz einer geplanten Faust-Sinfonie. Die wurde verworfen, geblieben ist die Ouvertüre, die im Gegensatz zu Schumann statt „feierlicher Trauer“ ein „mühevolles Ringen nach Erkenntnis“ ausstrahlt. Wendige Streicher mit klangvoll grundierenden Bässen, geschmeidige Holzbläser, markantes Blech waren zu erleben. Den meisten im Publikum dürfte Hector Berlioz‘ „Ungarischer Marsch“ aus „La damnation de Faust“, einer Bearbeitung des Rákócy-Marsches, bekannt gewesen sein. Mit Präzision, Wucht und zum Schluss mit rasantem Tempo – ein echter Rausschmeißer in die Pause.
Dann ritt Don Quixote, Anti-Held und Anti-Faust, in den Saal. Richard Strauss hat sich von der Dichtung des Spaniers Miguel de Cervates inspirieren lassen und zu einer sinfonischen Dichtung verarbeitet. Eine „Orgie des Spottes“, voller Ironie, in überbordender Tonmalerei, aber auch feinnerviger Charakterisierungskunst. Strauss vertraut dem Solocello die Figur des Ritters Don Quixote an, der Knappe Sancho Pansa wird von der Solobratsche charakterisiert. Der Solocellist des Orchesters, Teodor Rusu, gab seiner Virtuosität, seiner Musikalität freien Lauf. Er charakterisierte den Ritter mit allen Facetten der Cello-Kunst, ordnete sich aber auch sensibel in das Orchester ein.
Ihm stand Benedikt Schneider, Solobratschist des Orchesters, nicht nach. Seine Charakterisierung basierte auf dem bäuerlich-derben Thema von Bassklarinette und Tenortuba. Schneider fügte dem farbenreichen Orchesterklang eine weitere Dimension, die Lieblichkeit und Vulgarität der Dulcinea hinzu. Nicht zuletzt das Orchester: Die sechs Hörner waren gefordert, ihr Klang stützte den Orchesterklang. Die Streicher, wirbelnd, auch lyrisch singend. Die Holzbläser präzise, mit charaktervollen Soli. Das Blech glänzend, die dezenten Schlagzeuger, die gewichtigen Impulse des Paukers. Nicht zu vergessen die vielfältigen, eingepassten Soli des Konzertmeisters Ermir Abeshi.
Eine grandiose Aufführung einer schwierigen, komplexen Partitur. Durch ein lebendiges, motiviertes Orchester, inspiriert durch einen Grandseigneur der Dirigierkunst: Josep Pons und seiner spannenden Interpretation. (oli)