Rechtsextreme Laura Loomer fühlt sich wegen der Ukraine "wie ein Arschloch" – kann sie auch Trump überzeugen?
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Rechtsextreme Laura Loomer fühlt sich wegen der Ukraine "wie ein Arschloch" – kann sie auch Trump überzeugen?
Die Influencerin mit Hang zu Verschwörungstheorien hat sich in Kyjiw selbst ein Bild vom Krieg gemacht. Nun kritisiert sie Russland scharf und fordert das MAGA-Lager zum Umdenken auf
Kim Son Hoang
Zwischenzeitlich war Laura Loomer sogar den Beratern von Donald Trump zu steil. Also im Sinne von so offen rassistisch, dass das Wahlkampfteam 2024 befürchtete, sie könnte Trump die zweite Amtszeit im Weißen Haus versauen. Ihm selbst war das egal, er herzte die rechtsextreme Influencerin öffentlich, nahm sie zu wichtigen Wahlkampfveranstaltungen mit, hatte immer ein offenes Ohr für ihre Meinung.
Sie soll es sogar gewesen sein, die Trump einflüsterte, dass haitianische Einwanderer in der Stadt Springfield in Ohio die Haustiere von Einheimischen essen würden ("They’re eating the cats, they’re eating the dogs"). Die Stadtbehörden mussten sich tatsächlich öffentlich äußern und betonen, dass da nichts dran sei.
John Kirby, zu jener Zeit im Herbst 2024 Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, sprach angesichts dieser absurden Vorwürfe von einer gefährlichen Verschwörungstheorie.
9/11 ein angeblicher "Inside Job"
Diesbezüglich kennt sich Loomer bestens aus. Ihrer Meinung nach seien die 9/11-Terroranschläge ein "Inside Job" der damaligen US-Regierung von George W. Bush gewesen, um davon abzulenken, dass sie angeblich kurz davor 2,3 Billionen Dollar an Staatsmitteln "verloren" habe – was natürlich nicht stimmt.
Und jüngst erst forderte sie angesichts des Todes von US-Senator Lindsey Graham "rasche Untersuchungen zu einer möglichen ausländischen Beteiligung". Ihr Hauptverdacht: die iranischen Revolutionsgarden. Tatsächlich deutet aber alles auf einen natürlichen Tod hin.
Übrigens: Vor knapp zwei Jahren noch rief Graham Trump eindringlich dazu auf, auf Abstand zu Loomer zu gehen. Konkreter Anlass waren ihre Äußerungen über die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris: Sollte sie die Wahl gewinnen, dann werde "das Weiße Haus nach Curry riechen" und Reden in der Regierungszentrale würden "über ein Callcenter abgewickelt".
Das war sogar der damaligen Trump-Getreuen Marjorie Taylor Greene, selbst wahrlich kein Kind von Traurigkeit, zu heftig. Sie sprach von einer "bösartigen, rassistischen und spaltenden Rhetorik" Loomers.
Kein offizieller Beraterposten
Trump war das alles herzlichst egal. Nach dem erneuten Einzug ins Weiße Haus verweilte Loomer treu an seiner Seite. Ihr Einfluss auf ihn blieb offensichtlich gewaltig, auch wenn Trumps Team dem Vernehmen nach verhinderte, dass sie einen offiziellen Posten als Präsidentenberaterin erhielt.
Medienberichten zufolge brachte sie ihn dazu, mehrere Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrats zu feuern, die ihrer Meinung nach nicht loyal zum Präsidenten gewesen seien. Dies kommentierte sie in den sozialen Medien unter anderem mit "Loomered" (der Name ihrer Webseite und ihres Buchs) oder mit "Skalp!"
Außenpolitisch ist sie klar auf "America First"-Linie. Die Milliardenunterstützungen der Biden-Regierung an die Ukraine kritisierte sie immer wieder scharf. Sie übernahm die russische Propaganda, dass die Vollinvasion der Ukraine der "Entnazifizierung des Landes" diene und dies "zu 100 Prozent richtig" sei.
2023 erklärte sie, dass "unsere Regierung Nazi-Todesschwadronen in der Ukraine" finanziere. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete sie dazu passend als "Nazi-Kollaborateur", der in den USA um Geld bettle.
Einst bei Russia Today
Russland und auch Wladimir Putin hingegen lobte sie immer wieder und nahm damit auch eine ähnliche Position wie Trump ein. Bei seinen Vermittlungsversuchen, den Ukrainekrieg zu beenden, gab er sich stets Moskau- denn Kyjiw-freundlicher. Einst trat Loomer auch regelmäßig als politische Kommentatorin beim russischen Propagandasender Russia Today auf.
Das alles gilt es zu wissen, um zu verstehen, was es bedeutet, was Laura Loomer seit Kurzem von sich gibt. Begonnen hat es am 17. Juni, als sie in ihrem Video-Podcast Loomer Unleashed erklärte, sie sei auf russische Propaganda hereingefallen, vor allem was die angebliche "Entnazifizierung" der Ukraine betrifft. Sie habe das nachgeplappert, "ohne zu erkennen, wie ich als konservativer Mensch und Trump-Unterstützerin durch Online-Propaganda manipuliert wurde".
In ihrem Podcast erklärte sie selbst, wie es zu ihrer Sympathie für Russland gekommen ist. Während sie in den USA unter anderem auf X und Facebook gesperrt und sie nach einer rassistischen Bemerkung über muslimische Taxifahrer auch von Uber blockiert wurde, sei sie empfänglich gewesen für die Anfrage von Russia Today. Dort habe sie sagen können, was sie wollte. Und in ihr wuchs der Gedanke: Meinungsfreiheit ist in Russland möglicherweise wichtiger als in den Vereinigten Staaten.
Hinzu kamen die Sonderermittlungen über eine mögliche russische Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl 2016, die Trump gegen Hillary Clinton gewann. Dies, so Loomer, habe im rechten Lager dazu geführt, dass man es irgendwann satthatte, dass Russland permanent kritisiert wurde.
Putins "Wow"-Effekt
Schließlich sagte Putin dann einmal, dass Trump die Wahl 2020 gestohlen worden sei, unter anderem durch Wahlbeeinflussung von Big-Tech-Konzernen. "Wow", dachte sich Loomer dabei, schließlich hat sie genau die gleiche Meinung dazu. Daraufhin habe sie begonnen, Putin-freundliche Postings zu verfassen.
Damit sei es nun vorbei. Die Trump-Anhängerschaft warnte sie, weiterhin mit Russland zu sympathisieren und sich dadurch von Moskau instrumentalisieren zu lassen. Russland gebe nur vor, ein christliches Land zu sein, tatsächlich "ermorden sie Hunderttausende junger Christen in der Ukraine".
Nun, rund einen Monat später, legt Loomer nach. Sie ist in die Ukraine gereist, um sich selbst ein Bild davon zu machen, was Putins Krieg dort für Folgen hat. Am Montag schrieb sie auf X, dass sie sich bezüglich der Ukraine "geirrt" habe. "Am ersten Tag habe ich bereits Fotos von toten Priestern in Butscha gesehen, die von Russland ermordet wurden, und ich habe das Massengrab gesehen, in das die Leichen der ermordeten Christen gelegt wurden, nachdem Russland Truppen aus Tschetschenien geschickt hatte, um unschuldige Menschen zu massakrieren." Sie habe erkannt, dass nicht die Ukraine und Selenskyj die "Dschihad-Apologeten" seien, sondern Russland und Putin.
"Gerade meinen ersten Luftangriff in der Ukraine erlebt", schrieb sie am Dienstag. Dies sei für jeden Ukrainer Alltag, fügt sie hinzu. "Ich komme mir wie das größte Arschloch vor, weil ich den Kampf der Ukrainer in den letzten fünf Jahren so heruntergespielt habe."
Demonstrativ postete die 33-Jährige später Bilder von sich bei einem McDonald's-Besuch in Kyjiw. Dazu schrieb sie unter anderem: "Es gibt nichts Besseres, als eine Mahlzeit zu genießen, während im Hintergrund ein russischer Raketenangriff tobt und die Fenster bei McDonald’s herausgebrochen sind, um wirklich zu schätzen, was es bedeutet, Amerikaner zu sein, und deine bisherige Sicht auf die US-Unterstützung für die Ukraine zu überdenken."
Zu sehen sind auf ihrem Twitter-Account auch Fotos, wie sie mit Sergiy Kyslytsya zusammentrifft, dem stellvertretenden Leiter des ukrainischen Präsidialamtes. Gemeinsam mit Kulturministerin Tetjana Bereschna haben sie Loomer das durch russische Angriffe beschädigte Kyjiwer Höhlenkloster gezeigt, eines der wichtigsten Zentren des orthodoxen Christentums.
Willkommen in der Ukraine
Auf X hieß sie auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha im Land willkommen: "Wir wünschen Ihnen einen sicheren Aufenthalt und produktive, offene Gespräche." Und das ukrainische Präsidialamt schrieb: "Es gibt keinen besseren Weg, sich eine fundierte Meinung zu bilden, als durch persönliche Erfahrung, die es ermöglicht, mit russischer Propaganda umzugehen."
Angeheftet in ihrem X-Account, also dauerhaft zuerst zu sehen, ist ein kurzes Video, das Loomer auf Reisen zeigt. Dabei steht: "Ich bin nicht in Russland, weil ich keine Propagandistin bin."
In einem anderen Posting schrieb sie: "Ich heiße alle in MAGA willkommen, ihre bisherigen Ansichten über Russland zu überdenken." Ob sich auch Trump daran hält, ob Loomer ihn hier zu einer Neubewertung des Ukrainekriegs bewegen kann, wird sich zeigen. (Kim Son Hoang, 23.7.2026)
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