Pannemann und „Bürjermaaaster“: Seine Majestät: Andreas Grundhöfer ist der erste Erdbeerkönig von Zewen


Pannemann und „Bürjermaaaster“ Seine Majestät: Andreas Grundhöfer ist der erste Erdbeerkönig von Zewen

Trier · Premiere in Zewen: Nach einer Ü-80-Erdbeerkönigin gibt es in Zewen nun einen König. Seine Majestät Andreas Grundhöfer ist ein Hansdampf in allen Gassen und bekannt wie ein bunter Hund.

20.07.2026 , 06:50 Uhr

Andreas Grundhöfer (Mitte): Ein König kommt selten allein. Der Hofstaat mit vier Hofdamen – Janka Becker (Zweite von rechts), Christina Flesch (nicht auf dem Foto), Selina Wallendorf (rechts) und Katja Grundhöfer (Zweite von links) – sowie Adjutant Christian Becker (links).

Foto: Monika Traut-Bonato

Rio Reiser wollte einst König von Deutschland sein. Andreas Grundhöfer hingegen genügt ein deutlich kleineres Reich: Zewen – ein Königreich zwischen Erdbeerfeld, Fröbelstraße und Martinus-Platz. Seine Kandidatur zum Erdbeerkönig sorgte für ein großes Echo – war dieses Amt bislang doch nur Frauen vorbehalten.

Dabei war es vor zwei Jahren schon eine Überraschung, als mit Marlene Broßat eine Ü-80-Erdbeerkönigin ins Amt kam. Nun wurde erstmals ein Erdbeerkönig gekrönt – eine weitere Premiere in der Geschichte der Zewener Erdbeerkirmes.

Sie wird jedes Jahr am ersten Juliwochenende vom Kulturring Trier-Zewen, dem Dachverband der Zewener Ortsvereine, veranstaltet. Seit der Wahl von Aurélia Grundhöfer 2009 kürt Zewen eine Erdbeerkönigin. Mit der Krone für Andreas Grundhöfer greift der Ort einen neuen Trend auf: Traditionsämter sind längst nicht mehr nur Frauen vorbehalten.

In Deutschland gibt es Hunderte sogenannte Produkt-, Brauchtums- und Traditionshoheiten. Die meisten sind Königinnen, inzwischen gibt es aber zunehmend auch Könige oder geschlechtsneutrale Hoheiten. Darunter ist die Deutsche Weinkönigin wohl die bekannteste Produktbotschafterin Deutschlands. Auch in der Region Trier gibt es deren zahlreiche – etwa die Weinköniginnen, die Trierer Glühweinkönigin, die Viezkönigin in Gillenfeld oder die Milchkönigin Rheinland-Pfalz-Saar, die zuletzt sogar mehrfach aus der Region stammte.

Wenn ich Erdbeerkönig von Zewen wär ... Das ist die neue Majestät

Andreas Grundhöfer trägt als erster Mann die Erdbeerkrone des Ortes. Er gilt als echtes Zewener Original, ist ein Hansdampf in allen Gassen und engagiert sich seit Jahren mit viel Herzblut für seinen Heimatort. Er schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen – oft zur Freude der Kinder.

Angefangen hatte alles damit, dass er als Nikolaus befreundete Familien besuchte. Auch während der Corona-Pandemie war er nicht untätig und zog mit einem kleinen Bollerwagen, Butterwecken und Schoko-Nikoläusen durchs Dorf. Die Aktion wird bis heute als Tradition auf dem Martinus-Platz fortgeführt.

Doch dabei blieb es nicht. Gemeinsam mit einem Kollegen wurde er zum Osterhasen, verteilte Ostereier und Schokoladenhasen in den Straßen Zewens. Zur Erdbeerkirmes sorgt er außerdem seit einigen Jahren als Clown für Unterhaltung und formt aus Luftballons bunte Tierfiguren.

Der gelernte Servicetechniker stammt aus einer alteingesessenen Zewener Familie und lebt dort seit seiner Geburt im Jahr 1967. Seine Verbundenheit mit dem Ort zeigt sich auch im Vereinsleben: Bis auf zwei Ausnahmen ist er Mitglied in nahezu allen Zewener Vereinen. Im Ort selbst trägt er den Spitznamen „Bürjermaaaster“.

In dieser Rolle überrascht er Geburtstagskinder – zumindest Menschen aus seinem Bekanntenkreis oder Vereinsmitglieder. Im Anzug, mit Koffer und einer kleinen Ansprache steht er plötzlich vor der Tür, um persönlich zu gratulieren. In Zewen nennt man ihn zudem noch „Pannemann“. Der Spitzname hat in der Familie Tradition.

Schon sein Großvater wurde „Pannekuch Michel“ genannt, weil er den Bahnarbeitern im Gasthaus Zewener Hof während der Krankheit seiner Frau einmal Panneküchelcher zum Mittagessen servierte. Über den Vater Norbert wanderte der Name schließlich zu Andreas Grundhöfer, der heute im ganzen Dorf als „Pannemann“ bekannt ist.

„Für alles offen“: Wie es zur Bewerbung von Andreas Grundhöfer kam

Doch wie wird man eigentlich Erdbeerkönig? Diese Frage hört Andreas Grundhöfer ständig und muss schmunzeln. Der Weg zur Krone begann mit einer Bühnenansage. Als bei der Erdbeerkirmes vor zwei Jahren die 80-jährige Marlene zur Königin gekürt wurde und der damalige Kulturring-Vorsitzende Artur Wengler erklärte, dass man bei dem Amt für alles offen sei, schickte Grundhöfer schon am nächsten Tag seine Bewerbung ab – als Erdbeerkönig.

Zunächst landete er allerdings auf der Warteliste und es sah so aus, als müsste er bis 2028 warten. Doch dann kam die überraschende Nachricht: Er darf schon ein Jahr später als erster Zewener Erdbeerkönig die Krone tragen.

Von Kopf bis Fuß strotzte die Kleidung des neuen Erdbeerkönigs mit Erdbeermotiven.

Foto: Andreas Grundhöfer/Privatarchiv Andreas Grundhöfer

Und ein König kommt selten allein. Gemeinsam mit vier Hofdamen – Janka Becker, Christina Flesch, Selina Wallendorf und Katja Grundhöfer – sowie Adjutant Christian Becker zog er zur Krönung in festlicher Erdbeer-Montur ein. Selbst Schuhe, Schmuck und Kleidung waren mit Erdbeermotiven verziert, zwei Hofdamen ließen sich sogar Erdbeer-Tattoos stechen. „Ich habe mich zeitweise schon wie ein kleiner Stadtprinz gefühlt“, sagt Grundhöfer lachend.

Ein Erdbeerkönig in Trier – So kam das bisher an

Dass das neue Konzept gut ankommt, zeigte schon die Premiere. „Lieber Andreas, das geht in die Geschichte ein“, schrieb Oberbürgermeister Wolfram Leibe auf Facebook. Ob es künftig weitere Erdbeerkönige geben wird, ist noch offen. „Das muss der Kulturring gemeinsam entscheiden“, sagt Adjutant Christian Becker.

Ein Jahr lang ist Andreas Grundhöfer nun mit seinem Hofstaat als Botschafter der Zewener Erdbeerkirmes bei verschiedensten Veranstaltungen unterwegs – ob bei der Rathausstürmung an Karneval oder bei zahlreichen Vereinsfesten. Er kann zufrieden sein. Mit starker Werbung in den sozialen Netzwerken und prominenten Gästen aus Politik und Stadtgesellschaft war die Kirmes 2026 in aller Munde, sorgte für Aufmerksamkeit über die Ortsgrenzen hinaus – Ziel erreicht.

„So viel Prominenz wie in diesem Jahr war hier noch nicht auf der Bühne.“ Grundhöfer wünscht sich deshalb nur eines: „Die Erdbeerkirmes soll genauso weitergehen – mit vielen Besuchern, schönem Wetter und vor allem friedlich.“