74 Prozent in Umfrage! Zahlen im ZDF-Politbarometer erschüttern Rentenplan der Merz-Regierung


Stand: 25.10.2026, 21:35 Uhr

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Friedrich Merz (l.) und Alexander Schweitzer (Aufnahme vom Dezember 2025)

Friedrich Merz (l.) und Alexander Schweitzer (Archiv) © RALF HIRSCHBERGER/AFP

Drei Viertel der Bürger sind gegen das Aus der Rente mit 63. Das aktuelle ZDF-Politbarometer zeigt den massiven Widerstand gegen die Regierungspläne.

Die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung zur Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren stoßen in der Bevölkerung auf breite Ablehnung. Laut dem aktuellen ZDF-Politbarometer sprechen sich knapp drei Viertel der Befragten (74 Prozent) gegen das Aus der landläufig als „Rente mit 63“ bezeichneten Regelung aus. Lediglich 21 Prozent befürworten eine Streichung. Für die repräsentative Erhebung befragte die Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 20. und 22. Oktober insgesamt 1.225 Wahlberechtigte telefonisch und online.

Gleichzeitig zeigen die Umfrageergebnisse die Ambivalenz in der Bevölkerung: Obwohl die Bürger an der Frührente festhalten möchten, stufen 83 Prozent eine grundlegende Reform zur Stabilisierung der Rentenfinanzen als wichtig oder sehr wichtig ein. Nur für zwölf Prozent hat eine Reform geringe oder keine Priorität. Zudem empfinden laut der Erhebung 71 Prozent der Befragten, dass die derzeitige Rentenpolitik zu stark zu Lasten der jüngeren Generation gehe.

„Rente mit 63“ vor dem Aus? Ost-CDU und SPD lehnen Reformpläne ab

Die Streichung der Frührente ohne Abschläge – die schrittweise angehoben wurde und für den Jahrgang 1961 faktisch bei 64,5 Jahren liegt – geht auf einen Vorschlag der Rentenkommission zurück. Bundeskanzler Friedrich Merz und die ehemalige Arbeitsministerin Bärbel Bas hatten im Sommer angekündigt, das Maßnahmenpaket der Kommission als „Gesamtkunstwerk“ umsetzen zu wollen. Der neue Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer zeigte sich kooperativ und strebt im Streit über die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren einen „guten Kompromiss“ an, wie er verkündete.

In der Koalition und den Bundesländern formiert sich jedoch deutlicher Widerstand: Neben SPD-Aktueren wie Manuela Schwesig protestierten im Sommer vor allem die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) gegen die Pläne der Bundes-CDU. Sie argumentieren, dass die Rente mit 63 ein unverzichtbares Versprechen für Arbeitnehmer mit langen, körperlich fordernden Erwerbsbiografien und geringen privaten Vermögenswerten sei. Eine Streichung würde das Vertrauen in den Sozialstaat nachhaltig beschädigen.

Kompromisslinien in der Diskussion

Gewerkschaften wie der DGB und Sozialverbände pochen ebenfalls auf den Vertrauensschutz und verweisen auf die erbrachte Lebensleistung nach mehr als vier Jahrzehnten Beitragszahlung. Angesichts der breiten Ablehnung in der Bevölkerung und der politischen Differenzen wird in Koalitionskreisen bereits über Kompromissmodelle beraten: Diskutiert werden unter anderem eine Anhebung auf 46 oder 47 Beitragsjahre sowie gezielte Härtefallregelungen für Beschäftigte in körperlich schweren Berufen. Ob die Rentenreform noch 2026 verabschiedet wird, ist mehr als fraglich. (mke)