„Wird in Zukunft noch mehr davon geben“: Experten warnen nach neuem Felssturz in den Dolomiten eindringlich


Stand: 22.08.2026, 15:55 Uhr

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Der Permafrost taut auf, die Wände brechen ab – Experten erklären, warum die Dolomiten in diesem Sommer so gefährlich sind wie lange nicht mehr.

Bozen – Ein Knall, dann eine riesige Staubwolke – und Felsbrocken, die den Berghang hinunterprasseln. Was am Samstagmorgen (22. August 2026) kurz vor neun Uhr am Passo San Pellegrino zu beobachten war, ist in diesem Sommer kein Einzelfall mehr: Am Gronton, einem Massiv an der Grenze zwischen den Provinzen Trento und Belluno, hat sich ein weiterer großer Felssturz ereignet. Laut Il Dolomiti war es bereits der zweite Abgang an derselben Stelle innerhalb von drei Wochen.

Ein Screenshot eines Felssturzes in den Dolomiten.

Ein Screenshot eines Felssturzes in den Dolomiten. © Screenshot Il Dolomiti

Der neue Abgang steht für einen beunruhigenden Trend: Die Dolomiten sind in diesem Sommer so instabil wie selten zuvor. Geologe Vittorio Fenti, Träger des Dolomiti-Unesco-Preises Pelmo d‘Oro, erklärt gegenüber Il Gazzettino, warum: „Wo dieser Kitt fehlt, entsteht Instabilität.“ Gemeint ist der Permafrost – der dauerhaft gefrorene Untergrund, der das Gestein zusammenhält. Dieser taut durch die Rekordhitze dieses Sommers auf, und zwar bis tief ins Innere der Felswände. Das Ergebnis: Die Wände verlieren ihren Halt und brechen ab. Für Fenti ist das keine Überraschung: „Das sind Phänomene, mit denen wir leben lernen müssen – auch weil es in Zukunft noch mehr davon geben wird.“

Monte Pelmo: Fünf Felsstürze in fünf Tagen

Der ARPAV-Wetterbericht für Juli 2026 liefert die Zahlen dazu: Die Temperaturen in Venetien lagen im Juni mehr als drei Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020, im Juli stieg die Nullgradgrenze auf über 4.000 Meter. Laut Il Dolomiti hat die Hitze „die Schmelze des Winterschnees, der Gletscher und den Zerfall des Permafrost in großen Höhen beschleunigt.“

Besonders dramatisch zeigte sich die Lage am Monte Pelmo bei Borca di Cadore im Bellunese. Zwischen dem 8. und dem 13. August donnerten dort fünf Felsstürze in die Tiefe – zwei davon innerhalb von 24 Stunden. Bürgermeister Luca Olivotto sperrte den Nordwesthang per Verfügung, ließ sich selbst mit dem Feuerwehrhubschrauber über das Ausmaß der Schäden informieren und sagte laut Corriere del Veneto nüchtern: „Dieser letzte Felssturz war sehr gewaltig – aber wir haben ihn erwartet.“

Wer die umliegenden Berghütten erreichen wollte, musste wegen der Sperrung den offiziellen Umgehungsweg CAI 480 Flaibani nehmen. Der CAI-Wissenschaftsausschuss hatte bereits am 25. Juli öffentlich gewarnt und Wanderer aufgerufen, Routen entlang steinschlaggefährdeter Wände mit besonderer Vorsicht zu bewerten, wie Mountainblog berichtete.
(Quellen: Il Dolomiti, Il Gazzettino, Corriere del Veneto, Mountainblog) (cgsc)