Neue Brücke in Niedersachsen über die Aller kostet 12 Millionen Euro – Behelfsbrücke allein 1,2 Millionen


Stand: 21.08.2026, 20:39 Uhr

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Zwei Personen stehen an einem Fluss und halten einen Plan in die Kamera.

Soll sich in der Optik den anderen neuen Aller-Überquerungen anpassen: Planerin Stephanie Weber und Bürgermeister Lutz Brockmann mit den Plänen für die neue Südbrücke. © Kracke

Die Stadt Verden will die marode Südbrücke über die Aller ab Mitte 2028 abreißen und neu bauen. Allein die provisorische Fußgänger- und Radfahrerbrücke während der Bauzeit verschlingt 1,2 Millionen Euro.

Verden – Die Stadt Verden steht vor einem nächsten Großprojekt, und das dürfte als das komplizierteste in die Geschichtsbücher eingehen. Dabei geht es um den Neubau der Südbrücke. Geplant ist der Start der Arbeiten bereits in rund anderthalb Jahren, ehe nach nur zwölf Monaten im Frühjahr 2029 die Einweihung über die Bühne gehen soll. Die Baukosten schätzt Bürgermeister Lutz Brockmann auf rund zwölf Millionen Euro, davon sollen mehr als sechs Millionen Euro aus Landes- und Bundesmitteln an die Aller fließen. Der Ausschuss für Straßen und Stadtgrün will sich mit dem Projekt in seiner Sitzung kommenden Mittwoch beschäftigen.

Rund 80 Meter lang, ungefähr doppelt so breit wie das bisherige Bauwerk, eine Optik mit blauen Stahlträgern wie an der Nordbrücke – das sind den bisherigen Planungen zufolge die Kerndaten für den Brückenbau. Hinzu kommen Nebengeräusche ungewöhnlichen Ausmaßes. Unter anderem soll eine Behelfsbrücke errichtet werden, auf der Radler und Fußgänger den Fluss während der Arbeiten überqueren können. „Allein diese Maßnahme wird rund 1,2 Millionen Euro kosten“, erklärte Brockmann im Rahmen einer Pressekonferenz mit Planerin Stephanie Weber vor Ort. „Wir haben ganz schön geschluckt.“

Teure Brückenbauten: Erste Bagger für neue Südbrücke sollen in 18 Monaten rollen

Ehe die ersten Bagger anrollen, dauert es zwar noch 18 Monate, dennoch ist der Zeitrahmen relativ eng gesteckt. Bevor die Arbeiten beginnen können, müssen weitere teils großflächige Maßnahmen noch abgearbeitet werden. Das beginnt mit dem Kreiselbau an der Ecke Wall/Grüne Straße, setzt sich fort mit dem Abriss des maroden Parkhauses an der Brückstraße und zieht sich bis ans andere Ende der Großen Straße. „Um das erhöhte Verkehrsaufkommen bewältigen zu können, das während der Bauarbeiten zu erwarten ist, packen wir auch den Nordertorkreisel an“, sagt Brockmann. An einen weiteren Bypass sei gedacht. Um die fehlenden Parkplätze auszugleichen, sollen neue Stellplätze auf dem Klusdamm, am Domherrenhaus und am Johanniswall vor dem Amtsgericht entstehen. Nach Abschluss des Brückenbaus soll ein neues Parkhaus an alter Stelle für 90 Fahrzeuge errichtet werden.

Die kommende Allerüberquerung erhält nach Vorbild der vor etwa zehn Jahren errichteten Flutbrücke zwei Fahrstreifen für den Autoverkehr. Die Ampel, die aktuell den Verkehr für die eine Spur regelt, kann ersatzlos entfernt werden. Beidseitig entsteht über das neue Bauwerk ein Geh- und Radweg mit jeweils 3,50 Metern Breite. Dieser Ausbaustandard soll sich bis zur Einmündung auf Reeperbahn und Untere Straße fortsetzen. Gleichzeitig soll der Aller-Ufer-Weg vom Allerpark zum Bollwerk unter der Brücke verlängert werden.

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Das Projekt kommt wegen der Aufweitung nicht ohne spürbare Eingriffe in die Natur aus. Die Stadtverwaltung geht von 61 Bäumen aus, teils hochgewachsen, die entfernt werden müssen. „Dafür werden 102 Bäume neu gepflanzt“, sagt Brockmann. „Darauf weisen wir ausdrücklich vorher hin. Nicht, dass kurz vor der Fällung irgendjemand behaupten kann, da werde willkürlich vorgegangen.“ Um den Erhalt jeden Baumes sei vorab gerungen worden. Die Kompensationsmaßnahmen kommen auf ein Volumen von mehr als 400.000 Euro. Als nächstes durchläuft das Projekt ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren, in dem jeder einzelne Punkt, vor allem auch der Naturschutz, zu erörtern ist. Mindestens ein Jahr ist dafür eingeplant.

Der Zustand der aktuellen Brücke löst bereits seit Jahren Sorgenfalten aus. Zuletzt war vor sieben Jahren eine Notinstandsetzung erfolgt, wie Weber erklärte. Damit konnte die Nutzungsdauer noch einmal verlängert werden. So langsam sei jetzt aber Schluss mit den Reparaturmöglichkeiten. Die Brücke hat eine insgesamt fast 150 Jahre alte Geschichte vorzuweisen. Im Jahr 1888 wurde ein erster Übergang eingeweiht. Teile davon sind noch heute im Unterbau auf der Stadtseite zu erkennen. Beseitigt werden sie nicht, sie dienen als Unterbau für den Aller-Ufer-Weg.

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ist ein erster Neubau erfolgt. Um die Schifffahrt nicht zu behindern, wurde die Brücke um einige Meter höhergelegt. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs war der Übergang dann vor den heranrückenden alliierten Streitkräften gesprengt worden, ehe anderthalb Jahrzehnte später ein nächster Neubau erfolgte. Nach fast 70 Jahren ist aber auch damit jetzt Schluss. Auf dem Gelände des alten Parkhauses und auf der Aller-Wiese zwischen den beiden Armen des Flusses entsteht die Baustelleneinrichtung.