Niger: Ministerium spricht von Meuterei gegen Militärjunta
Online seit heute, 18.10 Uhr
In Niger hat eine Gruppe von Soldaten gegen die Militärjunta gemeutert. Das teilte das Verteidigungsministerium im staatlichen TV mit. Die Aufständischen hätten zunächst ihre Kameraden innerhalb eines Stützpunkts auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Niamey festgesetzt, hieß es. Danach hätten sie weitere strategische Punkte in Niamey angegriffen. Der Aufstand sei jedoch eingedämmt und die Kontrolle schrittweise wiedererlangt worden, so das Ministerium.
Unklare Lage
Allerdings befanden sich Sicherheitskreisen zufolge nach wie vor Aufständische im Bereich des internationalen Flughafens, und auch insgesamt blieb die Situation unklar. Zuvor hatten die meuternden Soldaten den Flughafen und zeitweise das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders eingenommen.
Auch Soldaten von außerhalb der Hauptstadt seien an den Angriffen beteiligt gewesen, berichtete ein hochrangiges Mitglied des Militärs, das anonym bleiben wollte, der dpa. Nationale Sicherheitskräfte hätten demzufolge den Präsidentenpalast verteidigen können.
In der Nacht auf heute war es zu Schüssen und Explosionen in der Hauptstadt gekommen. Einem Reporter der dpa zufolge begannen die Unruhen gegen 1.00 Uhr Ortszeit (2.00 Uhr MESZ) und dauerten etwa sechs Stunden an. In mehreren Teilen Niameys war die Stromversorgung unterbrochen worden.
Unruhen als Belastungsprobe für Tiani
Die Unruhen sind eine schwere Belastungsprobe für die Führung von Abdourahamane Tiani, der sich im Juli 2023 an die Macht geputscht hatte. Er wurde mittlerweile ohne Wahlen bis mindestens 2030 zum neuen Präsidenten erklärt.
Tiani hatte versprochen, die Sicherheitslage in dem westafrikanischen Land zu verbessern. Dennoch kommt es in Niger sowie in den Nachbarstaaten Mali und Burkina Faso weiterhin zu Angriffen von Extremisten, die mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bzw. al-Kaida verbunden sind. Erst im Juni hatte eine mit al-Kaida verbundene bewaffnete Gruppe den zivilen Flughafen und einen Luftwaffenstützpunkt in Niamey attackiert.
Engere Zusammenarbeit mit Russland
Seit dem Machtwechsel hat sich die Regierung in Niamey von westlichen Partnern abgewandt und arbeitet enger mit Russland zusammen. So sind etwa auf der an den internationalen Flughafen angrenzenden Luftwaffenbasis russische Söldner untergebracht.
Der großteils in der Wüste gelegene Binnenstaat Niger hat rund 28 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und ist eines der ärmsten Länder der Welt.