Pelletspreise enorm gestiegen: Das steckt hinter der Preisexplosion


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Sommerzeit ist eigentlich Einkaufszeit für die Besitzer von Pelletheizungen. In diesen Tagen aber wundert sich so mancher über die gestiegenen Pelletspreise. „Die Tonnagepreise sind seit Juni in einer steilen Aufwärtsbewegung. Sie haben in einem Monat um zehn Prozent zugelegt, seit einem Jahr sogar um rund 40 Prozent“, hat Matthias Bauer, Energie-Spezialist der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, beobachtet. „Tatsächlich sind Pellets im Sommer normalerweise immer günstiger zu kaufen als vor der Heizperiode. Die aktuell hohen Energiepreise schlagen hier voll durch.“

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Aber sind nur die Energiepreise schuld? Beim Deutschen Pellet-Institut (DPI) wird eingeräumt, dass das Preisniveau über dem von 2025 liege. Entscheidend sei aber, dass der Preisvorteil zu Öl und Gas weiterhin hoch sei und im Juli gegenüber Heizöl bei rund 40 Prozent gelegen habe, gegenüber Erdgas bei etwa 31 Prozent. „Auch im langjährigen Schnitt konnten Pelletheizer seit 2015 rund 25 Prozent gegenüber Heizöl einsparen und fast 31 Prozent gegenüber Erdgas“, sagt DPI-Sprecherin Wilma Bourneuf.

Für Heizungsbesitzer dürfte das nur ein kleiner Trost sein. Zumal die Gründe für die hohen Pelletspreise wohl nicht kurzfristiger Natur sind. Pellets sind gepresste Späne oder Sägemehl – ein Nebenprodukt der Holzindustrie. „Wegen der verminderten Einschnitttätigkeit der Sägewerke, verursacht von schwacher Nachfrage aufgrund der schleppenden Baukonjunktur, sind die Preise für die Späne derzeit hoch und das Angebot reduziert“, so die DPI-Sprecherin. Außerdem seien andere Kosten gestiegen, vom Mindestlohn bis zum Dieselpreis.

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Verbraucherschützer raten: Bei hohen Pelletspreisen nicht unter Druck kaufen

Tatsächlich lahmt die Bauwirtschaft. Im Mai war von einem ersten Orderplus die Rede, die ersten fünf Monate 2026 ergab sich aber insgesamt ein Minus von real 0,2 Prozent. Tim-Oliver Müller vom Hauptverband der Bauindustrie nennt den Wohnungsbau „das Sorgenkind Nummer eins“. Eine Baugenehmigung sei halt noch kein Auftrag. „Hinzu kommen die Unsicherheiten aufgrund der wirtschaftlichen Lage sowie durch den Iran-Krieg gestiegene Baukosten, die Bauherren zögern lassen.“

Sollten Verbraucher abwarten mit dem Kauf? Davon rät das Pellet-Institut ab. Man erwarte in diesem Jahr „ein etwas früheres Ende der Sommerzeitpreisphase“. Im Klartext: Die Pelletspreise könnten im Herbst steigen. Verbraucherschützer Bauer rät: „Den Markt beobachten und langfristig überlegt kaufen. Schlecht ist, unter Druck zu kaufen, wenn das Lager oder die Sackware zu Ende gehen.“ Bauer hat noch weitere Tipps. Die Glaubwürdigkeit von Zertifikaten für die Pellets sei für Verbraucher kaum überprüfbar. Deshalb sollte man bei lokalen oder regionalen Anbietern kaufen, um Lieferketten erfragen zu können. Auch gebe es im Internet sogenannte Fakeshops unter den Pelletlieferanten. Sie werben mit Billigangeboten, lieferten aber nie die Ware. Vorsicht ist da geboten.

Pelletheizer konnten seit 2015 rund 25 Prozent gegenüber Heizöl einsparen und fast 31 Prozent gegenüber Erdgas.

Wilma Bourneuf, Sprecherin des Deutschen Pellet-Instituts

Pellet-Heizungen: Umweltexperte äußert Zweifel am ökologischen Sinn

Der Verbrauch von Pellets ist von 2020 bis 2025 von 2,2 Millionen Tonnen auf 3,6 Millionen Tonnen gestiegen. Ein Boomjahr war 2023, als 123.000 Pelletheizungen laut Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) eingebaut wurden. Seitdem seien die Zahlen deutlich zurückgegangen. Der Markt reagiere empfindlich auf politische Unsicherheiten und Änderungen an der Förderung, sagt Andreas Müller vom ZVSHK.

Und sind Pellets ökologisch überhaupt sinnvoll? „Die Antwort ist nicht eindeutig“, sagt Klaus Hennenberg vom Öko-Institut Freiburg. Pellets entstammen einem nachwachsenden Rohstoff. Die Bäume haben so viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre gespeichert, wie später bei der Verbrennung frei gesetzt wird. Sie gelten nicht als fossiler Brennstoff und werden im nationalen CO₂-Handel als treibhausgasneutral bewertet.

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Wer heute eine alte Öl- oder Gasheizung durch eine Pelletanlage ersetzt, erhält laut der Bundesförderung für effiziente Gebäude einen Zuschuss von 30 bis 70 Prozent der Kosten. „Die Treibhausgasneutralität von Holz ist aber eine politische Setzung der Normen“, sagt Hennenberg und äußert Zweifel an der Zukunftsfähigkeit von Pellets. Die Begünstigung der Holzverbrennung stamme aus Zeiten, in denen Öl, Gas und Kohle die Alternative waren. Heute seien die Konkurrenten die erneuerbaren Energien aus Photovoltaik und Windkraft und ihr Vermittler seien die Wärmepumpen. Natürlich wachse das Holz im Wald wieder nach, aber muss man es überhaupt verbrennen und kann man es nicht als CO₂-Senke für Jahrzehnte speichern? Hennenberg meint, dass das besser wäre.

Pellets aus Sägespänen: Experten fordern mehr stoffliche Nutzung

Jedes Jahr fallen in den Sägewerken rund 8,5 Millionen Tonnen an Nebenprodukten wie Sägespäne, Hobelspäne und Spreißel an. Von denen wird etwa die Hälfte stofflich verwertet, das heißt, es entstehen daraus Papier, Pappe oder Spanplatten, in denen das Kohlendioxid lange gespeichert wird. Aber 3,5 Millionen Tonnen fließen in die Pellets zur energetischen Verwertung. Viel zu schade, sagt Hennenberg im Einklang mit Wissenschaftlern des Thünen-Instituts für Landwirtschaft.

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Pellets gelten als treibhausgasneutral, aber sie emittierten pro Megajoule Energieleistung rund 100 Gramm Kohlendioxid, was zwischen Gas (56 Gramm) und Braunkohle (120 Gramm) liege. Hennenberg plädiert dafür, mehr Sägenebenprodukte stofflich zu verwerten. „Wer eine Pelletheizung hat, sollte sie nutzen, bis sie abgeschrieben ist. Aber ich würde jetzt keine neue anschaffen, sondern besser eine Wärmepumpe.“