Ochse Otto knackt Streckenrekord – ohne Reiterin im Ziel


Stand: 11.10.2026, 18:00 Uhr

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Mit vollem Einsatz: Siegerochse Wasti und sein Reiter Stefan Knauer beim traditionellen Ochsenrennen auf der Ayinger Bräukirta.

Mit ganzem Einsatz: Siegerochse Wasti und sein Reiter Stefan Knauer beim traditionellen Ochsenrennen auf dem Ayinger Bräukirta. © SBH

Beim Ochsenrennen in Aying trotzten rund tausend Zuschauer dem Dauerregen. Am Ende gewann Stefan Knauer mit Ochse Wastl das Finale.

Aying – Zunächst schaute es nach Absage aus, der Himmel ganz verhangen, Dauerregen. Nach und nach versammelt sich dann doch zahlreiche Zuschauer an der Strecke. Die Ayinger Burschen schätzen, dass rund tausend Menschen den Weg aus dem warmen Bierzelt zur Rennbahn gefunden haben, und fällen den Entschluss, die Ochsen laufen zu lassen. „Die sind schon ganz heiß drauf“, sagt Leonhard Huber aus Isen im Landkreis Erding. Er spürt die Wettkampflust bei den Tieren. Der 32-Jährige zieht seit vielen Jahren Rennochsen groß, kümmert sich um die Tiere daheim und ist als Fachmann bei Rennen in ganz Bayern im Einsatz. „Wir sind Veranstalter und Organisatoren, Leonhard ist quasi der Ochsenkoordinator“, erklärt Anian Maierhofer, Erster Vorstand des Burschenvereins Aying.

Viele Frauen unter den Teilnehmern

Die zahlreichen Zuschauer vor der Absperrung: Die Rennstrecke für das Ochsenrennen ist gut gesichert.

Mitfiebern unterm Regenschirm: Die zahlreichen Zuschauer verfolgen das Rennen beim Ayinger Bräu-Kirta gespannt hinter der Absperrung. Die Rennstrecke für das Ochsenrennen ist gut gesichert. © SBH

Die Ochsen warten noch in den Boxen. Heu, Wasser und ausgiebige Streicheleinheiten der Reiter verkürzen den Rindern die Wartezeit auf den Start. „Ich kenne den Doni schon von klein auf“, erzählt „Jockey“ Susi Mohr über ihren tonnenschweren Schützling. Dreieinhalb Jahre alt ist das schwarzbunte Rind von Leonhard Huber und noch nicht ausgewachsen. Ochsenreiten? Ein Kinderspiel, findet Susi, die normalerweise junge Islandpferde einreitet. „Die sind viel störrischer.“ Überhaupt: Viele Frauen sitzen heute auf den Rücken der Ochsen, unter ihnen Lara Schubert vom Ochsenverein Dornwang aus dem Kreis Dingolfing, die heute mit Maxl an den Start geht, einem feschen Murnau Werdenfelser Rind mit großen dunklen Augen. Lieb und zutraulich möchte man meinen. „Ja, das ist auch so“, bestätigt Lara. „Vom Pferd bin ich öfter gefallen als vom Ochsen.“ Verletzt habe sie sich nie, obwohl man schon aufpassen müsse, der Ochse sei schließlich ein Lebewesen. „Die Hörner können theoretisch schon gefährlich sein.“

Kurz nach 13 Uhr geben die Moderatoren Johannes Adam und Alex Brunner vom Burschenverein grünes Licht. Die ersten Ochsen werden in die Startboxen geführt, 100 Meter Rennstrecke sind es bis zum Ziel. „Die Tiere machen, was sie wollen“, sind sich gleich mehrere der Ochserer einig. Und das sollen sie auch, so ist es Usus bei den traditionellen Rennen. Wenn ein Ochs nicht laufen mag, dann muss er auch nicht. Das ein oder andere Tier hat von Fehlstart noch nichts gehört und galoppiert mit Vollgas davon. Ochse Otto zum Beispiel knackt vor Beginn des Wettkampfs bereits den Streckenrekord, nach zehn Sekunden ist er schon ohne Reiterin im Ziel und muss zurück in die Startbox.

Nach zwei Halbfinalläufen und einem „Verlierer“-Rennen stehen mit Wasti, Maxl und „Lucky Loser“ Zeno drei Rindviecher im Finale um den Siegerkranz. Sie machen es spannend, die Reiter bleiben oben, Horn an Horn laufen die Ochsen über die Zielgerade. Stefan Knauer und Wasti heißen die Sieger des diesjährigen Ochsenrennens anlässlich des Ayinger Bräukirta. Die Ehrung wird zügig vorgenommen, auch die Burschen wollen irgendwann auf ein Hendl und eine Kirta-Maß ins warme Festzelt.

Auf den Rängen zwei und drei folgen Zeno und Maxl. Maxl aus Dornwang mit Lara, die vielleicht ein bisschen auf den Sieg gehofft hatten, fahren trotzdem zufrieden nach Hause. Es geht um die Gaudi bei diesem Traditionssport, finden die Ochserer. Die Zuwendung zu den Tieren ist immer sicht- und spürbar an diesem Tag. Ein Veterinär der Klinik für Wiederkäuer der Ludwig-Maximilians-Universität München in Oberschleißheim überwacht das Wohlergehen und die Gesundheit der Rinder.

Tierschützer demonstrieren

Dass das Ochsenrennen aber nicht jeder unkritisch sieht, zeigt sich abseits des Geländes. Am heutigen Tag bleibt der Protest eher eine Randnotiz. Zwei Vertreter der Tierschutzorganisation „Animal Rebellion“ demonstrieren mit Tafeln gegen den Wettkampf. Sie kritisieren, dass die Rennen unnötiges Tierleid verursachten und aus der Zeit gefallen seien. Mit einer Gruppe junger Reiterinnen diskutieren die beiden Männer sachlich. Die Frauen betonen, dass ihnen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liege; sie seien zudem Vegetarierinnen. Im Vergleich zu Mastvieh hätten die Rennochsen ein gutes und langes Leben auf der Weide, viele würden nicht geschlachtet, argumentieren sie. „Bei mir dürfen sie in Ruhe alt werden“, sagt auch Leonhard Huber.