Nachts mit Bier und Cannabis zur Schule im Wildunger Helenental
Stand: 19.10.2026, 08:00 Uhr
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Der Elternbeirat einer Wildunger Grundschule hat einen Brandbrief an die Kreistagsfraktionen geschickt wegen nächtlicher Umtriebe auf dem Schulhof. Die Eltern sehen ihre Kinder in Gefahr.
Bad Wildungen – Vor drei Jahren wurde die Grundschule im Helenental wiedereröffnet nach umfangreicher Sanierung und einem Umbau für insgesamt neun Millionen Euro. Das Schmuckstück zieht allerdings abends und nachts seit Monaten ungebetene Gäste auf den nach außen offenen Schulhof. Sie hinterlassen Bierdosen, Zigarettenstummel und anderen Müll. Als Eltern nun noch Tütchen – augenscheinlich mit Resten von Cannabis – morgens auf dem Gelände fanden, war für sie das Maß voll.
Beirat schreibt Kreistag
Der Elternbeirat hat einen geharnischten Brief sowohl an alle Fraktionen des Kreistages Waldeck-Frankenberg als auch an die Heimatzeitung verschickt. Der Landkreis ist als Schulträger zuständig für Gebäude und weitere Ausstattung der Schulen. Den Eltern reicht es nicht, dass der Kreis ein verschließbares Tor für den Eingang zum Hof in Auftrag geben will, wie Kreis-Pressesprecherin Ann-Katrin Heimbuchner auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt.
Niedriger Zaun mit Tor?
Der Zaun ist etwa hüfthoch, sodass jeder Jugendliche und Erwachsene problemlos über ihn und ein dazu passendes Tor hinwegsteige. Die Eltern fordern darum die Installation einer Überwachungskamera und einen Prüfauftrag an den Landkreis, ob ein solches Tor überhaupt eine Wirkung gegen das Problem entwickeln könnte. Der Beirat verweist darauf, dass „in extremer räumlicher Nähe zur Schule“ ein bekannter Dealerstandort bestehe.
Bislang keine Drogen
„Nach Rücksprache mit unseren Beamten der Polizeistation Bad Wildungen handelt es sich bei dem Schulgelände und dem Bereich um die Schule nicht um einen Brennpunkt des Drogenhandels“, antwortete Ulrike Schaake auf Anfrage unserer Redaktion. Sie leitet die Pressestelle beim Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel und ergänzt: Die Wildunger Polizeistreifen und die freiwillige Polizei behielten den Schulhof und die seit Längerem gesperrte Half-Pipe neben der Turnhalle im Auge, sowohl tagsüber wie nachts. Bei diesen Kontrollen seien keine Drogen gefunden worden. Die Polizei stimme sich eng mit dem Ordnungsamt der Stadt ab, plane zurzeit aber keine besonderen Maßnahmen für die Schule.
Tor ermächtigt Polizei
Stephan Uhde, Leiter des zuständigen Fritzlarer Schulamtes, hält auf Anfrage unserer Zeitung die Installation eines Tores für einen richtigen und wichtigen Schritt. Er nimmt stellvertretend für die Schulleitung Stellung, die wegen der Herbstferien am Freitag noch nicht erreichbar war. Kreispressesprecherin Ann-Katrin Heimbuchner erläutert den rechtlichen Unterschied, den ein Tor macht: „Die Polizei kann gegen unbefugtes Betreten nur vorgehen, wenn der Bereich durch ein Tor abgeschlossen ist. Sonst besteht leider nicht die Möglichkeit, unerwünschte Besucher effektiv vom Gelände fernzuhalten.“
Video-Cam in Prüfung
Eine mögliche Videoüberwachung sei angedacht, antwortet Heimbuchner auf die zentrale Forderung der Eltern. Dieses Thema befinde sich aber momentan noch in einer datenschutzrechtlichen Prüfung. Erst nach deren Abschluss könne eine Entscheidung fallen.
Problem Vandalismus
Von Drogen an der Helenentalschule hatte die Polizei aktuell keine Kenntnis. Als Ziel von Zerstörungswut ist ihr die Schule aber ein Begriff. Ende August brach jemand ein, stahl zwar nichts, verschmierte aber Seife in Klassenräumen und beschädigte ein Fernsehgerät. Schaden laut Polizei: 2000 Euro. Die Schulleitung berichtete der Polizei von Jugendlichen, die nachts den Schulhof aufsuchten und offenbar Schäden anrichteten. So schnitt jemand in die teure Gewebefassade an der östlichen Außenwand. Sowohl das kleine überdachte „Amphitheater“ samt Steinbänken an der Vorderseite als auch der Spielplatz dienen als nächtliche Treffpunkte.
Die Wildunger „Schutzfrau vor Ort“ Simone Feußner und die Präventionsexperten des Polizeipräsidiums stünden zur Verfügung, schließt Polizeipressesprecherin Ulrike Schaake. Sie könnten der Schule eine professionelle Objektberatung an Ort und Stelle geben. (Matthias Schuldt)