Steuerfreie Zuschläge nur für Tarifbeschäftigte: Steuerzahlerbund nennt Pläne „willkürlich und ungerecht“


Nicht jeder profitiert: Schwarz-Rot plant Steuerbonus – Kritiker nennen Pläne „willkürlich und ungerecht“

Stand: 02.09.2026, 13:52 Uhr

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Steuerfreie Zuschläge sollen die Wirtschaft ankurbeln. Die Kritik an den Plänen: Mehr als 20 Millionen Beschäftigte ohne Tarifvertrag gingen leer aus.

Berlin – „Willkürlich und ungerecht“: Mit diesen Worten hat der Bund der Steuerzahler die neuesten Pläne der Bundesregierung im Gespräch mit der Bild kritisiert. Wie die Bild erfahren hat, plant Schwarz-Rot wohl steuerfreie Zuschläge – allerdings nicht für Beschäftigte ohne Tarifvertrag.

Sonn- und Feiertagszuschläge: die Pläne im Detail

Nach Informationen der Bild-Zeitung sieht der Entwurf des Einkommensteuerreformgesetzes vor, dass Sonntagszuschläge künftig bis zu 37,50 Euro pro Stunde und Feiertagszuschläge bis zu 93,75 Euro steuerfrei bleiben. Für Arbeit an Weihnachten liege die geplante Grenze bei 112,50 Euro. Der Nachtzuschlag solle unverändert bei 12,50 Euro verharren, und vor allem: Die Befreiung von den Sozialabgaben soll exklusiv für Betriebe mit Tarifvertrag gelten.

Damit blieben laut Statistischem Bundesamt über 20 Millionen Beschäftigte ohne Tarifbindung von diesem Abgabenvorteil ausgeschlossen. Für den Bund der Steuerzahler ist das eine verfehlte Regelung, da die erbrachte Arbeitsleistung dieselbe sei.

Lars Klingbeil und Friedrich Merz, Klausurtagung des Bundeskabinetts in Schloss Neuhardenberg (26. August 2026)

Wollen zu Mehrarbeit motivieren, nur wie? Lars Klingbeil und Friedrich Merz © Kay Nietfeld/dpa

Steuerfreie Zuschläge: Symbolpolitik statt Arbeitsanreiz?

Doch die ökonomische Debatte dreht sich längst um eine grundlegendere Frage: Wie lässt sich das Arbeitsvolumen in Zeiten von demografischem Wandel und Fachkräftemangel steigern? Die bisherigen Vorschläge aus Politik und Wirtschaft reichen von Steueranreizen bis zu Einschnitten bei Urlaubs- und Teilzeitrechten – stoßen bei Fachleuten jedoch auf entschiedene Ablehnung.

Die Idee, Mehrarbeit und Zuschläge steuerlich zu entlasten, ist Teil der Strategie der Koalition. Politiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz oder Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fordern seit Längerem, den Schwerpunkt wieder auf Vollzeitarbeit zu legen. Doch Analysen zeigen, dass finanzielle Anreize das Kernproblem verfehlen:

Derzeit arbeiten rund 35 Prozent der Frauen in Deutschland in Teilzeit; bei Müttern mit Kindern unter zwölf Jahren sind es fast 70 Prozent. Umfragen belegen jedoch, dass etwa die Hälfte dieser Frauen ihre Arbeitszeit gerne aufstocken würde. Dem Arbeitsmarkt entgehen dadurch rechnerisch die Kapazitäten von etwa 840.000 Vollzeitstellen – eine Zahl, die den aktuellen Fachkräftemangel ausgleichen könnte.

Mehr steuerfreie Zuschläge – Maßnahme ohne große Wirkung?

Wirtschaftsdienst.eu und Focus Online kommen zum selben Schluss: Der Schlüssel für mehr Arbeitsstunden liegt nicht in komplexen steuerlichen Ausnahmen, deren bürokratischer Aufwand den Nutzen übersteigt.

Um die Erwerbsneigung nachhaltig zu steigern, braucht es nach Meinung von Experten verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu zählen vor allem flächendeckende, kostenfreie Kita- und Ganztagsschulplätze sowie flexible Arbeitszeitmodelle, die Familie und Beruf vereinen. Steuerfreie Zuschläge allein blieben so nur eine teure Maßnahme ohne große Wirkung. (Quellen: Bild, Focus Online, wirtschaftsdienst.eu, Ifo-Institut) (frs)