Raketen auf Kiewer Vorort während Wadephul-Besuch


Russischer Angriffskrieg

Raketen auf Kiewer Vorort während Wadephul-Besuch

Von dpa

Aktualisiert am 22.08.2026 - 16:01 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Ukraine fehlen die Mittel, um russische Angriffe mit ballistischen Raketen abzuwehren. Der deutsche Außenminister bekommt während seines Besuchs in Kiew einen unmittelbaren Eindruck davon.

Während des Besuchs von Außenminister Johann Wadephul in Kiew hat Russland einen Vorort der ukrainischen Hauptstadt mit ballistischen Raketen angegriffen und dabei mindestens zwei Menschen getötet. Der CDU-Politiker nahm gerade mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an einem Veteranentreffen in der Kiewer Innenstadt teil, als auch dort Luftalarm ausgelöst wurde. Auf den Handys der Teilnehmer im Raum gingen die Sirenen an, die Veranstaltung wurde aber fortgeführt.

"Wir sind hier in einem Kriegsgebiet"

"Es hat zwei Todesopfer gegeben, eines davon ein Kind", sagte Wadephul später. "Das macht uns noch einmal in erschreckender Weise klar: Wir sind hier in einem Kriegsgebiet." Und dieser Krieg werde nicht nur an der Front ausgetragen, sondern überall im Land. "Das macht auch deutlich, dass die praktische Unterstützung dieses Landes weiter notwendig ist."

Der Vorort Boryspil mit dem seit Kriegsbeginn 2022 geschlossenen internationalen Flughafen liegt nur knapp 30 Kilometer östlich der Dreimillionenstadt. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden mindestens drei Raketen eingesetzt - mutmaßlich vom Typ Iskander. Lagerhallen, geparkte Transporter, Wohnhäuser und mindestens eine Tankstelle wurden beschädigt.

Selenskyj braucht Patriots - Wadephul will sich kümmern

Der Angriff führte Wadephul unmittelbar vor Augen, was der Ukraine derzeit am meisten zu schaffen macht. Ihr fehlen die Mittel, um die Angriffe mit den im Vergleich zu Marschflugkörpern und Drohnen sehr schnellen ballistischen Raketen abzuwehren. Selenskyj bekniet die Alliierten seit langem, zusätzliche Patriot-Abwehrraketen US-amerikanischer Bauart zu liefern - bisher ohne Erfolg.

Wadephul betonte aber, dass er schon nächste Woche weiter versuchen werde, Bündnispartner zur Abgabe von Patriots zu bewegen. "Die Dringlichkeit, die Ukraine mit weiteren Luftverteidigungssystemen zu unterstützen, wird hier noch einmal deutlich", sagte er in Kiew.

Pistorius soll Patriot-Bestände noch einmal prüfen

Zu den möglichen Lieferanten zählen Griechenland, Italien, Japan und Südkorea. Die Bundeswehr hat schon fünf Systeme an die Ukraine abgegeben und sieht eigentlich keine Möglichkeit mehr, aus ihren eigenen Beständen zu liefern.

Die Bundeswehr habe alles mobilisiert, was möglich war, und sei an ihre Reserven herangegangen, sagte Wadephul. Er regte aber an, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Bestände noch einmal prüft. "Er muss gemeinsam mit seinen Fachleuten in die Bestände gucken und schauen, ob noch etwas möglich ist."

Unabhängigkeitstag als Anlass für den Besuch

Am Montag vor 35 Jahren hat die Ukraine die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangt. Der Unabhängigkeitstag ist Anlass für Wadephuls Besuch. Der Minister will schon vorab ein Zeichen der Solidarität setzen. Ungeachtet des schwindenden Rückhalts in der deutschen Bevölkerung für die milliardenschweren Ukraine-Hilfen ließ Wadephul keinen Zweifel daran, dass die Unterstützung fortgesetzt wird. "Wir stehen an der Seite der Ukraine. Wir unterstützen sie. Sie wird diese militärische Auseinandersetzung gewinnen", sagte der CDU-Politiker gleich nach seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kiew.