Der Mond zieht sich zusammen: Neue Studie enthüllt tausende Bruchkanten und seismische Risiken
Mond schrumpft und bebt: Studie enthüllt tausende Bruchkanten auf der Oberfläche
Stand: 24.10.2026, 18:50 Uhr
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Der Mond zieht sich langsam zusammen: Eine neue Studie kartiert tausende Bruchkanten und zeigt, warum die Schrumpfung für künftige Mondmissionen heikel ist.
Der Mond zieht sich zusammen und schrumpft. Das belegt eine neue Studie unter Leitung des Planetenforschers Thomas R. Watters, die im Fachmagazin The Planetary Science Journal erschienen ist. Mithilfe hochauflösender Bilder der Lunar Reconnaissance Orbiter Camera (LROC) hat das Forschungsteam rund 8900 Bruchkanten im lunaren Hochland sowie mehr als 2600 kleine Rücken in den dunklen Mare-Ebenen kartiert.
Bruchkanten lassen sich an ihrem charakteristischen Profil erkennen: Sie sind asymmetrisch aufgebaut, mit einer steil abfallenden Stirnseite und einem sanft geneigten Rücken. Sie entstehen geologisch immer dann, wenn sich die Kruste des Mondes bei einer Kontraktion zusammenschiebt.
Der Mond schrumpft: 45 Meter Radiusverlust in Jahrmillionen
Insgesamt hat sich der Radius des Mondes laut der Untersuchung um etwa 45 Meter verringert – die Berechnungen liegen zwischen 42 und 46 Metern. Das Tempo dieser Schrumpfung ist extrem langsam: Es beträgt schätzungsweise 6 bis 11 Zentimeter pro Million Jahre, abhängig davon, ob die Verwerfungen vor 400 oder 800 Millionen Jahren einsetzten. Umgerechnet sind das lediglich rund 0,1 Mikrometer pro Jahr. Zum Vergleich: Die Kontinentalplatten der Erde bewegen sich im Schnitt etwa 1,5 Zentimeter pro Jahr.
Das eigentliche Rätsel liegt im Vergleich mit der Theorie. Klassische Modelle zur thermischen Abkühlung des Mondes sagen eine weitaus stärkere Kontraktion von 750 Metern bis zu 1,1 Kilometern voraus. Die aktuelle Studie hält dagegen, dass im Hochland ältere, stark verwitterte Bruchkanten fehlen, die eine solch lange Schrumpfungsphase belegen würden.
Zwei Hypothesen zum langsamen Schrumpfen des Mondes
Als Erklärung diskutieren die Forschenden zwei Hypothesen:
- Eine dicke, poröse Schicht aus Gesteinstrümmern an der Oberfläche könnte das Auskühlen des Mondinneren wie eine Dämmschicht verlangsamt haben.
- Eine unerwartet feste, elastische Kruste im Hochland verhinderte tektonische Brüche so lange, bis die mechanische Spannung einen kritischen Schwellenwert erreichte.
Beide Ansätze sind plausible Erklärungsversuche, gelten bislang jedoch nicht als abschließend bewiesen.
Gefahr für Landeplätze: Warum Mondbeben künftige Missionen betreffen
Die Verwerfungen sind nicht nur ein Relikt der Vergangenheit, sondern besitzen hohe praktische Relevanz für künftige Raumfahrtprojekte wie das Artemis-Programm der NASA. Auch mit Blick auf die Pläne, nach denen die NASA eine dauerhafte Mondbasis errichten will, ist das Phänomen heikel: Die Analyse zeigt, dass 13 von 28 neu lokalisierten Epizentren historischer Flachbeben in einem Umkreis von nur 90 Kilometern um die kartierten Bruchkanten liegen. Für die Forschenden ist das ein starkes Indiz dafür, dass Teile des Mondes weiterhin tektonisch aktiv sind und Erdrutsche oder Beben auslösen können.
Hauptautor Thomas R. Watters zeigt sich von der Dimension überrascht: „Die Anzahl dieser jungen Verwerfungen, die auf den LROC-Bildern zu erkennen sind, ist viel größer, als ich mir jemals vorgestellt hatte.“ Seismische Daten aus der Apollo-Ära deuten zudem darauf hin, dass der Mond noch immer einen flüssigen äußeren Kern besitzt – die Abkühlung und Schrumpfung halten also weiter an. Die Autoren plädieren daher mit Nachdruck für den Aufbau eines globalen seismischen Messnetzes (Lunar Geophysical Network), um Gefahrenzonen für künftige astronautische Mondbasen verlässlich zu identifizieren. (Quellen: Studie, Mitteilung) (tab)