Niederländische Werftengruppe: Damen hat nicht nur mit der Fregatte F126 ein Problem


Vor zweieinhalb Wochen empfing der Schiffsbaukonzern Damen prominenten Besuch in einer seiner beiden Amsterdamer Reparaturwerften: Die Batavia traf ein, genauer gesagt eine Nachbildung dieses berühmten Segelschiffs aus dem 17. Jahrhundert. Die Original-Batavia war für die Handelsgesellschaft VOC unterwegs gewesen, also die Vereenigde Oostindische Compagnie, die für die damalige Weltmacht das Geschäft mit Asien betrieb. 1628 in Amsterdam fertiggestellt, havarierte das Schiff im Jahr darauf vor der Westküste Australiens.

Die Rekonstruktion der Batavia wurde 1995 in ebendieser Amsterdamer Damen-Werft im Dock 4 zu Wasser gelassen. Sie dient seitdem in Lelystad mehr als 40 Kilometer nordöstlich Amsterdams als Monument des Handwerks und als Touristenattraktion. Nun aber muss das Schiff gründlich überholt werden und geht dauerhaft an Land. Dafür reiste die nachgebaute Batavia im September nochmals nach Amsterdam und bekam im selben Trockendock 4 eine eigens angefertigte Stützkonstruktion. Mit dieser Haltevorrichtung ist sie – wieder zurück in Lelystad – dieser Tage an Land gebracht worden.

Glück mit der Historie, Pech mit der Gegenwart

Für Damen war es eine prestigeträchtige Hilfsaktion. In anderen und größeren Projekten hat die Werftgruppe weniger Glück. In Deutschland ist sie in den vergangenen Monaten durch den Streit mit der Bundesregierung bekannt geworden: Das Tochterunternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS) hatte 2020 als Generalunternehmer den Auftrag bekommen, für den Bund vier Fregatten F126 zu bauen; später kamen zwei weitere als Option hinzu. Doch dieses Jahr machte das Verteidigungsministerium einen Rückzieher. Als Gründe nannte es, Damen könne nicht zum vereinbarten Termin und zu angemessenen Kosten liefern. Stattdessen soll nun die Kieler Werftengruppe TKMS, vormals Thyssenkrupp Marine Systems, Fregatten liefern; der Verteidigungsausschuss hat gerade die Beschaffung weiterer Schiffe in Auftrag gegeben.

Damen wertet das als „Vertragsbruch“ und beansprucht für sich und seine Partner Milliarden Euro an Zahlungen für vertraglich verabredete Leistungen. Der Auftraggeber habe selbst Verzögerungen verursacht oder zu verantworten. Mehr noch: Der Bund habe das Projekt im Juni 2024 bestätigt, obwohl bekannt war, dass die vereinbarte Zeitschiene definitiv nicht haltbar sein würde und weitere „objektive Verzögerungsrisiken“ kommuniziert waren.  „Die Kehrtwende des öffentlichen Auftraggebers war erkennbar politisch motiviert. Zu keinem Zeitpunkt lag ein zum Rücktritt berechtigender Grund vor“, sagt Peter Gauweiler, der frühere CSU-Politiker, der als Anwalt die Interessen von Damen vertritt und damit auch jene vieler deutscher Unternehmen, die mit der F126 befasst waren, sei es durch Lieferungen oder durch das Freihalten von Kapazitäten.

Nächstes Jahr großes Jubiläum

Damen ist ein Familienunternehmen und feiert im kommenden Jahr sein hundertjähriges Bestehen. Zum Konzern gehört eine Reihe von Werftgesellschaften, die sowohl militärische als auch zivile Wasserfahrzeuge bauen: Fähren und Yachten, Schlepper und Nassbagger. Die Reparatur- und Wartungswerften kümmern sich auch um Kreuzfahrtschiffe, im vergangenen Jahr etwa um die Disney Dream und die Disney Fantasy. Mehr als 12.500 Beschäftigte arbeiten an Dutzenden Standorten in 20 Ländern, davon zwei in Deutschland. Die 23 Standorte im Heimatmarkt sind über den ganzen Westen des Landes verteilt, von der Zentrale in Gorinchem über die beiden Amsterdamer Reparaturwerften bis zum Standort Vlissingen mit der Sparte Damen Naval, zu der auch DSNS gehört. Damen bezeichnet standardisierte und modulare Bauteile als einen Faktor für den Geschäftserfolg.

Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen 160 Schiffe aus, davon mehr als die Hälfte Schlepper. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 3,25 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zog leicht überproportional an – nämlich um etwa zehn Prozent auf 185 Millionen Euro – und der Nettogewinn um fünf Prozent auf gut 61 Millionen Euro. Als Damen im März die Zahlen veröffentlichte, gab es den Wert des Auftragsbestands mit 10,2 Milliarden Euro an. Möglicherweise waren die Order für die F126 damals schon herausgerechnet; das Unternehmen lässt das auf Anfrage offen. Neu in die Bücher kamen 2025 Order im Wert von zusammen 3,1 Milliarden Euro, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Der Risikobericht in dem Dokument führt an, dass im Dezember vergangenen Jahres die niederländischen Steuerbehörden Damens Büros besuchten. Der Verdacht: mutmaßliche Verletzung von Sanktionen wegen Lieferungen von Komponenten nach Russland.

Zunächst richtet sich der Blick aber auf Belgien, denn auch von dort droht Ungemach. Vor geraumer Zeit stellte sich heraus, dass die dortige Regierung erwägt, ähnlich wie Berlin einen Auftrag zu stornieren. Die Marine Belgiens und der Niederlande sind stark miteinander verbunden, beide Länder hatten sechs Fregatten bestellt, Belgien davon zwei. Das Verteidigungsministerium sieht die Lieferung als verspätet und zu teuer an. Nach Informationen des belgischen Rundfunksenders VRT sondiert es nun Alternativen für Fregatten, namentlich in Italien. Damen äußert sich dazu auf Anfrage nicht.