Porsche-Event mit Hubschrauber in Südtirol – Anwohner kochen: „Verschont uns mit eurem peinlichen Gepose“
Porsche-Event mit Helikopter entfacht Wut in Südtirol: „Völlig respektlos“
Stand: 11.07.2026, 11:50 Uhr
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Eine organisierte 12-Pässe-Tour mit Helikopterflug über die Dolomiten lässt die Wogen hochgehen. Künftig wird solchen Ausfahrten aber ein Riegel vorgeschoben.
Bozen – Das Wetter ist hervorragend, der Ausblick auf die Dolomiten spektakulär. Mit hunderten PS und ordentlich Sound flitzen die Sportwagen über Alpenpässe. „Südtirol erleben“, schreiben die Porsche-Zentren Berlin auf Facebook. „Bei unserer 12‑Pässe‑Tour mit Helikopterflug über die Dolomiten verschmelzen Sonne, spektakuläre Bergkulissen und legendäre Passstraßen zu einem einzigartigen Fahrgefühl im Porsche.“

Während manche Südtirol-Gemeinden dem Verkehr den Kampf ansagen, rollen täglich tausende Fahrzeuge über die beliebten Alpenpässe, oft auch in Form organisierter Touren. Was für die Urlaubergruppe aus Deutschland eine unvergessliche Gaudi ist, bringt bei den Einheimischen das Blut in Wallung. Der Beitrag über die Porsche-Tour in Südtirols Bergen geht gemessen an den vielen negativen Reaktionen deutlich nach hinten los.
Porsche prahlt mit 12‑Pässe‑Tour in Südtirol – und erntet Sturm der Entrüstung
Mehr als 420 Kommentare sammeln sich binnen weniger Tage unter dem Beitrag vom 23. Juni. Der Tonfall bei der überwiegenden Mehrheit der Wortmeldungen ist äußerst scharf. „Bleibt zu Hause. In Südtirol, aber auch in Nordtirol braucht niemand solche ‚Gäste‘. Mietet euch für einen Tag eine Rennstrecke in eurer Umgebung“, schreibt eine Nutzerin. Andere pflichten bei, man sei schließlich „kein Disneyland“. Der Unmut bei der Bevölkerung über die lauten „Protzkisten“ ist riesig.
Die Kritik am Veranstalter ist eindeutig: „Das, was Sie hier veranstalten, ist völlig respektlos sowohl der Natur als auch der Südtiroler Bevölkerung gegenüber“, merkt eine Person an. Wütend macht viele insbesondere das Zurschaustellen der Pass-Tour: „Verschont uns mit Eurem peinlichen Gepose. Ihr betreibt einen arroganten Konsum von sensibler Natur und Landschaft und sucht ‚Spaß‘ auf Kosten von Natur, Menschen und Umwelt.“
Eine Frau, die angibt, an der Mendelpassstraße zu wohnen, schildert den Alltag in der Urlaubssaison: „Teilweise kann man das ganze Wochenende die Fenster nicht öffnen wegen des Lärms. Von der Luft ganz zu schweigen.“ Jedes Wochenende würden derartige „Karawanen“ an „Porsche, Maserati, Lambos, Oldtimer, Harley, Ducati“ lokal für eine enorme Belästigung sorgen. „Dass dann noch Werbung gemacht“ werde, bringt die Dame zum Kochen. Erst im Frühjahr brachte eine politische Entscheidung die Tourismus-Debatte zum Überkochen.
„Verantwortungsvolles und klimabewusstes Handeln im Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit“
Ebenfalls des Öfteren ein Dorn im Auge der lokalen Bevölkerung: Heliflüge. „Hubschrauberrundflüge in den Dolomiten sind enorm nervig, umweltbelastend, laut und störend und gehören verboten“, wird ein Einheimischer auf Facebook deutlich. Es gibt vereinzelt auch User, die die Porsche-Aktion verteidigen. Ein Einheimischer bringt den Grundtenor jedoch auf den Punkt: „Jeder Gast ist in Südtirol willkommen. Aber … röhrende Sportwagen und knatternde Helikopter auf den Bergen? Nein Danke!“
Auf Anfrage des Münchner Merkur von Ippen.Media bestätigt Porsche, dass es sich bei der Tour um ein Angebot der Wiegand Drive Events handelt, „die in Kooperation mit den Porsche-Zentren in Berlin durchgeführt wurden.“ Nach Angaben des Autokonzerns werden die Ausfahrten „direkt von Porsche organisiert oder unterstützt“. Auf der Website des Anbieters wird die dreitägige Spritztour als „außergewöhnliches Kurvenabenteuer“ beworben. Der Preis samt Übernachtung im Fünf-Sterne-Hotel: bis zu mehr als 3200 Euro. Die kommende 12-Pässe-Tour ist laut Angaben von Wiegand Drive Events in vielen Porsche Zentren schon ausgebucht.
Auf die massive Kritik zur Ausfahrt geht Porsche nur am Rande ein. In der Nachhaltigkeitsstrategie der Porsche Holding heißt es unter anderem: „Wir stellen verantwortungsvolles und klimabewusstes Handeln in den Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit – in allen Geschäftsbereichen und in der gesamten Lieferkette.“
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Auf die Frage, inwiefern eine derartige Tour inklusive Hubschrauberrundflug und Fahrzeugen der CO₂-Klasse G mit einem Verbrauch von bis zu 13,8 Litern pro 100 Kilometern mit dem Nachhaltigkeitsanspruch des Unternehmens zu vereinen sei, heißt es nur, man verfolge „einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische und soziale Aspekte entlang unserer Wertschöpfungskette berücksichtigt“. „Entsprechende Hinweise und Kritikpunkte“ nehme Porsche ernst, „insbesondere wenn sie ökologisch sensible Regionen betreffen“. Man achte „selbstverständlich auf die Beachtung regionaler Gegebenheiten und ein vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr“ .
Südtirol greift durch: Motorsportveranstaltungen auf Pässen künftig vielerorts verboten
Die regionalen Gegebenheiten haben sich indes schon geändert, derartige Fahrten sind künftig wohl nur noch eingeschränkt möglich. Die Südtiroler Landesregierung hat am 19. Juni 2026 beschlossen, organisierte Motorsportveranstaltungen auf bestimmten Staats- und Landesstraßen zu verbieten.
Das Verbot gilt für alle Motorsportveranstaltungen auf Straßen in ausgewiesenen Schutzgebieten sowie in Berggebieten oberhalb von 1.600 Metern Meereshöhe. Betroffen sind damit Strecken im UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten, in den Naturparks, im Nationalpark Stilfserjoch und weiteren Landschaftsschutzgebieten. Die betroffenen Straßenabschnitte können im Beschluss nachgelesen werden. Die Regelung kann bei Bedarf aber auf weitere Abschnitte ausgeweitet werden.

Unter das Verbot fallen nicht nur wettbewerbsorientierte Motorsportveranstaltungen, sondern vermutlich auch Ausfahrten wie die kritisierte 12-Pässe-Tour. Maßgeblich sei laut Land Südtirol, „ob die Veranstaltung einen erkennbaren organisatorischen Rahmen“ habe. „Das ist insbesondere dann der Fall, wenn eine gemeinsame Ausfahrt von einem Veranstalter, Verein, Club, Verband, Unternehmen oder einer sonstigen organisierten Gruppe geplant, beworben, koordiniert oder durchgeführt wird und wenn eine gemeinsame Route, Etappe, Strecke oder ein gemeinsamer Ablauf vorgesehen ist.“ Private Fahrten einzelner Personen seien nicht betroffen.
Eine entsprechende Anfrage an das Büro des Mobilitätslandesrats blieb unbeantwortet. Landeshauptmann Arno Kompatscher macht aber keinen Hehl daraus, warum es so weit kommen musste: „Die Belastungsgrenze der Bevölkerung entlang der Passstraßen ist vielerorts erreicht“, sagt er gegenüber dem Südtiroler Onlinemagazin Salto. Auch eine andere Neuerung, um den Touristen-Massen Herr zu werden, greift seit diesem Jahr in den Südtiroler Bergen. (Quellen: Eigene Recherche, Porsche Zentren Berlin Facebook, Provinz Südtirol, Beschluss der Landesregierung, Salto.bz) (jm)