NRW-AfD in der Krise: Tumult, Protest und Massenabgang beim „Parteitag der Schande“


Stand: 17.07.2026, 13:13 Uhr

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Der Machtkampf eskaliert: Beim Parteitag der nordrhein-westfälischen AfD in Marl ist es zu Beschimpfungen und Tumulten gekommen.

Marl – Der Wahlparteitag der nordrhein-westfälischen AfD ist von massiven innerparteilichen Auseinandersetzungen überschattet worden. Beim Treffen in Marl kam es zu lautstarken Konfrontationen und heftigen Zwischenfällen – ein Antrag auf Abbruch der Veranstaltung scheiterte jedoch an fehlender Unterstützung, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Der nordrhein-westfälische AfD-Chef Martin Vincentz benannte zahlreiche Kandidaten aus den eigenen Reihen.

Der nordrhein-westfälische AfD-Chef Martin Vincentz benannte zahlreiche Kandidaten aus den eigenen Reihen. © Henning Kaiser/dpa

Nachdem die Delegierten mit deutlicher Mehrheit für die Fortsetzung des Parteitags gestimmt hatten, zog das Lager rund um Bundesvorsitzende Alice Weidel die Konsequenzen: Zahlreiche Anhänger verließen unter Protest den Saal. Damit gaben sie ihren Einfluss auf die weitere Kandidatenaufstellung für die NRW-Landtagswahl im kommenden Jahr auf. Landesvorsitzender Martin Vincentz nutzte die Situation. Er trat wiederholt ans Mikrofon und benannte Kandidaten aus den eigenen Reihen – bis Listenplatz 34 stehen diese nun ohne Gegenkandidaten zur Wahl.

Machtkampf zwischen innerparteilichen Lagern eskalierte

Begonnen hatte der Wahlparteitag bereits am vergangenen Wochenende. Doch der Machtkampf zwischen den beiden innerparteilichen Lagern eskalierte schnell. Eine Gruppe unter dem Namen „Operation Filibuster“ nominierte mehr als 90 Kandidaten allein für Listenplatz 22 – offenbar mit dem Ziel, den Ablauf gezielt zu blockieren. Vincentz bezeichnete dieses Vorgehen als „Sabotage“.

Zuvor hatte die AfD-Bundesspitze den Landesvorstand um Vincentz aufgefordert, die Listenaufstellung zu stoppen und von vorn zu beginnen. Stellvertretender Landesvorsitzender Christian Zaum brachte diesen Antrag auf dem Parteitag in Marl offiziell ein. Er bezeichnete die Veranstaltung dabei als „Parteitag der Schande“. Vincentz widersprach entschieden. Ein Abbruch könne schwerwiegende Folgen für die Partei bei der Landtagswahl haben. Er plädierte für die Weiterführung des Parteitags und erklärte: „Selbst für den Fall, dass mich das meinen Kopf als Landessprecher kostet.“

Die Delegierten folgten Vincentz. Nicht nur der Abbruchantrag fand keine Mehrheit – auch ein Kompromissvorschlag, die Kandidatenwahl erst am Samstag fortzusetzen, wurde abgelehnt. Das Lager der Weidel-Anhänger hatte damit keine Handhabe mehr und verließ den Saal.