Nach Austritten aus dem BSW: Neue Partei in Thüringen gegründet


Das BSW in Thüringen zerfällt – nur noch zwei von ehemals 15 Landtagsabgeordneten gehören ihm an. Jetzt gründen Ehemalige eine neue Partei.

Katja Wolf und Steffen Schütz im Porträt
Ist es die Flucht nach vorne? Ex-BSWler Katja Wolf und Steffen Schütz gründen eine neue Partei

Foto: Jacob Schröter/dpa

Sean-Elias Ansa

In Erfurt ist an diesem Sonntag die Partei „Thüringen.Gerecht“ gegründet worden. Die Gründungsmitglieder wählten die thüringische Finanzministerin Katja Wolf zur Vorsitzenden. Stellvertretende Vorsitzende sind Digitalminister Steffen Schütz und Steffi Eschrich.

„Wir haben versprochen, für Stabilität und Verlässlichkeit in Thüringen zu sorgen. Jetzt laden wir alle Menschen ein, dieses Versprechen gemeinsam mit uns in die Tat umzusetzen“, sagte Wolf bei der Bekanntgabe der Parteigründung. Der Gründungsvorstand werde nun schnellstmöglich eine breite Mitgliederaufnahme organisieren und anschließend einen Parteitag einberufen, so Wolf.

In der zurückliegenden Woche waren mehrere Mitglieder, darunter auch Wolf, aus dem BSW in Thüringen – und teils auch aus der Fraktion im Erfurter Landtag ausgetreten –, nachdem ein Streit mit der Bundesspitze der Partei um die Regierungsbeteiligung im Freistaat eskaliert war.

Die neue Partei verabschiedete unter der Überschrift „Wir werden Thüringen.Gerecht“ ihr Gründungsprogramm. Im Mittelpunkt stehe „eine Politik, die zuhört, die Lebensleistung der Menschen anerkennt und für Sicherheit, Respekt und neue Zuversicht sorgt“.

Austritt aus dem BSW auch wegen zu viel Nähe zur AfD

Als Kernpunkte nannte die Partei: Respekt für die mutige Lebensleistung der Ostdeutschen, Stärkung der Wirtschaft für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung, Stärkung des sozialen Zusammenhalts, intakte Umwelt und bezahlbare Energie, Thüringen als friedliches Land sowie Demokratie und Beteiligung.

„Wir gründen diese Partei aus einem Gerechtigkeits- und Verantwortungsgefühl“, so Wolf. „Wir wollen Thüringen eine starke Stimme geben und unser Land gemeinsam mit Mut und Zuversicht in die Zukunft führen.“

Die Gruppe um Wolf hatte der Bundespartei und seiner Gründerin Sahra Wagenknecht Einmischung und fehlende Distanz zur AfD vorgeworfen. Am vergangenen Freitag waren Wolf und acht weitere BSW-Mitglieder, darunter auch die beiden weiteren Minister, aus der Partei ausgetreten. An der sogenannten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD unter der Führung von Ministerpräsident Mario Voigt wollen sie aber festhalten.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion.

Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

Jens Spahn steht lächelnd auf einer Treppe und blickt nach oben

Jens Spahn, BSW, AfD, J.D. Vance

Der Trost, dass die Union niemand Besseren findet als Spahn

Kolumne Die Woche von Friedrich Küppersbusch

Nach dem Leihmutterschaftsskandal kehrt Jens Spahn zurück – in den Haushaltsausschuss. Und der US-Vizepräsident hat kein Problem mit der Apokalypse.

Die Thüringer Finanzministerin Katja Wolf (BSW, M) gibt ein Pressestatement nach der BSW-Fraktionssitzung im Thüringer Landtag, Foto von August 2026

Nach BSW-Austritten in Thüringen

Wie geht es weiter für die Brombeer-Koalition?

Neun weitere BSW-Abgeordnete in Thüringen verlassen die Partei – darunter auch die Finanzministerin. Der Ministerpräsident bedankt sich für die „Klarheit“.

Von David Muschenich

Mario Voigt im Porträt vor Kameras

Misstrauensvotum in Thüringer Landtag

Höcke schon wieder gescheitert

AfD-Fraktionschef Björn Höcke hat Thüringens CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt zum zweiten Mal erfolglos herausgefordert. Warum die Abstimmung ein Test war.

Werbegrafik für ein Probeabo der wochentaz: Oben steht groß in roten Blockbuchstaben „TAZ THE RICH“. Darunter liegt schräg eine Ausgabe der wochentaz, auf deren Umschlag eine gezeichnete Person zu sehen ist, die einen Globus mit Zeitungsausschnitten betrachtet. Links davor prangt ein schwarzer Sternaufkleber mit dem Angebot „10× für 10 €“.

10 Ausgaben für 10 Euro

Die Wochenzeitung mit taz-Blick

Wir schauen den Superreichen auf die Finger. Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden.

Jetzt kennenlernen

0 Kommentare