Nach Jahren des Verfalls öffnet traditionsreicher Gasthof mitten im Wald wieder
Stand: 27.08.2026, 23:15 Uhr
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Trotz Rechtsstreit, Müllbergen und einer Sanierung, die noch lange nicht abgeschlossen ist, öffnet Gottfried Salz den traditionsreichen Hof Guttels in Nordhessen wieder für Gäste.
Rotenburg – Wo vor wenigen Monaten noch Gerümpel und Müll lagen, stehen heute neue Tische und Stühle. Am Eingang blühen frisch gesetzte Pflanzen, im Haupthaus sind Küche, Theke und Toiletten erneuert. Noch wird geschraubt, geräumt und hergerichtet, in dieser Woche sollen auch die neuen Sonnenschirme kommen. Fertig ist Hof Guttels damit längst nicht. Trotzdem will Gottfried Salz nicht länger warten: Am Freitag öffnet der traditionsreiche Waldgasthof erstmals wieder für Gäste.

„Wir fangen langsam an“, sagt der 74-Jährige. Zunächst soll das Lokal von 10 bis 19 Uhr öffnen und Kaffee, Kuchen und Getränke anbieten. Gekochte Speisen stehen zum Start noch nicht auf der Karte. Auch die Öffnungszeiten betrachtet Salz zunächst als Test. Sie sollen sich mit der Zeit danach richten, wie viele Menschen kommen und welche Jahreszeit ist. Dienstag soll voraussichtlich Ruhetag werden.

Gerichtsstreit bremst Sanierung
Dass Salz jetzt schon öffnet, obwohl auf dem weitläufigen Anwesen noch jede Menge Arbeit wartet, hat einen Grund. Immer wieder kämen Wanderer, Spaziergänger und andere Neugierige vorbei und wollten wissen, wann es endlich losgeht, erzählt er. Das Interesse sei riesig. Deshalb wird aus der ursprünglich groß angekündigten Wiedereröffnung zunächst eine Teileröffnung.
Als Salz Ende Oktober vergangenen Jahres für 150.000 Euro bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag für das denkmalgeschützte Anwesen erhielt, hatte er sich noch ein ehrgeizigeres Ziel gesetzt: Bereits im Mai wollte er erste Gäste empfangen. Doch aus den sieben geplanten Monaten wurden fast zehn. Nicht allein der Zustand der Gebäude machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
Nach Angaben von Salz beschäftigten ihn nach der Übernahme zahlreiche Auseinandersetzungen rund um das Anwesen. Der frühere Eigentümer habe die Zwangsversteigerung nicht anerkennen wollen, zugleich gestaltete sich der Auszug der damaligen Bewohner schwierig. Salz spricht von bislang 16 Gerichtsterminen und Polizeieinsätzen. Ein Ende aller Auseinandersetzungen sei noch nicht erreicht.
Hinzu kam ein Problem, mit dem der neue Eigentümer nach eigenen Angaben lange beschäftigt war: Bewohner beriefen sich auf mündliche Mietvereinbarungen mit dem früheren Eigentümer. Um Teile des Anwesens schließlich frei zu bekommen, habe Salz sich mit einigen Bewohnern finanziell einigen müssen. Erst im Februar seien die letzten von ihnen ausgezogen. „Mir wurden viele Steine in den Weg gelegt“, sagt er.
Dann bremsten Schnee und schlechtes Wetter die Arbeiten zusätzlich. Erst im März konnte Salz nach eigener Aussage mit der eigentlichen Sanierung beginnen. Wobei an Renovieren zunächst kaum zu denken war. Grundstück und Gebäude waren an vielen Stellen voll mit Müll und Gerümpel. Bevor Neues entstehen konnte, musste deshalb erst einmal entsorgt, ausgeräumt und freigelegt werden.

Seitdem hat sich einiges getan. Das Grundstück ist in Teilen wieder hergerichtet, der Eingangsbereich bepflanzt. Vor dem Gastraum stehen neue Möbel. Im Inneren wurden unter anderem Küche und Theke erneuert, der Gastraum hergerichtet und neue Toiletten eingebaut. Einen Großteil der Arbeiten erledigt Salz selbst.
Im täglichen Betrieb steht ihm Jolanta Janik zur Seite. Sie soll zum Start zunächst Küche, Service und Bedienung übernehmen. Bleibt es nicht bei Kaffee und Kuchen und wächst der Betrieb wie erhofft, wird das allerdings nicht reichen. Mit der Zeit sollen deshalb weitere Mitarbeiter hinzukommen.
Ferienzimmer sind noch in Arbeit
Salz selbst lebt weiterhin in Eppertshausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg und ist etwa dreimal pro Woche in Guttels. Die Arbeit dürfte ihm dort trotzdem noch lange nicht ausgehen. Denn die geöffneten Türen der Gaststätte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Die Wiederbelebung des Hofes steht trotz aller Fortschritte noch ziemlich am Anfang.
An seinen großen Plänen hält Salz fest. Ferienzimmer und Ferienwohnungen sollen nach und nach wieder für Gäste hergerichtet werden. Besonders viel Arbeit wartet in der alten Mühle. Dort sollen langfristig sechs Wohnungen und zwei Seminarräume entstehen. Auch die Außenanlagen will Salz weiter gestalten.
So sah Hof Guttels im November 2025 noch aus:
Inzwischen sind sogar weitere Ideen hinzugekommen. Auf dem Gelände möchte der neue Besitzer Stellplätze für Campingfahrzeuge schaffen. Hof Guttels soll außerdem zu einem Ort werden, an dem Geburtstage und andere Feiern stattfinden können. Ein Veranstaltungsraum im Haupthaus wird dafür derzeit bereits hergerichtet. Alles soll nach und nach entstehen – parallel zum laufenden Gastbetrieb.
Noch ohne Nummer und Internetseite
Eine weitere Altlast der Vergangenheit beschäftigt Salz derweil noch. Eine eigene Telefonnummer und Internetseite für Hof Guttels gibt es bislang nicht. Beides sei nach seinen Angaben noch durch den früheren Eigentümer blockiert. Auch deshalb sieht Salz seine Aufgabe nicht allein darin, Mauern, Räume und Außenflächen herzurichten. Nach den vergangenen Jahren müsse erst wieder das Vertrauen in Hof Guttels aufgebaut werden.

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Am Freitag soll damit zumindest ein Anfang gemacht sein. Dann können Besucher wieder dort Platz nehmen, wo über viele Jahre ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Familien war. Während vorne Kaffee ausgeschenkt und Kuchen serviert wird, dürfte an anderer Stelle noch gebaut werden. Denn aus der Eröffnung wird für Gottfried Salz kein Schlusspunkt. Sie ist vielmehr die nächste Etappe eines Projekts, das ihn noch lange beschäftigen wird.
Link zur Adresse: https://maps.app.goo.gl/Q4osPNW4tWCzDNEd7
(Von Carolin Eberth)