Nations League: Wunderheilung vertagt - Griechenland bestraft Deutschlands Patzer
Stand: 27.09.2026 • 23:58 Uhr
Dass auch Jürgen Klopp kein Wunderheiler ist, hat Deutschland beim Heimdebüt des Bundestrainers schmerzhaft erfahren. Gegen Griechenland gab es im elften Duell zum ersten Mal eine Niederlage. Den Siegtreffer zum 1:0 (0:0) in der Nations League erzielte Dimitrios Kourbelis in der 74. Minute.
Klopp analysierte anschließend in der ARD: "Das Spiel darfst du nicht verlieren. Aber ein Problem war, dass wir bei langen Bällen nicht gut reagiert und gegen einen sehr tief stehenden Gegner zu wenig Lösungen gefunden haben. Unsere Spielweise war einfach nicht dominant genug. Aber wir haben sehr viele Informationen bekommen, an welchen Dingen wir jetzt mit der neu zusammengewürfelten Truppe arbeiteten müssen. Das Ergebnis ist nicht cool, aber wir werden uns weiterentwickeln."
DFB-Team fand keine Lücken
Abwehrchef Jonathan Tah gab kurz nach Schlusspfiff im Sportschau-Interview zu: "Wir haben einfach nicht gut genug die Räume genutzt, die uns die Griechen gegeben haben. Wir hatten mehrfach die Chance, klarer vorne in die Spitze reinzuspielen. Es ist klar, dass wir nach so einer Niederlage nicht happy sind, aber das können wir in den nächsten Spielen wieder besser machen. Am Mut hat es uns jedenfalls nicht gefehlt."
Auch Joshua Kimmich räumte ein: "Das war nicht gut von uns, wir haben zu statisch gespielt, waren zu wenig in Bewegung. Wir müssen uns jetzt generell überall verbessern."
Anders als beim 1:1 am vergangenen Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande begann das DFB-Team in Augsburg kontrollierter, setzte auf sicheres Passspiel, was aber in der Offensive zulasten von Tempo und Überraschungsmoment ging. Die Griechen, die ihr Auftaktspiel in Serbien in der Nachspielzeit mit 2:1 gewonnen hatten, setzten auf Konter über die schnellen Christos Tzolis und Konstantinos Karetsas. Wenn aber die Deutschen den Ball hatten, zogen sie sich in voller Sollstärke bis an und sogar tief in den eigenen Strafraum zurück, so dass es dem DFB-Team extrem schwer fiel, Lücken zu finden.
Drei Chancen binnen sechs Minuten
Richtig gute Torchancen ergaben sich zunächst gar nicht. Erst als die Deutschen nach 25 Minuten endlich das Tempo im Kombinationsspiel und die Passschärfe erhöhten, rückte der griechische Goalie Konstantinos Tzolakis zunehmend in den Mittelpunkt - binnen sechs Minuten ergaben sich drei gute Möglichkeiten zur Führung. Beim Volleyschuss von Younes Ebnoutalib und einem Alleingang von Karim Adeyemi musste er noch nicht eingreifen, weil beide das Ziel deutlich verfehlten. Adeyemis zweiter Versuch mit einem Vollspannschuss von der Strafraumgrenze war dann deutlich besser, doch den holte Tzolakis stark aus dem rechten Eck.
Was im ersten Durchgang hervorragend funktionierte, war die Rückwärtsbewegung des gesamten DFB-Teams. Der von Julian Nagelsmann anderthalb Jahre lang ignorierte Yann Aurel Bisseck, Stammspieler bei Inter Mailand, fügte sich glänzend in die deutsche Viererkette ein. Auch Josha Vagnoman hielt sich rechts hinten wacker gegen Arsenal-Stürmer Tzolis, links ließ Nathaniel Brown kaum etwas gegen den Neu-Dortmunder Karetsas zu. Für Alexander Nübel, der anstelle von Marc-André ter Stegen ins Tor rotiert war, gab es zunächst keine Gelegenheit, Pluspunkte zu sammeln.
Debütant Conté sammelt Pluspunkte
Das gelang aber Bambasé Conté. Der Elversberger Aufstiegsheld, der inzwischen für die TSG 1899 Hoffenheim spielt, zeigte ein vielversprechendes Debüt im DFB-Trikot. Gleich nach der Pause zeigte er die von Klopp vor dem Spiel in der ARD angesprochene Qualität in der Balleroberung, er suchte auch sofort den Abschluss und scheiterte nur knapp an Tzolakis. Der Schlussmann von Hull City war gleich danach nochmal gefordert, als er mit einer Klasseparade den direkten Freistoß von Kimmich aus dem linken Winkel boxte (53.).
Kimmich arbeitete viel als einziger echter Sechser, hatte aber auch einige ungewohnte Patzer auf Lager. Den krassesten in der 67. Minute hätte Griechenland eigentlich bestrafen müssen. Zentral vor dem eigenen Strafraum verlor der Kapitän leichtfertig den Ball an Vangelis Pavlidis, der sofort Fotis Ioannidis freispielte. Der Sporting-Stürmer schob den Ball an Nübel vorbei aufs linke Eck, verfehlte das Tor aber um wenige Zentimeter.
Kimmich fälscht Kourbelis-Schuss ab
Mit dieser Szene hatte Kimmich sein Glück aber offenbar aufgebraucht. Eine Viertelstunde vor Schluss ließ sich die deutsche Deckung mit einem simplen Flügelwechsel von Tzolis aushebeln, am Strafraum verhielt sich Felix Nmecha zu passiv, gleich drei Abwehrspieler zogen sich ängstlich zurück, statt Druck auf Kourbelis zu machen. Der durfte unbedrängt aus 18 Metern schießen, Kimmich fälschte den Ball beim Klärungsversuch unhaltbar für Nübel ins eigene Tor ab.
Danach bemühten sich die Deutschen zwar noch vehement um den Ausgleich, spielte sich aber keine echte Torchance mehr heraus. Die lang geschlagenen Bälle in die Spitze waren Geschenke für Keeper Tzolakis, auch die eingewechselten Florian Wirtz und Jonothan Burkardt konnten dem Spiel keine Wende mehr geben.
Noch zwei weitere Nations-League-Spiele
Die Deutschen haben bis zum 5. Spieltag der Bundesliga am zweiten Oktober-Wochenende noch zwei weitere Chancen, es deutlich besser zu machen: Am 1. Oktober geht es in München gegen Serbien, ehe das DFB-Team am 4. Oktober nach Griechenland reist. Anstoß ist jeweils 20.45 Uhr, beide Partien gibt es im Audio-Livestream und im Live-Ticker bei sportschau.de.