Rakete trifft NATO-Land Polen: Kreml-Beobachter warnen vor großer Eskalation durch Putin


Stand: 31.07.2026, 13:56 Uhr

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Kreml-Beobachter erwarten in den nächsten Wochen eine Eskalation des Ukraine-Kriegs. Der Einschlag einer ballistischen Rakete nahe Lublin gilt als mögliches Signal.

Kreml-Beobachter glauben, dass Wladimir Putin in den kommenden Wochen den Krieg gegen die Ukraine eskalieren wird. Denn anders als in demokratischen Staaten, in denen Nachteile auf dem Schaltfeld zurück an den Verhandlungstisch führen würden, stünde im Falle Putins und Russlands ein anderes Szenario ins Haus: Sollten die Eliten und Kreise, die Putins Diktatur tragen, zu dem Schluss kommen, dass Putin nicht mehr stark genug sei, das Land zu führen und den Krieg zu gewinnen, wäre das sein Todesurteil. Um diese Kreise weiterhin gefügig zu halten, hat der Kreml-Diktator den Druck im Land, die Überwachung, erhöht. Um aber weiterhin als Feldheer zu überzeugen, müsse er zu einem großen Schlag ausholen, einem Angriff auf ein NATO-Land zum Beispiel. 

Ukraine-Krieg - Polen

Polnische Einsatzkräfte in der Nähe des Ortes, wo ein Flugobjekt eingeschlagen ist. (Foto aktuell) © Wojtek Jargilo/PAP/dpa

Der Beschuss Polens in der Nacht auf Donnerstag könnte eine solche Eskalationsankündigung sein. Eingeschlagen war die ballistische Rakete 30 Meilen entfernt von der Stadt Lublin, in der sich tags zuvor der polnische Premierminister Donald Tusk und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj getroffen hatten. Das NATO-Mitglied Polen ist ein enger Verbündeter Kiews. Warschau hat an seinen Nachbarn militärische Unterstützung in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar geleistet, in dem Land sollen bis zu 1,65 Millionen geflohene Ukrainer untergekommen sein. Polen gehört, neben den baltischen Staaten, zu den Stimmen in dem westlichen Verteidigungsbündnis, das aufgrund seiner Geschichte, der Besatzung durch die Sowjetunion, am lautesten vor der Gefahr für Europa warnt, die von Putins imperialistischem Kriegsstreben ausgeht.

Rakete trifft NATO-Land Polen: Kreml-Beobachter warnen vor großer Eskalation durch Putin

Die Verletzung von NATO-Luftraum durch den russischen Aggressor diese Woche war nicht die erste ihrer Art: Im September 2025 waren etliche russische Drohnen in polnischen Luftraum eingedrungen und wurden abgeschossen. Die polnische Regierung schloss vorsichtshalber drei Flughäfen, darunter den in Warschau. Im Dezember 2023 flog eine russische Rakete durch 500 Kilometer polnischen Luftraum, bevor sie in einem Wald abstürzte. Auch die baltischen Staaten, die einst von Moskau besetzt wurden, waren Ziele von Luftraumverletzungen durch Russland.

Die bisherigen Attacken auf Polen haben Warschau und Kiew näher zueinander gebracht, als dass sie das Gegenteil bewirkt hätten. Allerdings lässt Putin nichts unversucht, um die beiden Bündnispartner auseinander zu dividieren. Jüngst sagte er vor Marineangehörigen in St. Petersburg, dass der Osten der Ukraine eigentlich russisch sei und der Westen des Landes früher oder später zu Polen, Ungarn und Rumänien fallen würde. Putin verwies auf polnischsprachige Gruppen im Westen und russischsprachige Gruppen im Osten der Ukraine, um diese Behauptung zu untermauern. Polen wies jeden behaupteten Anspruch auf ukrainisches Territorium zurück.

Allerdings hat Präsident Selenskyj selbst dazu beigetragen, dass das Verhältnis zu Polen stark geschädigt ist. Grund für das Zerwürfnis: Selenskyj benannte ein Regiment seiner Spezialkräfte nach der ukrainischen Untergrundarmee UPA, die im Zweiten Weltkrieg die Ukraine gegen russische und deutsche Truppen verteidigten. Allerdings hat diese UPA 1943 ein entsetzliches Massaker in der Region Wolhynien, ein Gebiet Polens, das damals von Nazi-Deutschland besetzt war, verübt. Dabei wurden 100.000 Menschen, zumeist Frauen, Kinder und Alte auf bestialische Weise ermordet. Stalin verschob die Westgrenze der Ukraine, so das Wolhynien heute in der Westukraine liegt.

Die Namensgebung hat in Polen großes Entsetzen hervorgerufen. Polens Präsident Karol Nawrocki sagte, dass er prüfen würde, ob er Präsident Selenskyj den „Orden des Weißen Adlers”, Polens höchste Auszeichnung, wieder entziehen könne. Die Opposition im Parlament forderte, die militärische und nachrichtendienstliche Unterstützung für Kiew einzustellen. Wieso Kiew diese Namensgebung vornahm, obschon hätte bekannt sein müssen, wie die Reaktion darauf in Polen ausfallen würde, ist unklar. Das Zerwürfnis zwischen den beiden dient nur Putins Zwecken. In den sozialen Netzwerken versuchen russische Geheimdienste, den Konflikt auszubeuten. Sollten weitere Raketen in Polen einschlagen, so könnte Moskaus Überlegung sein, würde das die ohnehin fragil gewordene Unterstützung Warschaus weiter unterwandern. Ukraines Präsident sollte daher alles tun, um das Verhältnis zu seinem wichtigen Verbündeten zu reparieren.