Niger schlägt Putsch nieder – mit russischer Hilfe


Meuternde Soldaten versuchten in der Nacht auf Samstag in der Hauptstadt Niamey die Macht zu übernehmen. Ein Grund für den Unmut gegen das Militärregime könnten die Verluste der Armee im Kampf gegen islamistische Terroristen sein.

Birte Mensing, Nairobi30.08.2026, 16.11 Uhr

3 Leseminuten


General Abdourahamane Tchiani putschte sich 2023 mithilfe seiner Anhänger selbst an die Macht.

General Abdourahamane Tchiani putschte sich 2023 mithilfe seiner Anhänger selbst an die Macht.

Issifou Djibo / EPA

Schüsse und Explosionen hielten Nigers Hauptstadt Niamey in der Nacht von Freitag auf Samstag wach. Wie sich im Laufe des Samstags herausstellte, hatten junge Offiziere versucht, Kollegen in Gewahrsam zu nehmen, und zeitgleich mehrere heikle Punkte in der Hauptstadt angegriffen: den Flughafen, den Präsidentenpalast, den staatlichen Fernsehsender und mehrere militärische Einrichtungen.

Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.

Bitte passen Sie die Einstellungen an.

Am Samstagmittag erklärte das Verteidigungsministerium, die Lage unter Kontrolle zu haben, bis zum Abend waren mehrere Dutzend meuternde Soldaten verhaftet worden. Mehrere sollen mit ihrem Leben für den Aufstand bezahlt haben.

Russisches Afrika-Korps stützt die Junta

Eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Aufstands sollen in Niamey stationierte Soldaten des russischen Afrika-Korps gespielt haben. Niger wird bereits seit Ende Juli 2023 von einer Militärregierung regiert, die sich damals selbst an die Macht putschte. General Abdourahamane Tchiani, 62 Jahre alt, entmachtete den gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum, der bis heute mit seiner Frau in einem Appartement im Präsidentenpalast unter Hausarrest steht.

Damals prangerte die Junta die schlechte Sicherheitslage und kaum Fortschritte im Kampf gegen den islamistischen Terror an und rechtfertigte so die Machtübernahme durch das Militär. Doch an der Lage hat sich seitdem wenig geändert. Im Gegenteil: Die Armee erleidet grosse Verluste im Kampf gegen die Terroristen. Angeblich soll dies einer der Gründe für den Aufstand gewesen sein.

Im Juli töteten Terroristen des Islamischen Staats im Sahel, im Süden des Landes, beispielsweise 16 Soldaten, Dutzende wurden verletzt. Auch in den Nachbarländern Mali und Burkina Faso regiert das Militär. Gemeinsam haben sich die drei Staaten 2025 zur Allianz der Sahelstaaten zusammengeschlossen. Ein Angriff auf die Regierung in Niger sei ein Angriff auf sie alle, erklärte der Militärführer Ibrahim Traoré aus Burkina Faso am Samstagabend, der Vorsitzende der Sahelallianz.

Zentrum der Kämpfe in der Hauptstadt war offenbar der Luftwaffenstützpunkt 101, angrenzend an den Flughafen. Gebaut wurde dieser von den USA. Heute sind dort unter anderem regionale und russische Truppen stationiert. Sowohl Frankreich als auch die USA hatten in der Region jahrelang Truppen stationiert und etliche Projekte zur Entwicklungshilfe verfolgt, um im Kampf gegen den Terror zu helfen.

Interesse an Uranvorkommen

Doch die Putschisten in der Region fanden auch dank ihrer antiimperialen Rhetorik Rückhalt in der Gesellschaft. Russland trat und tritt als neuer zentraler Partner auf. Das russische Engagement in der Region steht, wie zuvor auch das der westlichen Akteure, im Zusammenhang mit dem Interesse an wertvollen Rohstoffen in der Region. Niger war bis vor dem Putsch einer der zehn grössten Exporteure von Uran weltweit.

Die Junta in Niger hatte nach dem Putsch 2023 mehrere Minen verstaatlicht und französischen Firmen die Lizenzen entzogen. Im Dezember 2025 unterzeichnete die staatliche Urangesellschaft Nigers eine Kooperationsvereinbarung mit Uranium One, einem Unternehmen der russischen Rosatom-Gruppe. Diese umfasst Genehmigungen, geologische Erkundungen und die spätere Errichtung neuer Betriebe zum Uranabbau. Angeblich lagern seit Monaten etwa 1000 Tonnen Urankonzentrat am Flughafen.

Das nigrische Militärkommando habe dem russischen Afrika-Korps für dessen Unterstützung bei der Niederschlagung der Meuterei in Niamey gedankt, erklärte der russische Botschafter in Niger, Viktor Woropajew, gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.

«Tatsächlich besteht heute eine wachsende Sicherheitsabhängigkeit von Russland», erklärte der Friedens- und Konfliktforscher Bakary Sambe im Interview mit dem französischen Sender RFI. Das Afrika-Korps ist 2024 in die Fussstapfen der russischen Wagner-Söldner getreten und untersteht dem russischen Verteidigungsministerium.

In Niamey sind etwa 100 Soldaten des sogenannten Afrika-Korps stationiert, die von dort aus auch in Mali und Burkina Faso gemeinsame Einsätze mit den lokalen Streitkräften koordinieren. Ihnen wird immer wieder die Beteiligung an Massakern gegen die Zivilbevölkerung vorgeworfen. Jüngst warf Human Rights Watch den russischen Soldaten vor, im Juli in einem malischen Dorf mindestens neun Menschen getötet zu haben, unter ihnen mehrere Kinder.

Die Lage in Niamey scheint sich vorerst beruhigt zu haben. Aber ob der Unmut in den Reihen der Armee in Niger tatsächlich unter Kontrolle ist oder auf tiefergehende Risse in der Militärjunta hindeute, bleibe offen, erklärte Bakary Sambe. «Zum ersten Mal seit dem Putsch von 2023 kam die Bedrohung nicht von aussen, nicht von Jihadisten, sondern aus den eigenen Reihen.»

Passend zum Artikel

Die Machtübernahme durch eine Militärjunta gefährdet westliche politische, aber auch wirtschaftliche Interessen: Niger ist unter französischer Ägide zum siebtgrössten Uranproduzenten weltweit geworden. Das eigentliche Zentrum des Uranbergbaus liegt jedoch in Zentralasien.

Der Coup in Niger erfolgt vor dem Hintergrund zahlreicher Missstände. Im Land mit der jüngsten Bevölkerung der Welt sind die Jungen ohne Perspektive und von der Demokratie enttäuscht. Ob die Junta an den Problemen etwas ändern kann, ist fraglich.