Paukenschlag bei VW: Vorstand will zur Not Aktionäre entscheiden lassen


Stand: 03.09.2026, 06:56 Uhr

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Kompromiss gescheitert: VW-Chef Blume will sein Sparpaket notfalls über eine außerordentliche Hauptversammlung durchsetzen – 35.000 Jobs stehen auf dem Spiel.

Wolfsburg – Wolfsburg kämpft. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern in den Chefetagen des größten deutschen Autokonzerns. Bei Volkswagen (VW) eskaliert der Machtkampf zwischen Vorstand, Gewerkschaft und dem Land Niedersachsen. Zehntausende Jobs, vier deutsche Werke und die Frage, wer bei VW das letzte Wort hat – all das entscheidet sich möglicherweise schon an diesem Freitag.

Volkswagen AG

VW-Chef Blume will die Pläne des Vorstands zur Not mit Hauptversammlung durchdrücken. (Archivbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Zuletzt scheiterten die letzten Vorverhandlungen zwischen VW-Vorstand und dem Land Niedersachsen, sich vor der Aufsichtsratssitzung auf einen Minimalkonsens zu einigen. Mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen bestätigen dem Handelsblatt: Ein Kompromiss ist nicht mehr in Sicht. Ein Insider bringt es auf den Punkt: „Die Züge fahren jetzt aufeinander zu.“

Machtkampf bei VW: Kompromiss gescheitert – Aktionäre sollen entscheiden

Sollte der Aufsichtsrat am Freitag (dann trifft sich der gesamte Aufsichtsrat) das Sparpaket erneut ablehnen, will das Team um Konzernchef Oliver Blume (58) laut Handelsblatt eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen – ein in Deutschland beispielloser Schritt. Das Blume-Lager ist sich sicher: „Dieses Vorgehen ist juristisch gedeckt.“ Frühestens Mitte Oktober könnte ein solches Aktionärstreffen stattfinden.

Laut WirtschaftsWoche hat der Vorstand das Produktionsende für vier deutsche Standorte beschlossen: Emden und Zwickau sollen 2031 schließen, Hannover 2032, Neckarsulm 2034. Allein bei der Volkswagen AG fallen 35.000 der insgesamt rund 50.000 Stellen weg, die bis 2030 bei VW, Audi, Porsche und CARIAD in Deutschland abgebaut werden sollen.

Blume selbst räumte ein, dass sich aus dem Ziel, die Kosten auf Wettbewerbsniveau zu senken, rechnerisch ein weiterer Bedarf von bis zu 50.000 Stellen weltweit ergeben könnte – ohne feste Zielgröße.

Gewerkschaft und Niedersachsen blockieren – VW-Aktionärsstruktur macht es kompliziert

IG-Metall-Bezirkschef Thorsten Gröger hatte bereits zuvor gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung die Lage klar benannt: „Die Zeichen stehen auf Konflikt.“ Die Spekulationen über eine Hauptversammlung nannte er gegenüber der Zeitung einen „unglaublichen Vorgang“. Auch die Arbeitnehmerseite lässt sich davon nicht einschüchtern. Aus ihren Kreisen erfuhr das Handelsblatt: Man bereite sich darauf vor, den Rechtsweg zu gehen – „bis zum Bundesgerichtshof und weiter nach Europa“.

Für eine Hauptversammlung bräuchte Blume mindestens 75 Prozent der Stimmen – wegen des VW-Gesetzes möglicherweise sogar über 80 Prozent. Die Porsche/Piëch-Familie kontrolliert 53,3 Prozent der Stimmrechte und drängt auf tiefere Einschnitte. Katar hält 17 Prozent. Zusammen kommen beide auf 70,3 Prozent. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent – und sperrt sich gegen den Kahlschlag. Ein Selbstläufer ist der Gang zu den Aktionären für Blume also nicht. (Quellen: Neue Osnabrücker Zeitung, Handelsblatt, WirtschaftsWoche) (nmr)