Mit Wero gegen Paypal: Banken und Sparkassen wollen Bezahlfunktion etablieren


Stand: 16.09.2026, 14:00 Uhr

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Impressionen: Digitales Bezahlen mit Wero

Mit Bezahlfunktionen wie Wero und Paypal kann man Geld innerhalb von Sekunden online versenden. © Freisinger Bank eG Volksbank-Raiffeisenbank

Mit Paypal kann man ganz einfach Geld digital versenden und Onlineeinkäufe bezahlen. Gegen die App wollen Banken und Sparkassen jetzt ihre Bezahlfunktion Wero etablieren.

Waldeck-Frankenberg – „Ich habe gerade kein Geld dabei. Kannst Du bitte für mich bezahlen?“ Wer an der Kinokasse für Freunde mitbezahlt oder für den Arbeitskollegen in der Mittagspause an der Bäckertheke, der muss längst nicht mehr tagelang warten, bis der andere daran denkt, das Geld zurückzuzahlen. Mit digitalen Bezahlfunktionen kann man geliehenes Geld innerhalb von Sekunden über das Smartphone begleichen. Der bekannteste Anbieter dafür ist das US-Unternehmen Paypal. Da will jetzt aber auch die europäische Antwort Wero ein Wörtchen mitreden. Auch heimische Geldinstitute machen bei Wero mit. Wir haben bei der Waldeck-Frankenberger Bank und der Sparkasse Waldeck-Frankenberg nachgefragt.

Anders als Paypal ist Wero direkt mit einem Bankkonto bei einem der beteiligten Geldinstitute verknüpft. Die Bezahlung läuft also direkt von Konto zu Konto. Und für Wero gelten europäische Datenschutzregeln, sagt Dirk Paulus von der Waldeck-Frankenberger Bank „für alle, die mit dem Datenschutz bei Paypal Bedenken haben“.

Wero ist eine europäische Lösung, die Bezahldienste aus mehreren Ländern zusammenführt. In Deutschland gab es zum Beispiel Kwitt von Volksbanken und Sparkassen. „Die nationalen Zahlungsdienste sind damals gescheitert“, sagt Marcus Schnell von der Waldeck-Frankenberger Bank. Das soll bei Wero anders werden, weil viele Banken und Länder gemeinsam mitmachen und es sich damit für Nutzer und Händler lohne, Wero zu nutzen beziehungsweise als Bezahlmethode anzubieten. Bei den Nutzern habe ein Umdenken stattgefunden, sagt Schnell. „Viele wollen Unabhängigkeit von amerikanischen Anbietern und sind dankbar für eine europäische Alternative.“ Bislang gebe es etwa 55 Millionen freigeschaltete Wero-Konten, davon 8 Millionen in Deutschland, berichtet Schnell. Und mittlerweile seien auch einige Händler angebunden, zum Beispiel dm, Lidl und Decathlon.

„Wir sehen Wero als ein Zahlverfahren mit erheblichem Entwicklungspotenzial“, sagt Sinah Celine Zimmermann von der Sparkasse Waldeck-Frankenberg. „Gestartet ist Wero vor allem mit dem schnellen Senden und Empfangen von Geld zwischen Privatpersonen. Inzwischen gehen die Einsatzmöglichkeiten deutlich darüber hinaus. Unsere Kunden können Wero auch für Zahlungen im Onlinehandel nutzen, wobei weitere Funktionen und Akzeptanzstellen sukzessive hinzukommen. Aktuell liegt daher ein besonderer Schwerpunkt auf der wachsenden Akzeptanz im Onlinehandel.“ Schon jetzt habe die Sparkasse Registrierungen im unteren fünfstelligen Bereich. „Besonders erfreulich ist, dass Wero von vielen unserer Kunden auch tatsächlich aktiv genutzt und nicht nur einmalig eingerichtet wird“, sagt Zimmermann.

Wero von 16 europäischen Banken gegründet

Wero ist ein Kunstwort, das sich aus den Begriffen we (wir) und Euro zusammensetzt. Der Dienst wurde 2024 von der European Payment Initiative (EPI), einem Zusammenschluss aus 16 europäischen Banken, gestartet. Für Privatkunden ist Wero kostenlos, für gewerbliche Kunden fällt eine Gebühr an, die bei ca. 0,80 Prozent des jeweiligen Umsatzes liegt. Die Funktion ist direkt in der Banking-App verfügbar, Zahlungen können auch darüber mit den üblichen Sicherheitsabfragen freigegeben werden. Die Überweisung läuft in Echtzeit.

„Wero ist seit über zwei Jahren Bestandteil unseres digitalen Zahlungsangebots und hat sich zu einem relevanten Baustein im modernen Zahlungsverkehr entwickelt“, sagt Zimmermann. „Besonders wichtig ist für uns der europäische Ansatz: Wero ist eine in Europa entwickelte Bezahllösung und ermöglicht Zahlungen direkt von Konto zu Konto.“ Zimmermann verweist dabei auf europäische Datenschutzvorgaben.

Für Wero braucht man nicht die IBAN des anderen, es reicht die Handynummer oder E-Mail-Adresse. Bestätigt und freigeschaltet wird ein Bezahlvorgang bei Wero wie bei anderen Online-Überweisungen über die üblichen Sicherheitsmechanismen der jeweiligen Banking-App, in die Wero integriert ist. „Es muss einfach und bequem sein, und das ist es“, sagt Marcus Schnell vom Team der elektronischen Bankdienstleistungen bei der Waldeck-Frankenberger Bank.

In einer App der Sparkasse ist die Option «Geld senden» zu sehen. (zu dpa: «Wero kaum bekannt: Deutsche nutzen Paypal-Alternative selten»

Mit Apps wie Paypal und Wero kann man Geld mit wenigen Klicks versenden (Symbolbild). © Karl-Josef Hildenbrand

Wie einfach das geht, sieht man zum Beispiel im Sportlerheim des TSV Laisa: „Bei Heimspielen der Fußballer, nach dem Training und beim Darts kann man bei uns seinen Getränkedeckel nun bequem über Wero bezahlen“, berichtet Sören Paulus vom TSV-Vorstand. „Man muss nur den QR-Code scannen und über die App seiner Bank den fälligen Betrag senden. Dadurch fällt auch weniger Kleingeld bei uns in der Kasse an.“

Und Wero ist auch immer mehr im E-Commerce zu finden, also beim Bezahlen in Online-Shops. Dazu gehören beispielsweise Eventim, Kaufland und Lidl, weitere sollen hinzukommen. „Mit der Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten, insbesondere im Onlinehandel, erwarten wir, dass die Bedeutung und Nutzung von Wero weiter zunehmen werden“, sagt Sinah Celine Zimmermann von der Sparkasse. Geplant sei auch, dass Wero als Bezahlfunktion direkt im Laden genutzt werden kann – über einen QR-Code statt ein Kartenterminal. „Man wird in Zukunft auch im Spanien-Urlaub seinen Einkauf mit Wero bezahlen können“, sagt Marcus Schnell. Ab Ende dieses Jahr sollen über Wero auch Abozahlungen, etwa für Amazon oder Netflix, möglich sein.

„Paypal nimmt Wero schon als ernstzunehmenden Konkurrenten wahr“, sagt Schnell. Das sehe man zum Beispiel an Rabattaktionen von Paypal. „Wero und Paypal sollte man allerdings nicht ausschließlich als direkte Gegensätze betrachten“, ergänzt Sinah Celine Zimmermann. „Paypal ist seit vielen Jahren am Markt und verfügt entsprechend über eine sehr große internationale Akzeptanz und einen breiten Funktionsumfang. Wero befindet sich dagegen noch im Ausbau und erweitert seine Funktionen und seine Akzeptanz sukzessive“, so Zimmermann.

„Wero verfolgt einen etwas anderen Ansatz“, erklärt Zimmermann: „Im Mittelpunkt steht die direkte Verbindung zwischen Bankkonto und Zahlung. Das Angebot wird kontinuierlich weiterentwickelt und ausgebaut. Langfristig soll eine europäische Zahlungsinfrastruktur entstehen, die Privatkunden, Banken und Handel stärker miteinander verbindet und eine zusätzliche europäische Alternative im Zahlungsverkehr etabliert.“

„Die Banken haben aus den Fehlern gelernt, die sie bei früheren Bezahlverfahren wie Kwitt gemacht haben“, heißt es von der Waldeck-Frankenberger Bank. „Wero funktioniert nur, wenn viele mitmachen.“ Dafür sei die Nutzerbasis mittlerweile vorhanden, so dass sich Wero nicht nur für das private Senden von Geld lohne – dafür ist es kostenlos –, sondern auch für Kunden und Händler im gewerblichen Bereich interessant sei.