Ketogene Ernährung: Studie enthüllt überraschenden Zusammenhang mit Darmkrebs


MIT-Forscher zeigen, was die Keto-Diät wirklich mit dem Darm macht

Stand: 16.07.2026, 17:58 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Ein Teller mit fettreichen Lebensmitteln.

Ketogene Ernährung setzt auf fettreiche Lebensmittel: Avocado, Lachs, Eier und Nüsse stehen im Mittelpunkt, während Kohlenhydrate gemieden werden. © Zoonar/IMAGO

Eine neue Studie von MIT-Forschern zeigt: Die Keto-Diät wirkt hinsichtlich des Tumorwachstums im Darm gegensätzlich – je nachdem, wo genau. Und eine weitere Erkenntnis ist für Keto-Drink-Fans interessant.

Die ketogene Diät gilt als eine der populärsten Ernährungsformen der vergangenen Jahre. Den einen hilft sie, aufgrund der drastischen Reduzierung von Kohlenhydraten beim Abnehmen, andere wollen so ihre Gesundheit verbessern. Doch die Keto-Diät ist nicht unumstritten, was Letzteres betrifft. Eine aktuelle Studie aus dem renommierten Fachjournal Nature ein überraschendes Ergebnis, das bisherige Annahmen grundlegend in Frage stellt: Die Keto-Diät kann Tumorwachstum – je nach Abschnitt des Darms – gleichzeitig fördern und hemmen.

Was ist die Keto-Diät?

Die ketogene Diät ist eine Ernährungsform, bei der die Kohlenhydratzufuhr stark reduziert wird (in der Regel auf unter 50 Gramm pro Tag), während Fett den Großteil der Kalorien ausmacht. Eiweiß wird in moderaten Mengen konsumiert. Dadurch gerät der Körper in einen Zustand namens Ketose: Da kaum Glukose zur Verfügung steht, verbrennt er Fett als alternative Energiequelle und produziert dabei Ketonkörper.

Typische Lebensmittel der ketogenen Ernährung:

Nicht erlaubt: Brot, Pasta, Reis, Zucker, die meisten Obstsorten.

Ursprünglich wurde die ketogene Ernährung in den 1920er-Jahren zur Behandlung von Epilepsie entwickelt und ist heute für bestimmte Formen der Erkrankung klinisch anerkannt. In der breiteren Bevölkerung ist sie vor allem als Methode zur Gewichtsreduktion bekannt. In unserem Ratgeber erfahren Sie mehr zur Keto-Diät – hier können Sie das kostenlose PDF herunterladen.

Ketogene Ernährung: Kostenloser PDF-Ratgeber

Laden Sie sich hier unseren kostenlosen PDF-Ratgeber mit vielen Informationen zur ketogenen Ernährung herunter – mit Tipps zur Planung und Vorbereitung sowie Rezepten und einer Einkaufsliste für eine ganze Woche.

Teaserbild zum Download für den PDF-Ratgeber „Ketogene Ernährung“.

Laden Sie sich in der PDF-Bibliothek den kostenlosen Ratgeber für die ketogene Ernährung herunter. © Zoonar/IMAGO & IPPEN MEDIA

Was hat die Studie untersucht?

Forschende des MIT um den Biologen und Pathologen Ömer Yilmaz haben Mäuse untersucht, die genetisch für die Entwicklung von Darmtumoren prädisponiert waren. Die Tiere wurden in drei Gruppen aufgeteilt und erhielten entweder:

Ziel war es, besser zu verstehen, ob die schützenden Effekte der Keto-Diät, die in früheren Studien für den Dickdarm beschrieben wurden, auch auf andere Abschnitte des Verdauungstrakts zutreffen.

Überraschende Erkenntnisse: Keto-Diät mit gegenteiligen Effekten im selben Darm

Das Ergebnis überraschte selbst die Forscherinnen und Forscher: Die ketogene Diät hatte im Dünndarm und im Dickdarm entgegengesetzte Wirkungen.

  1. Im Dünndarm beschleunigte die Keto-Diät das Tumorwachstum – und zwar in einem ähnlichen Ausmaß wie die fettreiche, adipogene Diät, obwohl die Tiere dabei schlank blieben.
  2. Im Dickdarm hingegen hemmte die Keto-Diät die Tumorentstehung – ein Befund, der frühere Studienergebnisse bestätigt.

Für Studienleiter Yilmaz ist das eine wichtige Warnung vor zu einfachen Verallgemeinerungen: „Ketogene Diäten haben unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Gewebe, selbst innerhalb des Magen-Darm-Trakts. Ich denke, die Botschaft ist, dass wir sehr vorsichtig sein müssen, wenn wir die Effekte dieser Diäten verallgemeinern, denn was für ein Gewebe von Vorteil sein kann, kann für ein anderes schädlich sein“, sagt Omer Yilmaz, Direktor der MIT Stem Cell Initiative in einer Mitteilung des MIT.

Ketonkörper haben laut der Studie keinen Einfluss auf Krebs

Entgegen der bisherigen Annahme sind es nicht die Ketonkörper wie Beta-Hydroxybutyrat (BHB), die das Tumorwachstum antreiben. Der eigentliche Treiber ist die Verstoffwechselung von Nahrungsfett: Beim Verbrennen von Fett aktivieren Darmzellen Proteine namens PPARs, die Stammzellen zur schnelleren Teilung anregen – was einerseits die Darmerneuerung fördert, andererseits aber das Krebsrisiko erhöht. „Mehr Stammzellen bedeuten, dass sich der Dünndarm nach einer Verletzung besser regenerieren kann, aber die Kehrseite ist, dass eine höhere Aktivität der Stammzellen zur Tumorbildung führen kann“, so Studienleiter Yilmaz in der Mitteilung.

Die Befunde stellen eine einflussreiche Nature-Studie von 2022 in Frage, die BHB als Schutzfaktor gegen Dickdarmkrebs identifiziert hatte. „Diese Moleküle sind im Wesentlichen metabolische Zuschauer“, sagt Yilmaz. „Die Tumorentstehung wird vollständig davon getrieben, wie Stammzellen den hohen Zustrom von Nahrungsfett verarbeiten.“ Für die Praxis bedeutet das: Keton-Nahrungsergänzungsmittel oder -Drinks dürften weder die Risiken noch den Nutzen der eigentlichen Keto-Diät replizieren. Die offene Frage, warum Dünn- und Dickdarm so gegensätzlich reagieren, wollen die Forschenden als Nächstes klären.

Kritische Einordnung: Es handelt sich um eine präklinische Tierstudie. Direkte Kausalaussagen für Menschen lassen sich daraus nicht ableiten. Die Erkenntnisse liefern jedoch wichtige Hinweise dafür, dass Ernährungsempfehlungen künftig stärker auf das individuelle Krebsrisiko abgestimmt werden müssen.

Hier können Sie den kostenlosen Keto-Ratgeber als PDF herunterladen

Fazit

Die neue MIT-Studie zeigt: Die Keto-Diät ist kein pauschales Wundermittel, aber auch kein pauschales Risiko hinsichtlich Darmkrebs. Ihre Wirkung auf das Krebsgeschehen im Darm ist komplex und von dem jeweiligen Darmabschnitt sowie dem individuellen Risikoprofil abhängig. Besonders interessant ist die Erkenntnis, dass nicht die Ketonkörper, sondern das Fett selbst die zentrale Rolle spielt. Das verändert den Blick auf die Keto-Forschung grundlegend und mahnt zur Vorsicht bei vorschnellen Schlussfolgerungen – in beide Richtungen.