Putins neueste Falschmeldung über russische Erfolge lässt tief blicken


Am 3. Juli veröffentlicht das russische Präsidialbüro ein Video, in dem ein müde wirkender Wladimir Putin in einem militärischen Kommandoposten zu stehen scheint. Seine Militärs berichten ihm an diesem Tag über die Situation an der Front. Laut Kremlsprecher Dmitri Peskow verkündet Putin daraufhin die Einnahme der strategisch wichtigen ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka, die unter hohen Verlusten für die ukrainischen Verteidiger erobert worden sei. Es ist jedoch eine Falschmeldung – einmal mehr eine, die die Frage aufwirft, ob Putin seine Entscheidungen über den Fortlauf des Krieges möglicherweise aufgrund von Fehlinformationen durch die Militärs trifft.

Kostjantyniwka gilt als Teil des ukrainischen Festungsgürtels in der Region Donezk. Diese Region hatte Putin im Herbst 2022 zu russischem Territorium erklärt. Moskau fordert als Voraussetzung für einen Waffenstillstand oder einen Friedensschluss die kampflose Übergabe der noch nicht besetzten Teile der Region, was die Ukrainer strikt ablehnen. Sollte die kleine Industriestadt an die Russen fallen, könnten sie von dort aus auf die nördlich gelegenen Großstädte Kramatorsk und Slowjansk vorstoßen. Die Einnahme von Kostjantyniwka wäre ein wichtiger Erfolg für die russischen Streitkräfte.

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Ukraine-Krieg: „Lage an den Flanken ist schwierig“

Die Meldung von der Einnahme der Stadt wurde auf russischen Propaganda-Kanälen mit Videos von Soldaten flankiert, die fahnenschwenkend in den Ruinen der zerstörten Stadt posierten. „Sie versuchen, irgendwo mit ihrer Flagge aufzutauchen, ein Foto zu machen, und werden dann, wenn sie entdeckt werden, ausgeschaltet.“ Das berichtet ein ukrainischer Offizier, der eine Kompanie befehligt, die in Kostjantyniwka eingesetzt ist. Unsere Redaktion hat den Mann am Donnerstag erreichen können, sechs Tage nach der Erfolgsmeldung des Kremls.

Er behauptet, die Ukrainer hätten die Stadt weiter größtenteils unter Kontrolle: „Unsere Truppen sind überall um mich herum, aber es sind auch Russen in der Stadt.“ Seine Informationen decken sich mit denen des ukrainischen Generalstabs. Auch das russische Exilmedium „Meduza“ stellt klar: „Die russischen Streitkräfte haben Kostjantyniwka nicht vollständig eingenommen.“ Jedoch scheinen in der Stadt heftige Kämpfe zu toben. Die ukrainischen Verteidiger stehen unter enormem Druck, wie der Offizier einräumt: „Natürlich verstärken sie ihre Truppen in Teilen der Stadt, insbesondere am Stadtrand von Kostjantyniwka. Die Lage an den Flanken ist schwierig, vor allem aus Richtung Torezk.“

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Es sind Dmytro, links, und Denys, rechts, kurz nach der Rückkehr von der Front zu sehen.

Ukrainische Logistik komplett zusammengebrochen

Die russischen Soldaten, die in die Stadt einsickerten, versteckten sich in Kellern, wo sie schwer zu entdecken seien. „Wenn wir sie finden, töten wir sie. Wenn nicht, kann das in einer Tragödie enden. So sieht die Lage aus.“ Zudem sei die ukrainische Logistik völlig zusammengebrochen. „Wir haben Verluste und Verwundete zu beklagen, aber es ist im Moment extrem schwierig, sie von hier zu evakuieren.“ Der Fall der Stadt scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

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Die voreilige Erfolgsmeldung des Kremls passt in ein Muster. Bereits im vergangenen November behauptete Moskau, die Stadt Kupjansk im Nordosten der Ukraine eingenommen zu haben. Wenig später vertrieben ukrainische Einheiten die russischen Infiltrationstrupps, die es in die Stadt geschafft hatten. Bis heute steht Kupjansk weitgehend unter ukrainischer Kontrolle. Bereits in der Vergangenheit wurden immer Karten des russischen Generalstabs öffentlich, in denen der Frontverlauf deutlich beschönigt dargestellt wird.  

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This handout satellite image courtesy of 2026 Vantor taken on June 22, 2026 and made available on June 23, 2026, shows smoke generators on Crimea Bridge, also called Kerch Strait Bridge, which spans the Kerch Strait, in Kerch. Four people were killed and fuel sales were suspended in Russian-occupied Crimea, the Moscow-backed authorities there said on June 21, 2026 after a massive Ukrainian barrage hit the Black Sea peninsula. Ukraine said it targeted military and energy facilities in Crimea, Moscow's key logistics base for its four-year military offensive, in one of the biggest attacks on the peninsula in recent months. (Photo by Handout / Satellite image ©2026 Vantor / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Satellite image ©2026 Vantor/HANDOUT" - HANDOUT - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS - THE WATERMARK MAY NOT BE REMOVED/CROPPED ===

Ukraine-Krieg: Täuschen die russischen Generäle Putin bewusst?

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Verändert sich die militärische Lage nicht dramatisch, würde eine vollständige Eroberung der Region Donezk allerdings noch viele Monate, wahrscheinlich eher Jahre dauern.