Rauch-Kallat tritt wegen Ruck aus dem Wiener Wirtschaftsbund aus


Causa Ruck

"Weil ich das Verhalten des Präsidenten nicht akzeptieren kann", erklärte die ehemalige ÖVP-Ministerin auf Facebook. Sie erwarte mehr Protest anderer Kammerfunktionäre

27. Juli 2026, 17:40

Eine ältere Frau mit weißem Haar und großer Ohrringe blickt ernst. Im Hintergrund sind grüne Pflanzen zu sehen.
Die ehemalige Ministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP)

Maria Rauch-Kallat, die für die ÖVP in verschiedenen Bundesregierungen Ministerin war, hat am Montag auf Facebook ihren Austritt aus dem Wiener Wirtschaftsbund bekanntgegeben. "Heute bin ich ausgetreten, weil ich das Verhalten des Präsidenten und dessen Billigung durch die Spitzenfunktionäre nicht akzeptieren kann", teilte Rauch-Kallat, die unter anderem einmal Frauenministerin gewesen war, in einem ausführlichen Posting auf Facebook mit.

Wie berichtet, wurden von Profil und Krone Gesprächsprotokolle veröffentlicht, wonach der Chef des Wirtschaftsbunds und Präsident der Wirtschaftskammer in Wien, Walter Ruck, sich über Parteikollegen und Industrievertreter mokiert haben soll. Auch gegenüber Frauen soll er sich despektierlich geäußert haben. Weiters soll er damit geprahlt haben, welchen Einfluss er auf ÖVP-Listenerstellungen und Postenbesetzungen genommen habe. Ruck wurde Freitagabend aus der ÖVP ausgeschlossen.

Kritik an Ludwig

"So ist die ÖVP nicht!", schreibt Rauch-Kallat am Montag auf Facebook weiter. "Die Erklärung des Präsidenten, er hätte die kolportierten Aussagen nie bestätigt, sagt wohl alles. Er hat sie auch nie dementiert!", stellt die ehemalige Nationalratsabgeordnete fest. Die Aussagen würden aus ihren Erfahrungen "absolut schlüssig und glaubhaft" wirken.

Zu den Vorwürfen nahm er bisher öffentlich nicht Stellung, in einem Schreiben an Mitglieder des ÖVP-Bundesparteivorstands nannte er sie eine "Medienkampagne" gegen die Selbstverwaltung und ihn als Person. Es gebe "keinen einzigen, rechtlich relevanten Vorwurf. Was es gibt: Aufregung über mir in den Mund gelegte, flapsige, private Aussagen, die allesamt von mir nicht bestätigt wurden", teilte Ruck da mit. Er hat angekündigt, den Parteiausschluss prüfen zu lassen.

Rauch-Kallat schreibt auch, dass sie sich darüber wundere, dass ich der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig nicht klar distanziere. Ludwig, der stadtpolitisch eng mit Ruck eng kooperiert, äußerte sich zuletzt am vergangenen Dienstag – und sagte da der APA, er kenne Ruck als umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner. Er habe "immer ein ausgesprochen gutes Einvernehmen gehabt" mit ihm, sagte der SPÖ-Politiker.

Wechselte das Bundesland

Rauch-Kallat bleibt dennoch dem Wirtschaftsbund treu: Sie sei dem Wirtschaftsbund Oberösterreich beigetreten, ließ sie wissen. Auch schätze sie die Arbeit der Präsidentin und Obfrau des Wirtschaftsbunds Österreich, Martha Schultz, und ihrer Generalsekretärin, Tanja Graf, sehr. Allerdings könne man der Bundesleitung nicht beitreten.

Als Unternehmerin in Wien müsse sie zudem "(leider) Mitglied in der Wiener Wirtschaftskammer bleiben", schreibt Rauch-Kallat weiter. Sie verstehe nicht, "dass viele sehr respektable Funktionäre und Funktionärinnen zu all diesen Vorwürfen schweigen und damit der eigenen Gesinnungsgemeinschaft einen erheblichen Schaden zufügen"! Sie wünsche sich, dass "auch all jene Männer, die NICHT SO sind, ihre Stimme erheben und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen", teilte sie weiter mit.

Unklar ist aber, ob Rauch-Kallats Austrittsgesuch den Wiener Wirtschaftsbund überhaupt direkt erreicht hat: Rauch-Kallat postete auch einen E-Mail-Verlauf, wonach auf ihr Mail mit dem Betreff "Kündigung meiner Mitgliedschaft im Wiener Wirtschaftsbund" ungelesen gelöscht worden sei. (spri, 27.7.2026)