„München Mord": Drehbuchautor Matthias Kiefersauer hat Gespür für schräge Geschichten – Das treibt ihn an
Stand: 16.09.2026, 19:00 Uhr
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Bei der Schülerzeitung fing er an: Heute schreibt Matthias Kiefersauer Drehbücher für „München Mord“ und vieles mehr. Wir haben ihn auf einen Espresso getroffen.
Wolfratshausen – Er sieht müde aus. Matthias Kiefersauer kommt gerade von der ersten Leseprobe zu einer neuen Folge der Krimiserie „München Mord“. In der Hand hält er das Drehbuch, das er zusammen mit dem Kabarettisten Alexander Liegl geschrieben hat. Er zeigt auf die unzähligen handschriftlichen Anmerkungen, Streichungen und Änderungen und erklärt: „Im Lauf der Geschichte, die man liest, löst man sich immer mehr von dem, was eigentlich auf dem Papier steht. Da werden die verschiedenen Handlungsstränge zu einer Art wabernden Ursuppe im Kopf. Eine irre Konzentrationssache.“

Er bestellt sich einen Espresso und gibt zu: „Ich bin gerade ein bisschen erledigt.“ Trotzdem wirkt der 53-Jährige beim Gespräch im Landhauscafé höchst präsent. Er erzählt von den Anfängen seiner Karriere als Regisseur und Drehbuchautor: vom journalistischen Debüt bei der Schülerzeitung am Geretsrieder Gymnasium, vom Praktikum bei der Musiksendung „Live aus dem Alabama“ Mitte der 1990er-Jahre, dem Studium an der Filmhochschule, der Begegnung mit Regie-Ikone Franz Xaver Bogner, der zu seinem Mentor wurde. Sein erzählerisches Talent entdeckte er schon bei der Schülerzeitung am Geretsrieder Gymnasium. „Das Schreiben hat mir gutgetan und geholfen, manche Dinge im Kopf geradezurücken“, sagt er; das Visuelle beim Film lernte er als ideale Ergänzung schätzen.
Regisseur, Drehbuchautor und Kolumnist
Matthias Kiefersauer (53) ist ein erfolgreicher Filmregisseur und Drehbuchautor. Er schrieb und inszenierte zahlreiche Folgen von „München Mord“, „Der Alte“, „Die Bestatterin“, „Komödienstadel“ und anderen Fernsehserien sowie eigene Kurz- und Spielfilme. Seit 2008 verfasst er für den Münchner Merkur die samstägliche Kolumne „Münchner Freiheit“ über seinen Alltag in der Landeshauptstadt. 2020 erhielt er den Kulturpreis des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Für das Drehbuch zum Film „Baching“ wurde er 2005 mit dem Tankred-Dorst-Preis ausgezeichnet, für die Serie „Franzi“ 2009 mit dem AZ-Stern des Jahres.
Kiefersauer ist in Wolfratshausen geboren und aufgewachsen. Seit vielen Jahren lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in München.
Persönliches Ziel: ein dickeres Fell
Obwohl er in der deutschen Fernsehlandschaft ein gefragter Mann ist, fällt es ihm schwer, sich selbst als erfolgreich zu bezeichnen. Er stützt seinen Kopf in beide Hände und denkt lange nach. „Was ist Erfolg? Ich bin zufrieden, wenn ich ein Projekt vom Anfang bis zum Ende gebracht habe und mich dabei nicht verbiegen musste. Wenn dann noch meine Kolleginnen und Kollegen sagen, mit dir arbeite ich saugern zusammen, dann ist das für mich ein Erfolg.“ Er ist ein strenger Selbstkritiker. Durch negative Kommentare auf Social Media lasse er sich schnell den Wind aus den Segeln nehmen, gibt er zu. „Ich arbeite hart daran, mir ein dickeres Fell zuzulegen“, sagt er. Er lächelt wie ein Lausbub, der beim Spicken ertappt wird.
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Schon als Kind sei er sehr sensibel gewesen, berichtet Kiefersauer. Er ist in Waldram aufgewachsen. „Meine Eltern und meine ältere Schwester waren immer sehr vorsichtig mit mir, wenn ich mal wieder empfindlich war.“ Das Kontrastprogramm erlebte er im Sportverein. Er war leidenschaftlicher Fußballer, erzählt er, spielte in der DJK Waldram und im BCF Wolfratshausen. „Damals war der Umgangston noch deutlich rauer als heute. Vielleicht war es das, was mich ein bisschen geschliffen hat“, meint er nachdenklich.
Da werden die verschiedenen Handlungsstränge zu einer Art wabernden Ursuppe im Kopf.
Mit 18 beendete er seine Karriere als Hobbykicker, um mehr Zeit für die Musik zu haben – seine zweite Leidenschaft. Viele Jahre war er als Bassist mit der Soulband „Sir Quickly“ unterwegs. Die Begeisterung für den Fußball gab er an seine beiden Söhne weiter. Als sie klein waren, erwarb er die Trainerlizenz und engagierte sich lange in der Nachwuchsarbeit. Der ältere ist inzwischen 20 und Profifußballer.
Seine Familie ist ihm sehr wichtig
Familie ist ihm wichtig. Der Wahlmünchner fährt jede Woche zweimal in die alte Heimat, um seinen Vater zu besuchen. Selbst Vater zu werden, bezeichnet er als größte Herausforderung seines Lebens. Die Freude und der Stolz über seine zwei Söhne, die „das Herz am rechten Fleck haben“, stehen ihm ins Gesicht geschrieben. Obwohl: Mit dem Begriff „Stolz“ könne er wenig anfangen, schränkt er ein. Seine Erfolge – egal ob wohlgeratene Kinder oder ein gelungenes Filmprojekt – habe er immer einem ganzen Team zu verdanken. Er sei zufrieden, wenn er seinen Teil dazu beitragen könne, meint er bescheiden.
Glück bedeutet für ihn: „Wenn Menschen mit mir lachen.“ Er pflege seinen Freundeskreis, betont er, koche gern und liebe guten Kaffee. Wenn er Energie tanken will, geht er laufen; Fußball spielen traue er sich nach zwei Kreuzbandrissen nicht mehr. Musik macht er heute nicht mehr. „Was ich an kreativer Kraft habe, fließt jetzt in die Texte und den Film“, sagt er und lacht.
Angst, dass ihm seine Kreativität einmal ausgehen könnte, hat er nicht – weder bei den Themen für die Fernsehserien, die er schreibt, noch bei den bisher schon über 700 Texten, die er für die Merkur-Kolumne „Münchner Freiheit“ verfasste. Es bereite ihm höchstens Sorge, dass „sich die Filmbranche wegentwickeln könnte von dem, was ich erzählen will“. Vielleicht liegt es aber auch an seiner mangelnden Hartnäckigkeit, sinniert er, wenn es ihm nicht gelingt, die Produktionsfirma von einem „saulustigen Komödienkonzept“ zu überzeugen. Manchmal habe sich im Nachhinein schon herausgestellt, dass er den richtigen Riecher hatte – als eine ähnliche Idee woanders zum großen Renner wurde.
Sein Espresso ist leer, sein Tafelwasser auch. Der Kaffee war gut, sagt er. Müde sieht er immer noch aus. Nach einer guten Stunde verabschiedet er sich. Es ist fast 18 Uhr und er will noch einkaufen und seinen Vater besuchen, bevor er zurück nach München fährt.
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