Rubis: Die französische Dividendenperle mit karibischem Charme


Stand: 03.09.2026, 18:23 Uhr

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Rubis ist an der Börse kaum bekannt, zahlt aber seit 35 Jahren ununterbrochen Dividende. Vor den Halbjahreszahlen am 8. September zeigt sich, ob die günstige Bewertung und hohe Rendite Bestand haben.

Manche Perlen findet man nicht im Meer. Wer in den vergangenen Jahren durch die Karibik gereist ist, ist dem französischen Unternehmen Rubis vermutlich schon begegnet, ohne es zu wissen. An der Börse ist die Aktie dagegen kaum bekannt. Dabei zahlt der Konzern seit 35 Jahren ununterbrochen eine Dividende und hat sie in den vergangenen drei Jahrzehnten Jahr für Jahr erhöht. Ob sich ein Investment auf dem aktuellen Kursniveau lohnen könnte und worauf zu achten ist, zeigt der Blick in ein Geschäftsmodell, das nicht direkt etwas mit palmengesäumten weißen Stränden zu tun hat.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit BÖRSE am Sonntag.

Tanklaster unter Palmen

Ein Flugzeug rollt zum Gate. Ein Tanklaster fährt heran. Ein Mitarbeiter in Warnweste schließt den Schlauch an. Wer in den vergangenen Jahren in der Karibik im Urlaub war, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit genau so eine Szene beobachtet, ohne dabei an ein mögliches Investment zu denken. Das wird sich nun vielleicht ändern. Auf dem Tanklaster steht Rubis. Der gleichnamige französische Konzern (ISIN: FR0013269123) betankt in der Region an 19 Flughäfen die Flieger mit Kerosin, darunter an malerischen Traumzielen wie Barbados, St. Lucia, Guadeloupe oder Trinidad und Tobago. Außerdem übernimmt das Unternehmen große Teile der dazugehörigen Logistik, von der Beschaffung über den Transport bis zur Lagerung.

Geschäftsmann und Paar ziehen mit Seil großen Euro Geldsack

Rubis ist an der Börse kaum bekannt, zahlt aber seit 35 Jahren ununterbrochen Dividende. ©  IMAGO / Ikon Images

Neben der Karibik ist Rubis auch in Afrika und Europa aktiv und bietet dort Kraftstoffe, Flüssiggas, Schmierstoffe und Bitumen für Industrie und Infrastrukturprojekte an. Hinzu kommt ein Netz von insgesamt 1.167 eigenen Tankstellen in allen drei Regionen, davon über 280 in der Karibik. Der größere Teil der übrigen 887 Stationen entfällt auf Afrika, wo Rubis unter anderem in Kenia, Marokko, Madagaskar und Senegal Marktführer ist. Das alles klingt nicht sonderlich spektakulär, für ein solides Investment muss es das aber auch nicht.

Vom Rekordhoch zur mehrjährigen Talfahrt

Die Aktie galt dabei lange als Wachstumswert, was sich an der Börse in einer relativ hohen Bewertung niederschlug. Höhepunkt einer starken mehrjährigen Aufwärtsphase war das bisherige Allzeithoch vom Mai 2018 bei 65,60 Euro. Danach folgte eine mehrjährige Talfahrt. Ein Knackpunkt war die hohe Bewertung selbst, als Ausdruck der hohen Wachstumsprognosen, die der Markt der Aktie zugeschrieben hatte. Diese zwischenzeitlich auch deutlich überzogenen Erwartungen der Marktteilnehmer mussten sich daher früher oder später normalisieren. Ein Gesetz, das sich immer wieder an der Börse zeigt. Oft gibt es für eine solche Neubewertung auch handfeste Gründe. Rubis bildet dabei keine Ausnahme. Vor allem operative und geopolitische Probleme belasteten die Kursentwicklung. Das Unternehmen musste 2018 wegen der wieder eingeführten US-Sanktionen den Iran verlassen. Außerdem brach das Geschäft am türkischen Terminal Dörtyol, einem Umschlagsplatz für Mineralöl und andere Flüssiggüter an der Mittelmeerküste, ein. Hintergrund waren geringere Ölströme aus dem Nordirak. Beide Faktoren gehören inzwischen zur Firmengeschichte. In Iran ohnehin nicht mehr aktiv, wurde das Terminalgeschäft in der Türkei 2024 verkauft.

Ein weiterer Grund für die Talfahrt der Aktie seit 2018 könnte der Fokus auf fossile Energieträger gewesen sein. Der Rückgang fiel in eine Zeit, in der die gesamte Energiebranche unter einem strukturellen Bewertungsabschlag litt, auch hervorgerufen durch die Annahme, dass erneuerbare Energien künftig den Großteil des Energiemixes ausmachen werden. Rubis setzte in dieser Zeit trotzdem seinen profitablen Wachstumskurs fort und konnte sich dabei auch von den Corona-bedingten Rückgängen der Ergebnisse relativ schnell wieder erholen. Das schlägt sich auch im Chart nieder.

Seit dem Korrekturtief im Oktober 2023 von unter 20 Euro hat sich ein neuer Aufwärtstrend etabliert. Aktuell notiert die Aktie im Bereich ihrer 200-Tage-Linie, die sie im Juni verletzt hatte. Gelingt es dem Kurs, sich darüber zu halten und das Zwischenhoch von August dieses Jahres bei 34,54 Euro zu überwinden, würde sich auch das charttechnische Bild weiter aufhellen. Gibt es vielleicht Rückenwind von den anstehenden Geschäftszahlen?

Warum die Karibik das Herzstück des Geschäfts bleibt

Am 8. September legt Rubis seine Halbjahreszahlen vor. Bestätigt sich darin die robuste Nachfrage aus der Karibik? Wie wichtig die Region für Rubis ist, zeigt der Rückblick auf das Geschäftsjahr 2025. Vom Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 741 Millionen Euro entfielen 68 Prozent auf den Bereich Retail & Marketing, der das klassische Vertriebsgeschäft mit Kraftstoffen, Flüssiggas und verwandten Produkten umfasst. Davon stammten wiederum 30 Prozent aus der Karibik. Auf Afrika entfielen 24 Prozent, auf Europa 14 Prozent. Die Karibik ist damit die stärkste Einzelregion im zentralen Distributionsgeschäft. Das Management bezeichnete die Nachfrage in der Region zuletzt als robust. Strukturelle Treiber sind Tourismus und Bevölkerungswachstum. Die bisherige Entwicklung in der Region und die starke Positionierung sprechen dabei für eine stabile Grundlage des Geschäftsmodells.

Wie wächst Rubis in Afrika und Europa?

Doch die Karibik ist nicht die einzige Wachstumsregion. In Afrika ist Rubis mit Kraftstoffen, Flüssiggas und zunehmend auch mit Bitumen aktiv. Treiber sind vor allem Bevölkerungswachstum, fortschreitende Urbanisierung und der Ausbau von Straßen- und Energieinfrastruktur. Außerdem sollen die Tankstellen aus dem gesamten eigenen Netz, nicht nur in Afrika, zunehmend mit Shops, Gastronomie und Ladepunkten für Elektroautos ausgestattet werden.

Beim Bitumengeschäft hat der Konzern zuletzt seine Position in Angola gestärkt und ist neu in den libyschen Markt eingestiegen. Über eine eigene Logistikkette aus Tanklagern und Schiffen beliefert Rubis inzwischen 20 afrikanische Länder mit dem Baustoff. Seit Anfang 2026 baut der Konzern zudem in Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland ein eigenes Bitumengeschäft auf. Der Schwerpunkt in Europa liegt aber woanders. Dort setzt Rubis auf Flüssiggas als Übergangsenergie für die Industrie, befeuert durch die fortschreitende Elektrifizierung von Verkehr und Rechenzentren. Hinzu kommt die Photovoltaiksparte Photosol, die ihre Kapazitäten in Frankreich zuletzt um 21 Prozent steigerte, während in Italien vier neue Solarparks im Bau sind.

Eine Dividendenrendite, die aufhorchen lässt

Karibik, Afrika und Europa, drei unterschiedliche Regionen, ein gemeinsamer Nenner in der strategischen Ausrichtung: Energie, die überall gebraucht wird, ob am Flughafen in Bridgetown oder auf der Baustelle in Luanda. Das Geschäftsmodell klingt daher vielversprechend, weshalb die Rubis-Aktie einen näheren Blick wert ist. Dabei sticht auch die aktuelle Bewertung ins Auge. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) liegt aktuell bei 4,2 und damit deutlich unter dem historischen Durchschnittswert von rund 10. Rechnerisch ergibt sich daraus eine Rendite des Geschäftsmodells von über 20 Prozent, ein Puffer, der einen Teil der Risiken der Aktie abfedert. Das macht Rubis auch als längerfristiges Investment interessant. Anleger, die auf starke Dividendenzahler setzen, dürften den französischen Konzern zudem wegen seiner Ausschüttungspolitik wertschätzen.

Rubis zahlt seit 35 Jahren ununterbrochen eine Dividende und hat diese in den vergangenen 30 Jahren jedes Jahr erhöht. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 2,07 Euro je Aktie gezahlt. Auf dieser Basis beträgt die Dividendenrendite beim aktuellen Aktienkurs von rund 34,00 Euro mehr als 6 Prozent. Aber wie sicher ist die Dividende? Die Ausschüttungsquote lag in den vergangenen zehn Jahren bis auf eine Ausnahme kontinuierlich unter 50 Prozent. Die Zahlungen sind also mehr als ausreichend durch den operativen Cashflow gedeckt. Damit wirkt die Dividende gut abgesichert.

Was hat es mit der Quellensteuer auf französische Dividenden auf sich?

So attraktiv die Dividende angesichts des robusten Geschäftsmodells auch ist, vor einem Investment sollte man als deutscher Anleger jedoch eine Sache berücksichtigen. Bei Dividenden von französischen Unternehmen behält der französische Fiskus vorab einen Teil ein, die Quellensteuer. Für Anleger mit Wohnsitz außerhalb Frankreichs liegt dieser Satz bei 12,8 Prozent der Bruttodividende. In der Praxis erkennen jedoch nicht alle Depotbanken den ausländischen Wohnsitz automatisch und rechtzeitig an. Wird die Dividende dadurch fälschlich wie eine inländische französische Ausschüttung behandelt, kann die Gesamtbelastung auf rund 30 Prozent steigen.

Die zu viel gezahlte Differenz kann man sich zwar beim französischen Fiskus zurückholen, das kostet aber Zeit und ist in der Regel auch mit relativ hohen Gebühren verbunden. Wer sich diesen Aufwand spart, bekommt am Ende dauerhaft weniger von der attraktiven Rendite, als womöglich erwartet. Vor dem Kauf lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wie der eigene Broker französische Dividenden steuerlich behandelt.

Wo die Risiken für Rubis liegen

Neben den steuerlichen Fallstricken trägt auch das Geschäftsmodell selbst Risiken. Rubis hängt stark von Energiepreisen und Absatzmengen ab. In Schwellenländern kommen Währungsschwankungen hinzu. In Kenia und Nigeria etwa sichert sich Rubis inzwischen aktiv gegen Wechselkursrisiken ab. In Haiti bleibt die Lage volatil, dort wendet der Konzern wegen anhaltender Hyperinflation sogar spezielle Bilanzierungsregeln an, auch wenn sich das operative Geschäft dort zuletzt deutlich erholt hat. Hinzu kommt ein Rechtsrisiko in Frankreich: Die französische Wettbewerbsbehörde verhängte im November 2025 eine Strafe von 64,7 Millionen Euro gegen Rubis wegen mutmaßlich wettbewerbswidriger Praktiken beim Kraftstoffvertrieb auf Korsika. Rubis ist dagegen in Berufung gegangen, eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Bleibt es bei der Strafe, wäre das ein großer außergewöhnlicher Belastungsfaktor für den Gewinn, der 2025 bei netto 309 Millionen Euro lag.

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Was am Ende für die Aktie spricht

Echte Perlen sind fast nie makellos rund und kleine Unregelmäßigkeiten unterscheiden sie von den perfekten künstlichen Imitaten. Bei Rubis ist die Quellensteuer so ein Makel, lästig, aber kein Grund, der gegen ein langfristiges Investment spricht. Vielmehr liefern eine niedrige Bewertung, eine starke Dividendenhistorie über drei Jahrzehnte und ein grundsätzlich solides Geschäft, das sich über drei Kontinente verteilt, Argumente für die Aktie. Wer diese Details sowie die Risiken prüft und abwägt, findet in Rubis eine Perle, die zwar nicht im Meer liegt, aber eben doch unter Palmen wächst.