Probleme auf der Schiene: Massiver Ärger im Saarland über Ausfälle und Verspätungen beim Zugverkehr


Probleme auf der Schiene Massiver Ärger im Saarland über Ausfälle und Verspätungen beim Zugverkehr

Service | Saarbrücken/Mainz/Frankfurt · Unpünktlich, verpasste Anschlüsse: Die Beschwerde-Liste bei Zug-Verbindungen vom und ins Saarland ist lang. Geplante Baustellen sind nicht der einzige Auslöser. So reagieren Anbieter, Saar-Regierung und Fahrgast-Verband Pro-Bahn auf Kunden-Klagen.

26.09.2026 , 21:13 Uhr

Verspätungen sind nicht das einzige Problem, welches Kunden melden, die mit dem Zug vom und ins Saarland unterwegs sind. (Symbolbild)

Verspätungen sind nicht das einzige Problem, welches Kunden melden, die mit dem Zug vom und ins Saarland unterwegs sind. (Symbolbild)

Foto: Fabian Sommer/dpa/Fabian Sommer

Der Zug fährt pünktlich am Start-Bahnhof los. Ohne zusätzlichen Zwischenhalt auf offener Strecke erreicht er dennoch sein Ziel mit erheblichem Zeitverzug. Damit sind geplante Anschlüsse passé. Die Redaktion erreichten zuletzt zahlreiche Beschwerden darüber. Diese betreffen den Verkehr vom und ins Saarland. Die Ursachen sind vielfältig.

Großbaustellen bremsen Zugverkehr im Saarland aus

Dabei spielten nicht nur von langer Hand geplante Baustellen eine Rolle, die das über lange Zeit vernachlässigte Schienennetz wieder auf Vordermann bringen sollen. Auch kurzfristige Einschränkungen machten den Verkehrsunternehmen zu schaffen. Eine Großbaustelle in Rheinland-Pfalz bremse bis auf Weiteres den Verkehr aus.

„Allgemein gibt es um den Knoten Mainz vorherrschende Überlastungen“, teilt Matthias Weber für das Mobilitätsministerium in Saarbrücken auf SZ-Anfrage mit. Hinzukomme seit Jahresmitte die Generalsanierung der Strecke auf der rechten Rhein-Seite. Das habe zur Folge, dass deutlich mehr Züge entlang des linken Ufers unterwegs seien.

Pro-Bahn: Zusätzlicher Güterverkehr verschärft die Lage

Dies ist auch dem Fahrgast-Verband Pro-Bahn bekannt. „Es verkehren viel zu viele Züge auf einem maroden Schienennetz“, sagt Justin Drescher. Er ist stellvertretender Landesvorsitzender für Rheinland-Pfalz und das Saarland. Dementsprechend komme es immer wieder zu Verspätungen bei Personenzügen. Denn auch Güter würden von der Bahn über diese Route geleitet. In der Regel sollen diese auf der ohnehin stark ausgelasteten Spur Vorfahrt haben. Das bedeute, dass im Zweifelsfall Regionalexpress und -bahn warten müssten.

Gleichzeitig wirke sich weiterhin der niedrige Wasserstand des Rheins wegen der lang anhaltenden Trockenheit aus. So verlagerten Unternehmen ihre Transporte vom Schiff verstärkt auf die Bahn. Dies habe die ohnehin angespannte Lage verschärft, ist Drescher überzeugt.

Saar-Ministerium und Deutsche Bahn: Beschädigte Brücke sorgt für langsamere Fahrten

Das ist aber noch nicht alles: Zusätzlich behindere aktuell ein weiterer Zwischenfall die Nahe-Strecke. Hier fahren Regionalzüge zwischen Mainz und Saarbrücken unter anderem über Ingelheim und Bad Kreuznach sowie im weiteren Verlauf auf saarländischer Seite über Türkismühle, St. Wendel, Ottweiler und Neunkirchen bis nach Saarbrücken.

Seit Freitag, 18. September, komme es hier durch „diverse Langsamfahrstellen, die die Fahrzeit teilweise erheblich verlängern“, meldet Ministeriumssprecher Weber. Ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) in Frankfurt/Main konkretisiert: Grund dafür sei eine beschädigte Brücke. Dieser Engpass liege zwischen Bad Kreuznach und Ingelheim. Bis einschließlich Sonntag, 20. September sei es dadurch zu „Beeinträchtigungen im Verkehr“ gekommen, was den Mainzer Dienstleister Vlexx betraf.

Folgende Linien müssen Umwege in Kauf nehmen

Doch auch weiterhin müssten sich Passagiere auf Beeinträchtigungen einstellen, ergänzt Weber. Der RE3 werde zwischen Bad Kreuznach und Ingelheim umgeleitet, was zu weiteren Verspätungen führe. Die Züge hielten dabei zusätzlich in Bingen.

Die RB33 müsse ebenfalls einen Umweg nehmen – und zwar zwischen Gensingen-Horrweiler und Gau-Algesheim. Diese Umleitungsstrecke lässt keinen Halt in Ockenheim zu. Dafür können Reisende in Bingen-Stadt ein-, aus- und umsteigen. Damit komme es auch hier „zu massiven Verspätungen“. Gleichzeitig gebe es Ersatzbusse zwischen Bad Kreuznach und Ingelheim.

Fahrgast-Verband: Zu kurze Züge mit zu wenig Kapazität

Pro-Bahn-Vertreter Drescher sieht allerdings ein generelles Problem, das nicht nur mit Baustellen und dem anfälligen Schienennetz zusammenhängt. „Der Auftraggeber hat zu kurze Züge einkalkuliert.“ Die eingesetzten Wagen reichten oftmals nicht aus, um das generelle Passagieraufkommen zu bewältigen. Wenn dann noch Veranstaltungen hinzukommen und damit mehr Menschen mit dem Zug unterwegs sind, gerate das System erst recht an seine Grenzen. „Es sind zu viele Züge unterwegs.“

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Hintergrund: Für den regionalen Bahnverkehr sind Länder und weitere Gebietskörperschaften zuständig. Sie schreiben Streckennetze aus, auf die sich Anbieter bewerben können. In diesen Anforderungen legen die Besteller zudem fest, mit welcher Art von Zügen die Unternehmen die Linien betreiben sollen samt erwarteten Kapazitäten.

Kurzfristige Entspannung ist nicht in Sicht

„Hier gibt es ein weiteres Problem, weil das Passagieraufkommen einfach falsch eingeschätzt wird“, sagt Drescher. Der Fahrgast-Verband fordere bereits seit langem, dass längere Züge in der Region unterwegs sein müssen. Zu oft gebe es an Bahnhöfen Ansagen, wonach nicht alle mitreisen könnten, weil der Platz fehlt. Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen verweist er auf die dortigen Doppelstockzüge, die auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland für spürbare Entlastung sorgen könnten.

Kurzfristige Lösungen bei den eigentlichen Strecken sehe Justin Drescher nicht. Dafür sei die Schiene die vergangenen Jahrzehnte zu sehr vernachlässigt worden. „Es muss jetzt in die Infrastruktur investiert werden. Modernisierungen und Sanierungen sind unausweichlich.“ Damit komme es auch in naher Zukunft weiterhin zur Unpünktlichkeit.

So lange müssen sich Zug-Kunden auf Behinderungen einstellen

Dies betreffe insbesondere die Nahe-Strecke. Damit müssen sich Fahrgäste noch einige Zeit mit Engpässen abfinden. Dazu Matthias Weber im saarländischen Mobilitätsministerium: „Die Generalsanierung wird bis Ende des Jahres andauern.“ Zudem schaffe die beschädigte Brücke weitere Probleme. Wie das zuständige DB-Tochterunternehmen Infra-Go dem Ministerium mitteilte, soll sich die vorläufige Instandsetzung bis Anfang Oktober hinziehen. Davon unberührt bleiben die sogenannten Langsamfahrstellen. Für deren Ende „haben wir noch keine verbindlichen Termine“.

Die SZ fragte außerdem beim Regionalzug-Betreiber Vlexx nach. Eine Sprecherin verwies dabei auf die Auskunft aus dem Ministerium. (uml)