Nach tödlicher Attacke an Checkpoint: Israel riegelt Westjordanland ab
Israels Premier Netanjahu macht mit dem Schicksal der Palästinenser Wahlkampf. Razzien und Militäraufmarsch kurz vor den Wahlen am Dienstag.
Foto: Mussa Qawasma/reuters
Ein Mann mit langem Bart und Pistole in der Hand duckt sich im Kugelhagel: Dieses Bild von einem Fotografen der Nachrichtenagentur AFP soll einen der zwei Angreifer zeigen, die am Freitag in Hebron das Feuer auf israelische Streitkräfte eröffnet haben. Auf weiteren Bildern ist ein Mann mit einem Maschinengewehr in der Hand zu sehen. Der Angriff soll sich an einem israelischen Checkpoint ereignet haben. Fünf Israelis wurden dabei verletzt, zwei von ihnen sind inzwischen gestorben. Die zwei Palästinenser wurden von Sicherheitskräften erschossen.
Hebron liegt im südlichen Westjordanland und ist die einzige Stadt im dort, in der israelische Siedler:innen mitten in einem palästinensischen Wohngebiet leben. Immer wieder eskaliert hier auf beiden Seiten die Gewalt.
Israelische Medien haben die zwei Angreifer als Einwohner Hebrons aus ein und derselben Familie identifiziert. Sie sollen ein M16-Gewehr und eine Pistole für den Angriff benutzt haben, eine große Menge Munition hat das israelische Militär (IDF) nach eigenen Angaben in ihrem Auto gefunden. Die Terrororganisation Hamas hat die Tat als „heldenhafte Operation“ gepriesen, sie jedoch nicht direkt beansprucht.
Abriegelung und Razzien
Nahost-Konflikt
Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.
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Nach dem Angriff hat das israelische Militär das Gebiet rund um Hebron abgesperrt und Razzien in mehreren palästinensischen Dörfern durchgeführt. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat zudem die Abriegelung des gesamten Westjordanlands angekündigt. Sie soll noch heute beginnen.
Unklar ist, ob dies eine direkte Folge der Terrorattacke ist, oder ob es mit den bevorstehenden Wahlen in Israel zusammenhängt und schon länger geplant war. Laut der israelischen Zeitung Times of Israel war ein Lockdown für Montag und Dienstag, den Wahltag, bereits anvisiert. Eine entsprechende Anfrage an das Büro des Premierministers blieb unbeantwortet.
Videos aus Hebron zeigen unterdes Wolken von Tränengas, Menschen, die weglaufen und Lastwagen, die chaotische Wendeversuche unternehmen. Im Hintergrund sind Blendgranaten zu hören. Ein Mann soll laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa schwer verletzt worden sein. Die israelischen Streitkräfte hätten bereits Straßensperren an zahlreichen Straßen rund um palästinensische Dörfer errichtet, sowohl im südlichen als auch im nördlichen Westjordanland.
Netanjahu beschuldigt Hamas
Netanjahu pries den Mut der israelischen Soldat:innen bei dem Angriff und schrieb auf X, ehemals Twitter: „Ich habe die IDF angewiesen, die Stadt Hebron unverzüglich abzuriegeln und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um terroristische Anschläge zu verhindern, die von Judäa und Samaria [biblische Bezeichnung fürs Westjordanland, Anm.d.Red.] ausgehen“. Man führe gerade „umfangreiche Verhaftungswellen“ durch. Er bezeichnete die Angreifer als Hamas-Mitglieder.
Finanzminister Bezalel Smotrich teilte auf X mit, er habe den Abriss palästinensischer Gebäude in der Nähe des Tatorts angeordnet, die Israel als illegal einstuft. Smotrich, selbst Siedler und Anführer einer rechtsextrem-religiösen Partei, leitet de facto die zivile Verwaltung und den Siedlungsbau in den von Israel kontrollierten Gebieten des Westjordanlands, auch Gebiet C genannt.
In einem Video sagte Netanjahu später, er wolle das Viertel in Hebron, aus dem die Angreifer stammen, „zerstören“. „Wir werden etwas tun, das bisher noch nicht getan wurde: Wir werden das erfolgreiche und aggressive Modell umsetzen, das wir in den Flüchtlingslagern angewandt haben – die im Grunde Terroristenhochburgen sind“, so der Premierminister.
Vertreibung von 35.000 Palästinenser:innen
Im Frühjahr 2025 hatte das israelische Militär etwa 35.000 Palästinenser:innen aus drei Flüchtlingslagern im Westjordanland vertrieben und diese größtenteils beschädigt oder eingeebnet – ein Vorgang, den Menschenrechtsorganisationen scharf kritisierten. Noch sind die Camps menschenleer und von der Armee besetzt, die eine Rückkehr der Bewohner:innen verhindert.
Der Premierminister erwähnte zudem, man plane gerade die größte Militäroperation im Westjordanland seit der Eroberung 1967. Wann und wie sie stattfinden soll, blieb unklar. Netanjahu lobte fortan die „heldenhaften Siedler:innen“, die „ein Vorbild für die Menschen in Israel“ seien. Siedlungen im besetzten Westjordanland sind nach internationalem Völkerrecht illegal.
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