„Ungerechtfertigter Notruf“: Italien schickt jetzt saftige 4000-Euro-Rechnungen für Hubschraubereinsatz
Notruf ohne Grund? Italien lässt Wanderer künftig zur Kasse bitten
Stand: 24.08.2026, 14:27 Uhr
Kommentare
Italien verschärft seine Regeln für Rettungsaktionen. Für Urlauber kann ein Hubschraubereinsatz im Gebirge schnell ein finanzielles Nachspiel haben.
München – Im Notfall zählt jede Sekunde. Doch damit die Bergretter der italienischen Guardia di Finanza ihre Ressourcen für echte Lebensgefahr freihalten können, gelten seit August 2026 knallharte neue Regeln. Die Rettung hat laut der Guardia di Finanza stets Vorrang. Doch bei unberechtigten Rettungseinsätzen flattert eine Rechnung mit den Kosten ins Haus.

Die Kosten für eine Luftrettung in Italien sind seit August 2026 happig. Das zeigt ein Blick in die neue Gebührenverordnung (veröffentlicht im Amtsblatt Gazzetta Ufficiale):
- Hubschrauber-Einsatz: Pro Stunde werden allein für einen mittleren zweimotorigen Heli über 4180 Euro fällig.
- Personalkosten: Pro Einsatzkraft kommen 30 bis 70 Euro pro Stunde dazu.
- Material: Treibstoffkosten und Ausrüstung werden kilometergenau abgerechnet.
Die neue Regel gilt für alle Such-, Rettungs- und Bergungseinsätze der Behörde – im Gebirge, auf dem Wasser und in schwer zugänglichem Gelände.
Italien verschärft Regeln für Rettungsaktionen: 4000 Euro für ungerechtfertigten Hubschraubereinsatz
„Wer sich in einer Gefahrensituation befindet oder konkret um die Unversehrtheit einer anderen Person fürchtet, muss weiterhin ohne zu zögern Hilfe anfordern“, teilte die italienische Finanzbehörde mit. Erst nach dem Einsatz „werden die Umstände, die zum Eingriff geführt haben, rekonstruiert und bewertet.“
Wer ohne triftigen Grund Rettungsmaßnahmen auslöst, müsse dann unter Umständen die Kosten tragen. Die italienische Finanzbehörde formuliert die Fälle so:
- „Wer vorsätzlich oder durch grob fahrlässiges Verhalten eine Situation verursacht, die eine Rettung erfordert, haftet für die Kosten.“
- „Der gleiche Grundsatz gilt auch für diejenigen, die ohne wirklichen Bedarf oder ohne gerechtfertigten Grund um Hilfe bitten.“
Einsätze könnten viele Stunden dauern und einen erheblichen Personal- und Ressourceneinsatz erfordern. „Ein unberechtigter Notruf bleibt daher nicht ohne Folgen: Er kann Ressourcen binden, die möglicherweise benötigt werden, um jemanden zu retten, der sich tatsächlich in Gefahr befindet.“ Ziel der Behörde sei es eigenen Angaben zufolge, „unbedachte oder grundlose Anfragen“ zu verhindern. Sonst sollte jedoch jeder bei einem alpinen Notfall die Notrufnummer 112 wählen.
Bergrettung mit Helikopter – Einsätze können auch in Deutschland teuer sein
Die gesetzliche Krankenversicherung deckt Hubschraubereinsätze in der Regel nur bei einer medizinisch notwendigen Rettung ab. Im Ausland, in Österreich und in Italien ist die Bergrettung häufig privat zu zahlen. Bergunfälle mit einem Hubschraubereinsatz kosten laut dem Deutschen Alpenverein (DAV) zwischen 3000 und 5000 Euro. Ohne eine Zusatzversicherung oder eine private Unfallversicherung können Such-, Rettungs- und Bergungskosten schnell eine finanzielle Belastung werden.
„Im Einzelfall wird immer evaluiert, ob ein Notfall vorliegt, wenn beispielsweise jemand erschöpft ist und seine Tour abbrechen muss“, sagt eine Sprecherin des Deutschen Alpenvereins München und Oberland in München auf Anfrage von tz.de von Ippen.Media. „Der Faktor Eigenverschulden ist da auch ein Thema, wenn sich jemand beispielsweise auf eine Tour überhaupt nicht vorbereitet hat oder in einer Sperrzone unterwegs ist.“
Die DAV-Sprecherin warnt eindringlich jeden, auch mit Versicherungsschutz „auf Glück loszugehen“. Gerade die Berge seien ein Bereich, wo man sich gut vorbereiten und planen müsse. Und selbst dann gäbe es immer ein eigenes Risiko. (Quellen: Guardia di Finanza, Gazzetta Ufficiale, La Repubblica, Bergwacht Bayern) (ml)