Pfarrer gibt nach 37 Jahren sein Amt auf – um zu heiraten


Stand: 24.08.2026, 14:14 Uhr

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Andreas Unfried scheidet mit 63 Jahren aus dem Dienst der Pfarrei St. Ursula in Oberursel aus. Seit vielen Jahren lebte er heimlich eine Beziehung.

Oberursel, katholische Kirche St. UrsulaFoto: Priedemuth

Die katholische Kirche St. Ursula in Oberursel. Pfarrer Andreas Unfried scheidet aus dem Dienst, um zu heiraten. © Priedemuth, Jens

Oberursel/Steinbach – Die Nachricht trifft die Gläubigen in Oberursel und Steinbach unerwartet: Pfarrer Andreas Unfried ist am Samstag aus dem aktiven Dienst in der katholischen Pfarrei St. Ursula ausgeschieden – der Liebe wegen. Der 63-Jährige hört vorzeitig auf, um zu heiraten.

Das teilt Unfried in einem Brief an die Presse mit, der auch auf der Homepage der Pfarrei veröffentlicht wurde. Zudem wurde sein Ausscheiden am Sonntag in den Gottesdiensten in Oberursel und Steinbach verkündet.

Demnach habe er Bischof Georg Bätzing gegenüber seinen Verzicht auf die Pfarrei St. Ursula, Oberursel und Steinbach, erklärt, schreibt der Pfarrer. Der Grund sei, dass er heiraten werde. „Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe“, schreibt Unfried. „Jetzt spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, dieser zweiten Berufung nachzukommen.“ Die Konsequenz der Suspendierung vom priesterlichen Amt sei zwingend und ihm bewusst.

Seit 16 Jahren in Oberursel aktiv

Oberursel 09.05..2018 Seit Mitte 2017 wohnen 24 erwachsene Menschen mit Beeinträchtigung im neu errichteten Haus Königsegg im St. Hedwigsweg, heute offizielle Eröffnung u.a. mit der Segnung durch den Katholischen Pfarrer (oder sagt man Priester???) Andreas Unfried von St. Hedwig.Tagessatzcopyright: Monika Müller

Pfarrer Andreas Unfried auf einem Foto aus dem Jahr 2018. Er hat seinen Dienst in der Pfarrei St. Ursula beendet, um zu heiraten © Monika Müller

37 Jahre lang war Andreas Unfried als Pfarrer aktiv

In der katholischen Kirche ist Priestern über den Zölibat die Ehelosigkeit vorgeschrieben. Keine Ehe, keine Kinder, kein Geschlechtsverkehr – daran müssen sich katholische Priester seit Mitte des 12. Jahrhunderts halten. Der Begriff Zölibat ist dabei vom lateinischen Wort „caelebs“ = „allein, unvermählt lebend“ abgeleitet. Es sei ihm immer klar gewesen, dass die katholische Kirche für die Ausübung des Priesteramts den Zölibat verlangt. „Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage“, schreibt Unfried.

In der Pfarrei in Oberursel und Steinbach ist er seit annähernd 16 Jahren aktiv, im Jahr 2014 feierte er dort sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Anfangs oblag ihm die priesterliche Leitung des damaligen pastoralen Raumes Oberursel und Steinbach, er übernahm die Stelle damals nach langer Vakanz. Gemeinsam mit den katholischen Christen machte er sich auf den Weg in die Großgemeinde St. Ursula, die heutzutage nicht nur die Oberurseler Gemeinden, sondern auch jene in Steinbach umfasst.

Dort und im Bistum wurde man von der Erklärung des Pfarrers offenbar komplett überrascht. „Die Situation ist für die Pfarrei und das Bistum schmerzlich, da sie auch so unerwartet kommt“, schreibt Domkapitular Georg Franz, Bereichsleiter Personal im Bistum Limburg, in einer Erklärung, die in den Gottesdiensten verlesen wurde. In diesen wurden die Gläubigen über die Änderung in der Leitung der Pfarrei informiert, „die sicher für Sie überraschend und auch kurzfristig ist“, wie es heißt.

Konkret teilte der Pfarrer seine Entscheidung am Samstagnachmittag mit. In der Ketteler-La Roche-Schule waren Bischof und Gläubige im Rahmen der Visitation des Bischofs zusammengekommen, um Ideen für die Zukunft der Kirche zu sammeln. Wie die Pfarrei informiert, habe Unfried dort seine Erklärung verlesen. „Der Bischof hat ihn daraufhin, das muss er in diesem Fall tun, mit sofortiger Wirkung suspendiert“, schreibt die Pfarrei im Netz. Nach einer „wertschätzenden, kurzen Verabschiedung“, sei Unfried dann gegangen.

Der Schritt sei ihm nicht leicht gefallen, schreibt das Bistum, habe Unfried „seine Aufgabe als Pfarrer und Seelsorger doch mit ganzem Herzen und Überzeugung“ erfüllt. „Das haben Sie in der Pfarrei hier sicher auch so erlebt.“ Der Bischof habe ihn, wie es das Kirchenrecht vorsieht, von allen Aufgaben entbunden.

Partnerin „hat lange auf mich gewartet“

Bischof Bätzing habe Unfried gegenüber seinen Dank für seinen Dienst und sein Wirken ausgedrückt. In 37 Dienstjahren habe er überall „engagiert den Glauben weitergetragen“ und sei immer auch Impulsgeber für die Weiterentwicklung von Kirche und Gemeinde gewesen. „Seine Entscheidung für einen anderen Lebensweg gilt es jedoch zu respektieren.“

Mit ganzem Herzen sei er Seelsorger, Pfarrer und Funktionsträger gewesen, schreibt auch Unfried: erst in der Ortskirche Limburg als Bezirksdekan, in verschiedenen Rollen in der Caritas und in der Funktion als geistlicher Begleiter. Er sei seiner Kirche dankbar, habe diese „stets als förderlich und wohlwollend“ erfahren. Unfried: „Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin.“

Pfarrer: Lebenspartnerin habe lange auf ihn gewartet

Er hätte diese Jahre aber auch nicht durchgehalten, „wenn ich mir nicht der Unterstützung meiner Lebenspartnerin hätte sicher sein können“, so Unfried. „Es ist Zeit – so spüre ich es –, nun die Gewichtungen anders zu verteilen, da sie in den verdienten Ruhestand gegangen ist, und auch für mich das Ende der beruflichen Tätigkeit nahegekommen ist. Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Nun sei es genug.

Er danke insbesondere seinen Mitbrüdern in der Priestergemeinschaft Maranatha. „Das gemeinsame Leben war mir Stütze und Halt.“ Er bitte um Verständnis, dass er nach all diesen guten Jahren nun einen anderen Weg für sich wähle. Für seine Kirche wünsche er sich „den Geist der Partizipation und Geschlechtergerechtigkeit“.

Kurzfristige Nachfolge schon geregelt

Unfried ist sich laut eigener Aussage bewusst, welche Enttäuschungen seine Entscheidung auslöst. Er schreibt: „Ich kann nur hoffen, dass mein Schritt irgendwann akzeptiert werden kann, auch wenn ich weiß, dass ich vielen damit aktuell das Leben schwer mache.“ Viele würden ihm vorwerfen, dass er keinerlei Andeutungen gemacht habe. „Ich weiß aber auch, was ich den sehr wenigen, denen ich mich offenbart habe, aufgebürdet habe.“ Nun scheide er ohne Groll aus dem Beruf. Es rufe „die Liebe zu der Frau, mit der ich schon lange das Leben teile. Gemeinsam werden wir suchen, wie wir unser Christsein und unsere Berufung fortan gemeinsam leben können.“

Für den Augenblick bitte er um Verständnis, dass er keine E-Mails beantworten und auf keine Anrufe reagieren werde. Er gebe keine weiteren öffentlichen Erklärungen ab und sei auch zu keinem Interview bereit. Aber: „Ich denke, dass in den kommenden Monaten in geeigneter Weise ein persönlicher Abschied von Ihnen allen noch möglich sein wird“, verspricht Unfried.

Fürs Bistum wird es nun darum gehen, möglichst schnell einen Nachfolger zu präsentieren. In den kommenden Wochen werde man schauen, wie eine Nachfolge gefunden werden kann, heißt es aus Limburg. Wer kurzfristig übernimmt, ist schon klar. „Die Leitung der Pfarrei wird in der Zwischenzeit Pfarrer Paul Lawatsch als Pfarrverwalter übernehmen, der viele Jahre in Königstein und Neu-Anspach Pfarrer war und jetzt im Ruhestand in Kelkheim lebt“, informiert der Domkapitular.

Das Bistum sei Pfarrer Lawatsch sehr dankbar dafür, dass er diese Aufgabe übernimmt. „Als Bistum sind wir zuversichtlich, dass sich die Dinge in der kommenden Zeit Schritt für Schritt klären.“ Für die kommende Woche müssten allerdings alle Werktagsgottesdienste abgesagt werden. Unfrieds Sonntagsgottesdienste werden als Wortgottesfeiern durch das Pastoralteam übernommen.