Nach Führungswechsel: Wieso 2027 für DAZN so wichtig wird


DAZN

Vor zehn Jahren gestartet, um den Sportfernsehmarkt zu revolutionieren, ist DAZN inzwischen in der Realität eines etablierten Pay-TV-Anbieters angekommen. Höhere Preise, Rechteverluste und der bevorstehende Abgang von DACH-Chefin Alice Mascia zeigen: Der Streamer steht vor richtungsweisenden Jahren. Eine Analyse.

Zehn Jahre ist es her, dass Sportstreamer DAZN seinen Launch feierte – Streaming steckte damals noch in den Kinderfüßen, kaum jemand konnte sich so richtig vorstellen, dass IPTV irgendwann mal der Hauptübertragungsweg großer Fußballspiele oder anderer Sportevents würde. Zehn Jahre sind vorbei, in denen Skeptiker in diesem Punkt längst eines Besseren belehrt wurden. Da hat auch DAZN seinen Teil dazu beigetragen – selbst größte Champions-League-Spiele laufen dort inzwischen weitgehend stabil.

Selbstredend ist das heutige DAZN nicht mehr das von vor zehn Jahren. Speziell in der Anfangszeit war der Streamer wegen seiner enormen Fokussierung auf das Spiel – und auch wegen seiner günstigen Preise (der Zehner ist quasi legendär) – bei Fans beliebt. Doch Everybody’s Darling ist in diesen zehn Jahren in erstaunlich vielen Punkten klassischen Marktregeln gefolgt. War DAZN in den ersten Jahren, auch weil es nicht anders ging, ein Produkt für Nischenfans, hat man sich inzwischen deutlich dem Mainstream geöffnet – in Sachen Rechteportfolio gleichermaßen wie bei der Ansprache on air.

DAZN ist in vielen Punkten also ein ziemlich gewöhnlicher Sportfernseh-Anbieter geworden. Und mit den großen Rechten, zu nennen wären da vor allem Champions League und Bundesliga, stiegen auch die Preise. Der Zehner war gestern; wer mit Rabatt bucht, bekommt das Unlimited-Paket aktuell für rund 25 Euro.

DAZN-DACH-Chefin Alice Mascia
DAZN-DACH-Chefin Alice Mascia. Bildrechte: DAZN Group

Vorbei sind nämlich die Zeiten des Aufbaus. Die Zeiten, in denen DAZN fast grenzenlos rote Zahlen schreiben durfte. Im Grunde genommen ist DAZN in einer ähnlichen Unternehmensphase angekommen wie Sky Deutschland. Das Geschäft muss sich inzwischen mindestens selbst tragen. Geschafft hat das die noch amtierende, aber zum Jahresende ausscheidende DACH-Chefin Alice Mascia. Die Italienerin, die vorher auch schon für Sky arbeitete, hat die Zahlen des zuvor defizitären Streamers in den Griff bekommen – mit Methoden, die bei den Fans keineswegs nur populär waren.

Alles erreicht?

Ihr nahendes Ausscheiden, nach DAZN-Angaben auf eigenen Wunsch, dürfte geschickt gewählt sein. Denn in den kommenden Jahren dürfte es für DAZN nicht einfacher werden. Einen Vorgeschmack hat der Streamer bereits im vergangenen Herbst bekommen. Bei der Rechtevergabe für die Champions League 2027 bis 2031 setzte man sich nicht durch, sondern musste sich Paramount+ geschlagen geben. Für Paramount soll – so der Plan der damals – die Königsklasse die Bekanntheit der Plattform schlagartig steigern. Glaubt man Branchengerüchten, ist der US-Konzern daher sehr aggressiv zu Werke gegangen – und hat viel Geld für den Erhalt der Rechte bezahlt. DAZN musste auf die deutlich kleinere Europa League ausweichen.

Schon zuletzt hatte man verschiedene US-Sportrechte oder die MotoGP an Sky verloren. Bei RTL Deutschland, der neuen Sky-Mutter, erhofft man sich durch den Zusammenschluss, Streamern wie DAZN künftig bei Rechtevergaben besser als zuvor das Wasser reichen zu können. Mit Blick auf die Top-Sport-Rechte scheint Sky in den kommenden Jahren wieder die Nase vorn zu haben. Bundesliga, Formel 1 und NFL sprechen für sich, während DAZN zwar die begehrte Bundesliga-Konferenz, nicht aber die Top-Einzelspiele und eben nicht mehr die Königsklasse hat.

Der neue DAZN-Kurs

Ob sich das auch am Preis bemerkbar macht und welches Ass im Ärmel der Streamer haben wird, ist nun auch Aufgabe von Felix Krause, der früher schon für die Strategie des Streamers verantwortete und Mascia-Nachfolger auf dem Chefsessel wird. Dass Mascia, von „Bild“ zur „mächtigsten Frau der Bundesliga“ erhoben, nach vier guten Jahren aufhört, passt aber ins Bild dieser Tage. Schon der Weggang von Top-Moderatorin Laura Wontorra, für die DAZN in der Vergangenheit stark trommelte, war ein enormer Verlust für den Streamer. Wirtschaftliche Profitabilität scheibt eben ihren Preis haben – und verlangt Kompromisse.

2027 scheint eines der spannenderen DAZN-Jahre zu werden – auch weil nicht davon auszugehen ist, dass die US-Streamingreisen bei der Rechteakquise vorsichtiger zu Werke gehen werden. In welche Richtung lenkt Krause den Streamer und welche Überschriften werden für die nächste Phase des Business gelten? Das lässt sich ebenso wenig absehen wie die Antwort auf die Frage, wo Alice Mascia künftig auftaucht. Schon vor Monaten geisterte das – wegen der inzwischen italienischen Führung – naheliegende Gerücht durch München, ProSiebenSat.1 könnte Interesse an der Erfolgsmanagerin haben. Davon war in den vergangenen Wochen allerdings wieder weniger zu hören. Während in der Bundesliga das Transferfenster bekanntlich längst geschlossen ist, ist Mascia derzeit wohl eine der begehrtesten TV-Macherinnen auf dem Markt…

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