Hund im Seniorenheim: Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein
Mit Leine und Plan B: Wenn Hunde in die Seniorenresidenz ziehen
Stand: 29.07.2026, 13:21 Uhr
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Zusammen alt werden und jung bleiben: Wenn Hunde mit in die Seniorenresidenz ziehen, hat das viele positive Effekte. Wer dort einen Vierbeiner mitbringt, muss aber Regeln beachten.
München (KNA) – Krümel kennt im Augustinum München-Nord fast jeden Weg. Er steuert den Fahrstuhl an, wartet an den richtigen Türen und bringt seine Besitzerin Annerose Töpfer-Frey jeden Tag mehrmals nach draußen. Als die 85-Jährige im November 2022 in die Seniorenresidenz zog, stand fest: Ihr Terrier kommt mit. „Man kann sich mich ohne Hund nicht vorstellen.“
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Nur wenige Häuser erlauben Haustiere, auch deshalb meldete sie sich früh an. Regeln wie Leinenpflicht und Rücksicht gehören für das unzertrennliche Duo zum Alltag.

Ein Stück Zuhause zieht mit ins Seniorenheim
Der Umzug in eine Seniorenresidenz verändert vertraute Abläufe. Der eigene Hund kann ein Stück Zuhause bewahren und für Halt sorgen. „Krümel strukturiert mich“, sagt Töpfer-Frey. „Ich wäre wahrscheinlich nicht so viel unterwegs, wenn ich den Hund nicht hätte.“ Mit ihm geht sie über Wiesen und Felder, fährt mit ihm U-Bahn und Bus.
Seit 30 Jahren begleiten Terrier die gebürtige Sächsin. Selbst nach einem Konzert geht es spätabends noch eine Runde raus, damit ihr zehnjähriger Begleiter das Bein heben kann. Nach einem Fahrradunfall half ihr das regelmäßige Gassigehen, schneller wieder auf die Beine zu kommen: „Tiere sind schon Therapie.“
Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) befürworte seit langem, dass der Umgang mit Tieren und die Haltung von Tieren auch in Senioreneinrichtungen ermöglicht werden, sagt Solveig Giesecke vom KDA. „Die Vorteile des Kontaktes sind in Studien eindrücklich belegt - und zwar nicht nur für ältere oder an Demenz erkrankte Menschen.“
Was Tierhalter vor dem Umzug ins Seniorenheim klären sollten
Nach Angaben des Ratgeberportals Pflege Panorama lassen schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Seniorenresidenzen Haustiere zu. Verlangt werden können eine Haftpflicht, ein Impfnachweis und eine Prüfung, ob das Tier in die Hausgemeinschaft passt.
Wichtig ist außerdem ein verlässlicher Plan für Krankheit, Krankenhausaufenthalt oder Tod. Solveig Giesecke vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) empfiehlt, vorab zu klären, wer das Tier übernimmt, wenn die Halterin oder der Halter dazu nicht mehr in der Lage ist. Eine Tier-Vorsorgevollmacht kann Angaben zu Betreuung, Tierarzt, Fütterung und Unterbringung festhalten.
Auch die Umgebung sollte passen. Pflege Panorama rät zu gut begehbaren Wegen, Grünflächen für ausgiebige Gassi-Runden und einem erreichbaren Tierarzt. Ist ein eigenes Tier nicht möglich, können Besuchs- oder Therapiehunde als Alternative dienen.
Vor dem Einzug klären:
– Welche Tiere sind erlaubt?
– Welche Räume sind für das Tier tabu?
– Gelten Leinenpflicht oder andere Verhaltensregeln?
– Welche Nachweise verlangt das Haus?
– Entstehen zusätzliche Kosten?
– Gibt es geeignete Spazierwege und einen erreichbaren Tierarzt?
– Wer übernimmt das Tier bei Krankheit oder einem Klinikaufenthalt?
– Wer kümmert sich dauerhaft, wenn der Halter stirbt?
– Welche tiergestützten Angebote gibt es, falls ein eigenes Haustier nicht möglich ist?
Tierhaltung bleibt Einzelfallentscheidung
Vorhandene Haustiere dürfen im Augustinum grundsätzlich mit einziehen. Ob das im Einzelfall möglich ist, klärt die Residenz vorher. „Wir schauen: Wie gut ist der Hund erzogen? Wie kümmert sich die Besitzerin oder der Besitzer um das Tier?“, sagt Direktorin Birgit Voß.
Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in der Seniorenresidenz in eigenen Wohnungen. Zum Angebot gehören Inklusivleistungen, ein Notruf und ein ambulanter Pflegedienst im Haus. In einem Pflegeheim stehen dagegen die stationäre Pflege und Versorgung im Vordergrund.
Für Voß zählt auch die gemeinsame Geschichte: „Wenn jemand schon ein Haustier hatte, ist da eine Bindung entstanden. Das kann auch förderlich für die Gesundheit sein.“ Gleichzeitig müsse das Zusammenleben für alle Bewohner funktionieren.
Für Krümel gelten daher feste Regeln. Restaurant, Schwimmbad und Sauna sind tabu. Im Haus und im Park muss er an der Leine bleiben, Hinterlassenschaften sind zu entfernen. Für Töpfer-Frey ist das alles selbstverständlich. Außerdem versichert sie scherzhaft, Krümel verrichte sein Geschäft ohnehin nur außerhalb des Parks.
Das Tier braucht einen Plan B
Vorsorge ist nötig, wenn Halterin oder Halter krank werden oder ins Krankenhaus müssen. Direktorin Voß unterscheidet zwischen kurzfristiger Hilfe und dauerhafter Verantwortung. „In einer Notsituation finden wir immer eine Lösung. Aber für längere Zeit muss vorher jemand benannt sein.“
Töpfer-Frey hat vorgesorgt: Eine Freundin würde Krümel notfalls aufnehmen. Nach ihrem Fahrradunfall sprang zunächst die Hausgemeinschaft ein. „So blauäugig darf man nicht sein, dass man sagt: Jetzt gehe ich da rein, und das Augustinum macht alles für mich“, schüttelt die studierte Elektrotechnikerin den Kopf.
Eine Regel im Augustinum betrifft die Zukunft. Stirbt ein Haustier, wird in der Regel kein Ersatz erlaubt. Der Grund: Ein neues Tier könnte seine Besitzerin oder seinen Besitzer überleben.
Tierhaltung in Senioreneinrichtungen die Ausnahme
Das Augustinum bleibt eine Ausnahme, die meisten Seniorenresidenzen lassen Tierhaltung nicht zu. Das Ratgeberportal Pflege Panorama schätzt, dass rund 10 bis 15 Prozent der Seniorenresidenzen Tiere wie Katzen, Vögel oder kleinere Hunde unter bestimmten Bedingungen zulassen.
Einen gesetzlichen Anspruch darauf gebe es nicht, ergänzt Giesecke vom KDA. Interessierte sollten deshalb früh klären, welche Tiere erlaubt sind, welche Hausordnung gilt und wer das Tier im Notfall versorgt.
Krümel ist einer von drei Hunden in der Residenz mit 340 Apartments und rund 150 Mitarbeitenden. Manche nennen Töpfer-Frey inzwischen „Frau Krümel“. Wer Abstand wünscht oder Angst vor Hunden hat, wird von beiden respektiert. Zugleich bereichert Krümel auch viele, wie seine Halterin berichtet: „Was der Hund alten Leuten für ein Lächeln ins Gesicht zieht, das ist schön.“