Kommunalwahl in Peru: Ein Mann namens Hitler Mussolini Simeón Flores ist jetzt Bürgermeister – für eine linke Partei
Den entlegenen peruanischen Andenort Queropalca kennt wohl kaum jemand. Nun wird er durch den Namen seines künftigen Bürgermeisters berühmt: Hitler Mussolini Simeón Flores führt künftig die Geschicke der Gemeinde.
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Der 45-Jährige wurde laut Wahlbehörde am Sonntag mit 229 von 663 Stimmen zum Bürgermeister gewählt – mit leichtem Abstand vor zwei anderen Kandidaten. Der Zweitplatzierte hatte für die rechtsextreme Partei Renovación Popular von Präsidentin Keiko Fujimori kandidiert. Simeón Flores hingegen trat für die Mitte-links-Partei Ahora Nación an, die etwa eine staatliche Gesundheitsversorgung für alle Bürger in Peru erreichen will. Noch 2025 war er laut offiziellen Wahlunterlagen für die Renovación Popular registriert, nun hat er die Partei von ganz rechts nach links gewechselt – und die Rechten geschlagen.
Der Name des neuen Bürgermeisters erinnert an Adolf Hitler und den italienischen faschistischen Diktator Benito Mussolini – und ist der amtlich eingetragene Name, den die Eltern von Simeón Flores ihm vor 45 Jahren gaben, vermutlich jedoch nicht als Bekenntnis zu faschistischer Ideologie gemeint.
Simeón Flores’ Wahlprogramm war typisch kommunal: Wege ausbessern, Wasserversorgung ausbauen, ein kommunales Stadion errichten und den Tourismus entwickeln. Der Bezirk Queropalca zählt zu den besonders verarmten und entvölkerten, schwer erreichbaren Regionen im peruanischen Hochgebirge. Der Ortskern liegt fast 4000 Meter über dem Meeresspiegel, der höchste Gipfel innerhalb der Bezirksgrenzen erreicht 6635 Meter.
Ein anderer Hitler gewann gegen Lenin
Ihr Kandidat sei ein schüchterner Mann und nicht an öffentliche Auftritte gewöhnt, sagten Parteifunktionäre von Ahora Nación der spanischen Zeitung »El País«. Simeón Flores, der einen mittleren Schulabschluss hat und zuletzt als Direktor einer Vermietung von Bau- und Transportmaschinen arbeitete, stelle sich üblicherweise ohne den Vornamen Hitler vor. Im Ort sei er nur unter dem Kurznamen Musso bekannt. Dem Bericht zufolge ist der Bürgermeister derzeit nicht erreichbar: Er habe seine Telefonnummer gewechselt, nachdem er durch die plötzliche Bekanntheit etliche Anrufe erhalten hatte. Die Parteifreunde berichteten auch von Erpressungsversuchen gegen ihren Kandidaten.
Es ist nicht der erste Politiker in Peru, der den Namen des NS-Diktators trägt. 2021 war der inzwischen gestorbene Zentrumspolitiker Hitler Saavedra Casternoque ins peruanische Parlament gewählt worden, 2018 wurde ein Politiker namens Hitler Alba Sánchez Bürgermeister des Andenbezirks Yúngar. Letzterer gewann ausgerechnet gegen einen Rivalen namens Lenin Vladimir Rodríguez Valverde und warb mit Slogans wie »Hitler kehrt zurück«, distanzierte sich aber von dem deutschen Nazi. Laut »El País« tragen fast 4000 Peruaner den Namen Hitler.
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Der Soziologe Sinesio López erklärte der Zeitung, viele peruanische Eltern aus armen Familien mit niedrigem Bildungsgrad wollten ihren Kindern mit den Namen berühmter historischer Persönlichkeiten einen Eindruck von Stärke und Autorität mitgeben. »Es handelt sich um Leute, die sich nicht so tief in der Geschichte auskennen.« Um die Ideologie gehe es bei der Namenswahl nicht. Er persönlich kenne auch eine Doris Day.
ahh/AFP