Zweite Meerenge blockiert: Golfstaat steht vor großen Problemen


Bab al-Mandab blockiert

Der Plan B wird zur Falle


22.07.2026 - 18:35 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Straße von Hormus ist weiter faktisch blockiert, nun kommt eine zweite wichtige Meerenge dazu. Der Konflikt hat damit eine neue Ebene bekommen.

Saudi-Arabien steckt erstmals zwischen zwei blockierten Seekorridoren. Nach der Blockade der Straße von Hormus durch den Iran hat jetzt die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz eigenen Angaben zufolge am Dienstag sechs Schiffe vor der Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Jemen und Dschibuti zur Umkehr gezwungen. Unabhängig bestätigen ließen sich diese Berichte zunächst nicht.

Hintergrund ist ihre am Montag verkündete "Blockade" für saudische Schiffe. Diese folgte als Reaktion auf zunehmende Spannungen zwischen den Huthis und Saudi-Arabien und auf die von Reuters berichtete Aufforderung des Iran an die Huthis, "bereit zu sein, die Ölroute im Roten Meer zu schließen, falls die Vereinigten Staaten iranische Energieinfrastruktur angreifen". Belegte US-Angriffe auf iranische Infrastruktur gibt es in der aktuellen Angriffswelle zwar nicht, US-Präsident Donald Trump droht allerdings ausdrücklich damit. Zudem fliegen die USA seit elf Tagen Angriffe auf den Iran. Dennoch: Die Huthis haben Bab al-Mandab für saudische Schiffe blockiert, und Saudi-Arabien steht damit vor einem großen Problem.

Das Land exportiert wegen der Hormus-Blockade derzeit einen großen Teil seines Öls durch die etwa 32 Kilometer breite Meerenge Bab al-Mandab, übersetzt "Tor der Tränen". Die sogenannte Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien verbindet die Ölfelder im Osten des Landes mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer. Die rund 1.200 Kilometer lange Leitung kann laut der saudischen Erdölfördergesellschaft Saudi Aramco bis zu sieben Millionen Barrel pro Tag transportieren. Sie wurde bereits in den 1980er-Jahren gebaut, um genau für derartige Krisen einen alternativen Exportweg zu schaffen. Nun ist auch dieser geschlossen.

Auch rund zwölf Prozent des Welthandels sowie etwa ein Viertel des globalen Containerverkehrs Richtung Suezkanal führen durch das "Tor der Tränen". Die Seeblockade könnte eine neue Front im Konflikt zwischen den USA und dem Iran eröffnen und die Gefahr für die weltweite Energieversorgung sowie für den Seehandel über die Golfregion hinaus erhöhen.

In einer Analyse der Denkfabrik Chatham House hieß es bereits im Mai 2026: "Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthis auf die Schifffahrt im Roten Meer zeigen, dass die maritime Unsicherheit zu einem zentralen Hindernis für Saudi-Arabiens Westorientierung werden wird und nicht nur eine Nebensache ist." Die Verlagerung der Handelsroute von der Straße von Hormus auf das "Tor der Tränen" stellte lediglich eine Verlagerung der Abhängigkeit von einer Meerenge auf eine andere dar.