Nach Hurrikan Katrina: Das Spiel, das eine Stadt in Trümmern zu neuem Leben erweckte


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04.10.2026 | 07:00 Uhr

New Orleans lag nach Hurrikan Katrina in Trümmern. Menschen verloren ihr Zuhause, ihr Hab und Gut, teilweise sogar ihr Leben. Ein Spiel brachte neue Hoffnung und war der Anbeginn einer neuen Zeit in der so lebhaften Stadt im Süden der USA.

Der Sport war nach Hurrikan Katrina in New Orleans und der gesamten Region zur Nebensache geworden. 1392 Menschen verloren durch eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA im August 2005 ihr Leben. Der Sachschaden wurde auf 108 Milliarden US-Dollar beziffert. Die Stadt lag brach. Am Ende war es vor allem ein Sportereignis, das der Region neuen Mut und Hoffnung brachte.

Der Louisiana Superdome, in dem unter anderem zahlreiche Super Bowls stattgefunden haben, war so etwas wie das Symbol der Hoffnung in einer äußerst schwierigen Zeit. Das Dach war beschädigt und doch fanden zahllose Menschen dort in der schlimmsten Krise Unterkunft. Die ortsansässigen New Orleans Saints aus der NFL hingegen mussten für die Saison 2005 auf Reisen gehen. Den Großteil ihrer Heimspiele trugen sie im texanischen San Antonio aus.

Ihre Saison verlief entsprechend: 3-13. Der Trainer wurde entlassen und man peilte einen Neuanfang an. Sogar ein permanenter Umzug - etwa nach San Antonio, wo die Saints im Alamo Dome spielten, der einst das NBA-Team San Antonio Spurs beheimatete. Schließlich war der Superdome beschädigt und die Stadt hatte andere Sorgen als ein NFL-Team zurückzuholen. Doch ging es eben um mehr als nur den Sport an sich. Es ging um die Identität der Stadt, die Hoffnung der Menschen und das Vertrauen in die Region an sich, sei es als Wirtschaftsstandort, Sportkomplex oder generell als Ort, der Zukunft hat.

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Der Superdome war nach Hurrikan Katrina schwer beschädigt. (Foto: IMAGO/piemags)

Reaktion der Regierung erregte Unmut

Direkt nach der Katastrophe war die große Frage, wie viele Ressourcen die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush zur Verfügung stellen würde. Das allein schon führte zu viel Frust in der Bevölkerung, die sich zum Teil im Stich gelassen fühlte. Es drohte das Ende für New Orleans als bedeutender Stadt am Golf von Mexiko. Existenzen waren bedroht.

Die NFL jedoch traf die wegweisende Entscheidung, an New Orleans festzuhalten. Der Superdome wurde renoviert und war mit etwas Verspätung zur Saison 2006 wieder bereit. Das Signal war gewaltig: die auch damals schon größte Sportliga der Welt hält zu New Orleans, also gibt es keinen Grund für andere Industrien, nicht das Gleiche zu tun. New Orleans war spätestens jetzt zurück.

Am 25. September - 638 Tage nach dem letzten Spiel im Superdome - war es soweit. Die Saints traten runderneuert an: Sean Payton war als Head Coach von den Dallas Cowboys gekommen, Quarterback Drew Brees aus San Diego. Es ging mit Rückenwind ins damalige Monday Night Game - die große nationale Bühne des Footballs - gegen den Division-Rivalen Atlanta Falcons mit Star-Quarterback Michael Vick. Beide Teams waren ungeschlagen, doch die Falcons galten als Favorit.

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Die Euphorie in der Stadt war riesig, denn keiner hatte wirklich damit gerechnet, so kurz nach der Katastrophe wieder ein nationales Großereignis vor Ort zu erleben. Das Ziel für die Spieler indes war klar: bloß nicht verlieren. Bloß nicht den entfachten Vibe killen. Der Rahmen war jedenfalls der Sache angemessen. U2 und Green Day traten vor der Partie auf, der frühere US-Präsident George H.W. Bush zelebrierte den Münzwurf und die aus New Orleans stammenden Musical-Stars Irma Thomas und Allen Toussaint sangen die Nationalhymne. Es hatte etwas von einem Super Bowl.

Das Spiel hielt, was es versprach: Die Defense der Saints hielt und die Falcons mussten schnell punten. Was folgte, war ein unvergesslicher Moment, der die ganze Stadt elektrisierte. Atlantas Matt Koenen bekam den Ball, setzte zum Kick an und aus der Mitte des Feldes kam Saints-Defensive-Back Steve Gleason angeflogen. Er blockte den Punt, der Ball rollte in die Endzone und Teamkollege Curtis Deloatch schnappte sich das Leder für den Touchdown. Der Superdome bebte und selbst am TV war die Euphorie und die geballte Freude einer ganzen Stadt spürbar. Ein magischer Moment. So magisch, dass der Rest des Spiels wie im Rausch an allen vorbei zog.

"Wie eine Einmischung Gottes"

Die Saints gewannen 23:3. Was danach passierte, weiß scheinbar niemand mehr. Sportreporter Tim Fletcher fasste es für die Website "Awful Announcing" treffend zusammen: "Ich habe keine Ahnung. Ich könnte es Ihnen nicht sagen." Vor dem Superdome steht seit 2012 eine Statue, die dieses Play von Gleason gegen Koenen verewigt. Es war unzweifelhaft der größte Moment der Teamgeschichte. Jenes Team gewann drei Jahre später den Super Bowl, aber nichts war größer als dieser Abend im Superdome.

Für die damalige ESPN-Reporterin Suzy Kolber fühlte sich der Moment wie eine "Einmischung Gottes" an. Für den Kolumnisten der "New Orleans Times-Picayune", Jeff Duncan, war es, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Und der damalige Saints-Spieler Deuce McAllister ist sich sicher, dass sogar die Richterskala in dem Moment ausgeschlagen hat.

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Eine Statue vor dem Superdome erinnert an den geblockten Punt von Steve Gleason. (Foto: IMAGO/Pond5 Images)

Der Held von damals wie auch das Spiel an sich und eben die Spielstätte gelten noch heute als Zeichen der Hoffnung, für Resilienz und eben diese "Nie-aufgeben"-Mentalität der Stadt und der Region. Gleason, der heute schwer gezeichnet ist von der heimtückischen Krankheit ALS, hat nie aufgegeben und kämpft immer noch gegen sein Schicksal und für die Forschung nach einem Heilmittel. Der Superdome steht weiter und hat seither zwei weitere Super Bowls beherbergt.

Und die Saints sind immer noch in New Orleans und gerade wieder im Aufwind. Am Montagabend (Nacht auf Dienstag, 2.15 Uhr live bei RTL und Sky Sport) empfangen sie erneut die Falcons zum 20-jährigen Jubiläum des damaligen Spiels. Wird es genauso legendär? Sehr wahrscheinlich nicht. Aber die Erinnerungen an damals werden sicher wieder hochkommen und die Menschen daran erinnern, wie wegweisend dieser Montagabend im September 2006 für alle Beteiligten war.

Verwendete Quelle: ntv.de