Flydubai-Angriff: Wer war für die Überprüfung des Ko-Piloten zuständig?
Mehrere Tage nachdem ein Flugzeug auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv beinahe abgestürzt wäre, wird ein terroristischer Hintergrund immer wahrscheinlicher. Zugleich verstärkt sich die Debatte über ein Sicherheitsversagen sowohl aufseiten der Fluggesellschaft und der Vereinigten Arabischen Emirate als auch aufseiten Israels.
An Bord des Flydubai-Flugs FZ1073 hatte es am Mittwochmorgen einen Kampf zwischen dem Ko-Piloten und dem Piloten gegeben, Letzterer wurde dabei schwer verletzt. Israelische Passagiere überwältigten schließlich den Ko-Piloten, mitfliegende Ersatzpiloten landeten das Flugzeug mit 182 Personen an Bord in Saudi-Arabien.
Der Ko-Pilot wird inzwischen in den Emiraten verhört. Er habe einen „Terrorakt“ geplant, teilte der Generalstaatsanwalt am Samstag mit. Beim Versuch, die Kontrolle über den Flug zu übernehmen, habe er den Piloten mit der Rettungsaxt angegriffen, die sich im Cockpit befindet. In mehreren Berichten war zunächst von einem Messer die Rede gewesen.
Auch in Marokko nach Ausbildung nicht übernommen
Dem Piloten, dem Inder Smit Machchhar, gelang es schließlich, die Tür zum Cockpit zu öffnen, durch die dann Passagiere eindrangen. In einem Videogespräch mit Indiens Regierungschef Narendra Modi berichtete er am Freitag, dass er zu diesem Zeitpunkt schon verletzt am Boden gelegen habe. „Ich habe um mein Leben gekämpft. Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich nicht wieder aufstehe …, dann würden die Passagiere ihr Leben verlieren“, sagte er von einem Krankenhausbett.
Zu den Zielen oder Motiven des Ko-Piloten äußerte der Generalstaatsanwalt sich nicht genauer. Verbindungen zu terroristisch agierenden Gruppen oder mit Israel verfeindeten Ländern sind bislang nicht bekannt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach am Donnerstag von „islamistischer radikaler Indoktrination“ und sagte, der Mann habe das Flugzeug vermutlich zum Absturz bringen wollen.
Durch Medienberichte wurde mehr über den Hintergrund des 29 Jahre alten Omaners bekannt. Demnach war ihm in Oman die Tätigkeit als Pilot untersagt worden, weil es Befürchtungen gab, dass er extremistische Ansichten entwickelt habe. Daraufhin nahm er 2025 an einem Ausbildungsprogramm der marokkanischen Fluggesellschaft Royal Air Maroc teil, wurde aber nicht übernommen. Schließlich begann er, für die emiratische Gesellschaft Flydubai zu arbeiten.
Ein Omaner hätte nach Israels Regeln nicht fliegen dürfen
In Israel wird immer lauter die Frage gestellt, wie es dazu kommen konnte, dass der Ko-Pilot einen Flug nach Tel Aviv steuern durfte. Die Sicherheitsvorkehrungen für Flüge nach und von Israel sind in der Regel noch schärfer, als sie es im weltweiten Flugbetrieb seit den Terrorattacken vom 11. September 2001 ohnehin sind. Ein Omaner hätte laut Israels Regeln gar nicht in das Land fliegen dürfen, weil die beiden Länder keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.
Die emiratischen Behörden hatten laut eigenen Angaben vor dem Flug eine Liste der Passagiere sowie der Piloten nach Israel übermittelt. Von dort seien keine Einwände gekommen. Netanjahu sprach von einer „Lücke“ im System.
Verschiedene israelische Behörden weisen inzwischen mit dem Finger aufeinander. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet teilte mit, das Verkehrsministerium sei für die Überprüfung ausländischer Flüge zuständig. Verkehrsministerin Miri Regev wies das zurück und sagte, dies sei Aufgabe des Auslandsgeheimdienstes Mossad.
Zur Unruhe trugen auch Berichte bei, wonach der Ko-Pilot schon mehrmals nach Israel geflogen sei. Der Sender N12 zitierte israelische Regierungsbeamte mit der Vermutung, auch Piloten mit iranischer, syrischer oder irakischer (Zweit-)Staatsbürgerschaft könnten in den vergangenen Jahren in Israel gelandet sein, ohne dass dies aufgefallen sei. Am Sonntag hieß es, der Mossad und der Schin Bet überprüften jetzt die Passagierlisten aller anstehenden ausländischen Flüge.