Riesige Unterschiede: So viele Beitragszahler kommen in Ihrem Bundesland auf einen Rentner
Stand: 24.07.2026, 19:24 Uhr
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Immer weniger Arbeiter finanzieren immer mehr Rentner, heißt es oft über die Rente. Ein Blick auf die Zahlen zeigt Überraschendes. Wo die Lage besonders brenzlig ist – und wo es gut aussieht.
Berlin – Die gesetzliche Rente ist ein Umlagesystem. Aktuell arbeitende und Rentenversicherungsbeiträge zahlende Menschen finanzieren die aktuelle Generation an Rentnerinnen und Rentnern. Immer wieder wird das System kritisiert – schließlich wird die deutsche Bevölkerung im Schnitt immer älter und der Arbeitsmarkt ist nicht mehr so stabil wie noch vor einigen Jahren. Andere Stimmen dagegen sagen, das Umlagesystem sei nach wie vor gut – wenn man es nur ausreichend finanziere, um der wachsenden Zahl an Rentnerinnen und Rentnern eine auskömmliche Rente zu garantieren. Doch wie viele Beitragszahler kommen wirklich pro Rentnerin und Rentner auf? Ein Blick auf die Zahlen gibt Aufschluss.

Die Bundestagsfraktion der Linken hat sich in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung nach dem Verhältnis von Beitragszahlern zu Beitragsempfängern erkundigt. Die Antwort mit Zahlen der Deutschen Rentenversicherung liegt dem Münchner Merkur von Ippen.Media exklusiv vor.
Große Rentenunterschiede in den Ländern
Auf über 34 Millionen Pflichtversicherte der gesetzlichen Rentenversicherung (Stichtag 31.12.2024) kamen demnach knapp 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner (Stichtag 1.7.2024) und damit ein Verhältnis von 1,74 Beitragszahlern pro Rentenbezug. Damit blieb das Verhältnis im Vergleich zu 2023 gleich. 2019 finanzierten 1,71 Beitragszahler eine Rente und 2015 lag das Verhältnis mit 1,62 noch niedriger. Die Aussage, dass immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren, ist also nicht haltbar. Das lässt sich für die vergangenen Jahre vorwiegend mit dem stabilen deutschen Arbeitsmarkt erklären, die Beschäftigungszahlen jagten meist ein Rekordhoch nach dem anderen.
Interessant ist die regionale Unterteilung der Zahlen auf die Bundesländer. So zeigt sich: Das beste Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenbezug ist mit 2,4 in Hamburg zu finden. Auf Platz zwei folgt ein weiterer Stadtstaat, Berlin hat ein Verhältnis von 2,03. Von den Flächenstaaten liegt Bayern vorn, hier sorgten 2024 genau zwei Beitragszahler für eine Rente. Ein ähnliches Verhältnis ist in Baden-Württemberg zu beobachten (auf der interaktiven Karte können Sie mit einem Klick auf die Bundesländer die jeweiligen Zahlen sehen).
Brenzlig wird das Verhältnis in den Bundesländern, die in vielen Kategorien ohnehin als strukturschwach gelten und vom Wegzug vieler junger Menschen betroffen sind. In Mecklenburg-Vorpommern kamen nur 1,19 Beitragszahler für eine Rentnerin oder einen Rentner auf. Sachsen-Anhalt (1,24) und Thüringen (1,25) weisen ähnlich brenzlige Werte auf. Auch im Saarland ist die Quote mit 1,42 unterdurchschnittlich. Zwar werden die Rentenhöhen nicht nach einem klaren Länderproporz errechnet, die Verhältnisse von Beitragszahlern zu Rentenbeziehenden geben jedoch Aufschluss darüber, in welchen Regionen stabile Arbeitsmärkte auch das Umlagesystem der gesetzlichen Rente stabilisieren.
Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Mitautorin der Kleinen Anfrage, Sarah Vollath, fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rente in Form einer Mindestrente. „Damit erkennen wir auch die Lebensleistung von Personen an, die jahrzehntelang viel zu niedrige Löhne für ihre harte Arbeit bekommen haben oder unbezahlt gesellschaftlich unverzichtbare Aufgaben, wie die Pflege von Angehörigen und die Erziehung der Kinder, übernommen haben. Sie alle verdienen ein gutes und würdevolles Leben im Alter.“ (Verwendete Quellen: Eigene Recherche, Linken-Bundestagsfraktion, Antwort der Bundesregierung, Deutsche Rentenversicherung, Statistisches Bundesamt)